Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Großexperiment zur Nutzung von Erdwärme für die Stromerzeugung

27.02.2003



In einem Großexperiment zur Stimulation geothermischer Energie injiziert eine Arbeitsgruppe des GeoForschungsZentrums Potsdam (GFZ) ab Donnerstag, dem 27. Februar, 17 Millionen Liter Wasser in ein Bohrloch bei Groß Schönebeck im Nordwesten von Berlin. Ziel des Experiments ist die gezielte Schaffung künstlicher Gesteinsklüfte in etwa viertausend Metern Tiefe, um einen besseren Wasserzufluss aus dem Gestein zu erzielen. Begleitet wird dieser Großversuch durch zahlreiche geophysikalische Messungen.


Geothermie als Energiequelle zur Wärmeversorgung ist auch in Deutschland nicht ungewöhnlich. Die Nutzung von Erdwärme zur Stromerzeugung hingegen ist für Mitteleuropa immer noch Pionierarbeit. Die entscheidende Frage dabei ist, ob ein ausreichendes nutzbares Heisswasservolumen im Gestein zur Verfügung steht. Bei Beginn des Projektes vor zwei Jahren wurden in 4300 Metern Tiefe Temperaturen von 150 °C gemessen, ein Temperaturbereich, der für das geplante Vorhaben ausreichend ist. In mehreren Experimenten wurde seitdem untersucht, wie die Klüftigkeit des Gesteins in der Tiefe soweit vergößert werden kann, dass neben der hohen Temperatur auch die genügende Menge an heißem Wasser bereit gestellt werden kann.

Mit dem jetzt stattfindenden Großexperiment soll der entscheidende Nachweis erbracht werden, ob geothermische Stromerzeugung unter den hier vorherrschenden geologischen Bedingungen möglich ist. Durch den hydraulischen Druck der verpressten 17.000 Kubikmeter Wasser wird das Gestein in der Tiefe zerbrochen. Damit wird untertage die Wegsamkeit verbessert, so dass mehr Wasser in den Klüften zirkulieren kann. Dieses Heisswasser soll in einer späteren Phase gefördert und durch den Wärmetauscher eines Kraftwerkes geschickt werden. Nach Entnahme der Wärmeenergie wird dann das geförderte Wasser wieder in die Tiefe, in die gleiche Gesteinsformation, gepumpt. So entsteht ein geschlossener Wasserkreislauf.


"Uns geht es um Technologieentwicklung, die dann auf ähnliche geologische Standorte übertragen werden kann. Daher ist die Kooperation mit der Industrie ein wesentlicher Aspekt unseres Vorhabens. Mit der REpower Systems AG steht diesem

Projekt ein wichtiger Industriepartner zur Seite," erklärte Professor Rolf Emmermann, Vorstandsvorsitzender des GFZ Potsdam. "Die Nutzung der Erdwärme ist zudem äußerst umweltfreundlich. Der beste Beleg dafür ist die Tatsache, dass das Experiment mitten im Naturschutzgebiet der Schorfheide stattfinden kann. Im Unterschied zu Wind- und Sonnenenergie steht Geothermie rund um die Uhr zur Verfügung und kann damit zur Grundlastversorgung eingesetzt werden."

Die Bohrlokation Groß Schönebeck des GFZ Potsdam ist mit Bedacht ausgesucht worden. Die hier vorliegenden geologischen Bedingungen finden sich in weiten Bereichen des so genannten Norddeutschen Beckens, das sich von Polen bis Holland erstreckt. Ein erfolgreiches Ergebnis des Großexperiments ermöglicht prinzipiell die umweltfreundliche geothermische Stromerzeugung auch an anderen Stellen dieser großen geologischen Struktur.

Franz Ossing | GeoForschungsZentrum
Weitere Informationen:
http://www.gfz-potsdam.de/news

Weitere Berichte zu: Erdwärme Geothermie Gestein Stromerzeugung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Simulation von Energienetzwerken für Strom, Gas und Wärme
19.09.2017 | Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen SCAI

nachricht MathEnergy: Mathematische Schlüsseltechniken für Energienetze im Wandel
19.09.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie