Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

China: Geothermische Energie aus Ölfeld. Machbarkeitsstudie in Deutschland erstellt

19.03.2003


In der Provinz Shandong liegt Shengli, Chinas zweitgrößtes Ölfeld. Mit seinen 40 000 km2 entspricht es fast der Fläche der Niederlande. 250 000 Menschen fördern jedes Jahr 27 Millionen Tonnen des begehrten Rohstoffs und verarbeiten ihn weiter.



Mit dem Öl kommt heißes Wasser. Gemeinsam wird beides an die Oberfläche gepumpt und dort von einander getrennt. Das Öl geht in die Weiterverarbeitung und das Wasser hat immer noch 65 °C. Eigentlich zu schade zum Wegkippen, sollte man meinen.



In der Nähe eines der Bohrfelder liegt ein Wohngebiet. Hier werden derzeit 120 000 m2 durch ein Fernwärmenetz beheizt, 160 000 sollen es in naher Zukunft werden. Wärme wird derzeit von einem mit Schweröl betriebenen Heizkessel erzeugt.

Die kluge Überlegung war, die Verfeuerung von Öl zu reduzieren, indem man zukünftig zusätzlich die im Wasser enthaltene "Abfallenergie" nutzt. Dazu mussten jedoch zunächst eine Reihe von Fragen geklärt werden, für die das Shengli Oilfield Bureau den fachlichen Rat bei den deutschen Geothermie-Spezialisten der EWS Erdwärmesysteme, Delbrück einholte.

Welche Energiemengen lassen sich überhaupt aus dem Wasser entziehen und in das neue Fernwärmenetz einspeisen? Wie wirkt sich die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe des Wassers (Chemismus) auf den Betrieb des geothermischen Anlagenteils aus? Wie kann durch die geothermische Wärme das vorhandene Heizwerk ersetzt werden? Welche technischen Voraussetzungen müssen geschaffen werden? Wie hoch sind die voraussichtlichen CO2-Einsparungen?

Nach Vorgesprächen vor Ort reiste im Juni 2002 eine hochrangige Delegation aus China nach Deutschland an. Anhand vorhandener Anlagen, wie etwa dem neuen Gebäudekomplex der Deutschen Flugsicherung in Langen, konnte man sich von den hohen Standards der technischen Konzepte hierzulande überzeugen, die auf einen seit fast zwei Jahrzehnte andauernden Forschungs- und Entwicklungsprozess beruhen. Der Kooperationsvertrag wurde daher auch am 18.06.2002 in Frankfurt unterzeichnet.

Inzwischen wurde eine erste Machbarkeitsstudie erarbeitet, welche die möglichen Varianten zur Nutzung des Ölbegleitwassers untersucht. Als das energetisch, ökologisch und wirtschaftlich günstigste System entwickelten die beteiligten Wissenschaftler und Ingenieure eine Kombination aus Thermalwasser, Spezialwärmetauscher, Wärmepumpen und einem Blockheizkraftwerk. Diese findige Verbindung ermöglicht es, den für den Betrieb der Wärmepumpe benötigten Strom direkt vor Ort herzustellen. Im Winter wird die Abwärme des BHKW in das Fernwärmenetz eingespeist, sommertags wird sie dazu genutzt, das Öl vor dem Transport durch die Pipeline vorzuwärmen. Dies ermöglicht eine bessere Pumpbarkeit und damit verbunden eine geringere Stromaufnahme der Förderpumpen. Der dann selbst erzeugte Strom kann zum Betrieb der Förderpumpen im Ölfeld eingesetzt werden. Über das neue System werden mehr als 55% der benötigten Heizleistung von jährlich 30 720 Megawattstunden bereitgestellt. Damit würde nicht nur die Verschwendung einer bislang ungenutzten Energieressource beendet und der Ausstoß klimaschädlicher Emissionen erheblich reduziert, sondern auch noch ein Beitrag zur wirtschaftlichen Verbesserung des Gesamtsystems geliefert werden können.

Kontakt:

Oliver Kohlsch
EWS Erdwärme-Systemtechnik GmbH & Co. KG
Hengsterberg 15, 33129 Delbrück
Tel:: 05250 - 995850
Fax: 05250 - 995851
Email: info@erdwaerme-systeme.de

Werner Bussmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.erdwaerme-systeme.de
http://www.geothermie.de

Weitere Berichte zu: Fernwärmenetz Wärmepumpe Ölfeld

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE
20.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

nachricht Wussten Sie, dass Infrarot-Wärme die Pralinenherstellung vereinfacht?
14.02.2017 | Heraeus Noblelight GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie