Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Energie aus der Unterwelt

03.03.2008
TU-Wissenschaftler erforschen den Berliner Untergrund

"Man darf sich den Gasspeicher nicht vorstellen wie eine große unterirdische Blase, die mit Gas gefüllt ist", erklärt Prof. Dr. Wilhelm Dominik, Leiter des Fachgebiets Explorationsgeologie an der TU Berlin. Mit seinen Studierenden begleitet er seit Februar 2008 die Untersuchungen der Berliner GASAG am Gasspeicher Ruhleben. Mit dem modernsten geophysikalischen Verfahren, der 3-D-Seismik, werden von dem Technologiedienstleister DMT/Essen im Auftrag der GASAG in Charlottenburg und Spandau die Gesteinsschichten im tieferen Untergrund wissenschaftlich erkundet.

Dort wird das Gas mit großem Druck in die winzigen Poren einer Sandsteinschicht, etwa 800 Meter unter der Erdoberfläche, gepumpt. Die Poren der Gesteine sind normalerweise mit Wasser gefüllt, das dann zur Seite verdrängt wird. Nach oben ist dieses Reservoir durch mächtige Schichten von vorwiegend Ton und Salz abgedichtet. "Auch in der Natur ist Gas auf diese Weise gespeichert", sagt Wilhelm Dominik, "eine sicherere Methode, Gas zu speichern, gibt es nicht". Nachdem es im Frühjahr 2004 in Spandau durch einen Wartungsfehler an einer Entnahmestelle zu einem Störfall kam, sind Fragen in Bezug auf den Gasspeicher in der Bevölkerung aufgetaucht. Nun will die GASAG für den 1992 in Betrieb genommenen Gasspeicher die zulässige Gesamtkapazität von 1,1 Milliarden Kubikmeter ausschöpfen. Dazu sind weitere Untersuchungen des Untergrundes notwendig.

Fahrzeuge mit Rüttelplatten aus Stahl schicken in dem 42 Quadratkilometer großen Gebiet im Westen Berlins zwischen Havel und Olympiastadion an den sogenannten "shot-points" mittels Vibration Schallwellen in den Unter-grund. "Früher wurden die Vibrationen durch die Einbringung von Dynamit erzeugt, davon zeugt noch der Name 'shot-point'", erklärt Wilhelm Dominik. "Heute bemerkt man die leichten Erschütterungen nur noch, wenn man direkt neben der Fahrzeugkolonne steht. Das ist neben seiner Genauigkeit durch die Präzision der ausgesendeten Signale auch noch ein sehr umweltschonendes Verfahren." Die sogenannten Geofone zeichnen entlang zwölf paralleler Aufnahmelinien (im Abstand von 40 Metern) die Reflektionen der aus dem Untergrund zurückkehrenden Schallwellen auf. Aus den aufgezeichneten Daten entsteht so im Untersuchungsgebiet ein dreidimensionales Bild des Untergrundes.

... mehr zu:
»GASAG »Gasspeicher

"Das meiste wissen wir jetzt schon", so Wilhelm Dominik, "zum Beispiel, dass die Ausdehnung des Speicherbereichs im Sandstein nur etwa fünf Quadratkilometer beträgt und auf einem sogenannten Salzkissen liegt, das poröse Reservoirgestein ist nach allen Seiten durch undurchlässige Gesteinsschichten abgeschlossen." Solche "Kissen", wenn sie höher und spitzer zulaufen, auch "Salzdome" genannt, seien im Laufe von Jahrmillionen durch geologische Deformation entstanden. Diese Strukturen werden heute bei der Erforschung des Untergrundes im Rahmen der Exploration erkundet. Es gilt, sie aufzufinden beziehungsweise ihre genaue Lage und Größe abzubilden, weil sie entweder häufig Erdöl oder Erdgas enthalten oder uns - wie im Falle der Gasspeicherung - auf natürliche Weise nützlich seien. Der Ruhlebener Speicher ist beispielsweise einer der bedeutendsten Aquiferspeicher (Aquifer = wassergefülltes Reservoirgestein) Deutschlands.

Der Speicher soll eine nachhaltige Versorgungssicherheit gewährleisten. Durch den Zukauf von preiswertem Gas im Sommer und die Bevorratung im untertägigen Speicher in unmittelbarer Nähe zum Berliner Bürger werden Verbrauchsspitzen im Winter aufgefangen. Zuständig für die Genehmigung ist das brandenburgische Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe. Für die TU-Studierenden bedeutet die Beteiligung an den Messungen und der Auswertung der Daten eine ideale Verbindung von Forschung und Lehre in der Praxis.

3815 Zeichen

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr. Wilhelm Dominik, TU Berlin, Institut für Angewandte Geowissenschaften, Fachgebiet Explorationsgeologie, Tel.: 030/314-25903, E-Mail: wilhelm.dominik@tu-berlin.de

Hinweis: Dieser Beitrag ist das "Thema der Woche - EIN-Blick für Journalisten" auf dem TUB-newsportal. Sie finden dort neben dem Beitrag eine Fotogalerie, einen Expertendienst sowie weiterführende Links:

www.pressestelle.tu-berlin.de/newsportal

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/newsportal

Weitere Berichte zu: GASAG Gasspeicher

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Körperenergie als Stromquelle
22.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht „Cool“ bleiben im Büro: Wasser als Kältemittel im Alltag bald vor Durchbruch?
22.08.2017 | Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

22.08.2017 | Physik Astronomie

Forscher beschreiben neuartigen Antikörper als möglichen Wirkstoff gegen Alzheimer

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Virus mit Eierschale

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie