Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

US-Gremium empfiehlt Teilnahme an ITER-Projekt

20.09.2002


Die Rückkehr der USA als voller Partner in die internationale ITER-Zusammenarbeit und eine finanzielle Beteiligung an dem Projekt mit jährlich 100 Millionen US-Dollar empfiehlt das amerikanische Beratungsgremium FESAC (Fusion Energy Sciences Advisory Committee) in einem kürzlich vorgelegten Bericht.

Das Gremium, das den amerikanischen Energieminister in Fragen der Fusionsforschung berät, hatte den Auftrag, eine Strategie für die USA hin zu einem brennenden und energieliefernden Fusionsplasma vorzuschlagen.

Ziel der Fusionsforschung ist die Entwicklung eines Kraftwerks, das - ähnlich wie die Sonne - Energie aus der Verschmelzung von Atomkernen gewinnt. Zum Zünden des Fusionsfeuers muss der Brennstoff - ein Wasserstoff-Plasma - in Magnetfeldern eingeschlossen und auf hohe Temperaturen aufgeheizt werden. Nächster Schritt der internationalen Fusionsforschung ist der Experimentalreaktor ITER, der gegenwärtig mit einem Investitionsvolumen von rund 4 Milliarden Euro von den Fusionsprogrammen Europas, Japans und Russlands gemeinsam vorbereitet wird. ITER soll zeigen, dass Energiegewinnung durch Kernverschmelzung physikalisch und technisch möglich ist. Die USA - anfangs ebenfalls ein Partner der Zusammenarbeit - hatten sich 1998 aus den Vorbereitungsarbeiten zurückgezogen.

Das 48-seitige Gutachten ("On a Burning Plasma Program Strategy to Advance Fusion Energy", siehe http://www.ofes.fusion.doe.gov/More_HTML/FESAC/Austinfinal.pdf ) untersucht als "attraktive Möglichkeiten" zwei vorgeschlagene Fusionsanlagen - den internationalen Testreaktor ITER und den amerikanischen Projektvorschlag FIRE, ein wesentlich kleineres Experiment, das ebenfalls ein brennendes Plasma, jedoch in weit von späteren Kraftwerksplasmen entfernten Betriebszuständen, erzeugen soll. In der Zusammenfassung des Berichtes heißt es: "Da ITER sich in einem fortgeschrittenen Stadium befindet, das umfassendste Wissenschafts- und Technologieprogramm aufweist und international unterstützt wird, sollten wir anstreben, uns an den ITER-Verhandlungen zu beteiligen. (...) Wunschziel ist, dass die USA als Partner an allen Aktivitäten, einschließlich der Projekt- und Programmleitung, im vollem Umfang teilnehmen. Dies würde eine Budgeterhöhung von etwa 100 Millionen US-Dollar pro Jahr bedeuten. Die kleinste für die USA akzeptable Rolle wäre eine Beteiligung, die es erlaubt, wissenschaftliche Experimente an ITER vorzuschlagen und auszuführen, Beiträge während der Baus der Anlage zu leisten und Zugang zu den experimentellen und technischen Daten in gleichem Umfang zu erhalten, wie alle Partner."

Das amerikanische Energieministerium solle seine Verhandlungen mit den ITER-Partnern bis Juli 2004 abschließen. Bei einem erfolgreichen Ergebnis sollte die USA an ITER teilnehmen; die Vorbereitungen für FIRE sollten dann eingestellt werden.

Das Gutachten wurde von Energieminister Ray Orbach sehr positiv aufgenommen, wie er dem "Bulletin of Science Policy" des American Institute of Physics vom 13. September 2002 erklärte. Für ihn sei die Fusionsenergie eine wesentliche Option zur Deckung des künftigen Weltenergiebedarfs. Er wolle darauf hinwirken, dass die USA bereits an den Standortverhandlungen für ITER teilnehmen werde. Standorte haben die Regierungen in Frankreich, Spanien, Japan und Kanada angeboten.

Prof. Alexander M. Bradshaw, der wissenschaftliche Direktor des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, einem der großen Zentren für Fusionsforschung in Europa, kommentiert hierzu: "Das Gutachten des mit renommierten US-amerikanischen Physikern und Fusionsforschern besetzten FESAC-Komitees, das ITER den eigenen Planungen vorzieht und die Rückkehr in die 1998 aufgekündigte Zusammenarbeit empfiehlt, ist ein großes Kompliment für das ITER-Projekt. Damit wird ITER erneut als der nächste folgerichtige Schritt der internationalen Fusionsforschung bestätigt."

Isabella Milch | idw
Weitere Informationen:
http://www.ipp.mpg.de/
http://www.ofes.fusion.doe.gov/More_HTML/FESAC/Austinfinal.pdf

Weitere Berichte zu: Fusionsforschung ITER ITER-Projekt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Höhere Energieeffizienz durch Brennhilfsmittel aus Porenkeramik
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

nachricht Planungstool für die Energiewende: Open Source Plattform für Stromnetze
05.12.2016 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flüssiger Wasserstoff im freien Fall

05.12.2016 | Maschinenbau

Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungsnachrichten