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Trotz höherer Effizienz wird der Stromverbrauch bis 2025 um 30 Prozent steigen

23.01.2008
Künftiger Stromverbrauch

Während der Verbrauch an Primärenergie in Deutschland seit 1990 stagniert, ist der Stromverbrauch seitdem um mehr als 30 Prozent gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt die jetzt von der Energietechnischen Gesellschaft im VDE (ETG) veröffentlichte Studie „Effizienz- und Einsparpotenziale elektrischer Energie in Deutschland – Perspektive bis 2025 und Handlungsbedarf“. Der Expertise zufolge wird sich diese Entwicklung bis 2025 weiter fortsetzen.

„Ungeachtet zusätzlicher Effizienzsteigerungen wird sich der Stromverbrauch bis zum Jahr 2025 um fast 30 Prozent erhöhen“, zieht Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Schröppel, Energieexperte im VDE, eine Bilanz. Auf der Basis der vorliegenden Studie empfiehlt er eine Reihe von Maßnahmen, um den prognostizierten Anstieg des Strombedarfs doch noch zu bremsen. Dazu gehörten neben der wesentlichen Verbesserung der Stromeffizienz Energie verbrauchender Geräte, Anlagen und Prozesse die Aufklärung und Sensibilisierung der Verbraucher. Ziel müssen die Veränderung von Gewohnheiten und ein bewusstes Verhalten in Sachen Energieverbrauch sein. Schröppel plädierte in diesem Zusammenhang auch für finanzielle Anreize, um Investitionen in Energieeffizienz zu induzieren.

Anwendungsbeispiele für Stromeinsparungen benennt Dr.-Ing. Martin Doppelbauer von der in Bruchsal ansässigen SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG. Seinen Angaben zufolge fällt den Elektromotoren beim Stromverbrauch eine Schlüsselrolle zu, weil diese rund die Hälfte der insgesamt in Deutschland erzeugten elektrischen Energie verzehren. „Am meisten könnten effizientere Drehstrommotoren im Leistungsbereich von 1,1 bis 37 Kilowatt sparen“, konkretisiert der Experte. Die Herstellkosten würden pro Wirkungsgradklasse jedoch um etwa zehn bis 20 Prozent steigen. Der Sprung von Standard zu Premium verursache unter dem Strich rund 30 Prozent Mehrkosten. Die Erfahrungen in Europa und in anderen Ländern wie USA, Kanada und Australien hätten gezeigt, dass eine wesentliche Marktverschiebung nur durch politische Unterstützung – entweder in Form finanzieller Anreize oder gesetzliche Vorgaben – zu erreichen sei.

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Dass auch das berühmte Kleinvieh „Mist“ macht, bezeugen die rund 100 Millionen elektrischen Kleinmotoren, die sich in Deutschlands Haushaltsgeräten befinden. Deren Wirkungsgrade liegen typischerweise zwischen 40 und 75 Prozent. Nach VDE-Einschätzung wären jedoch 85 Prozent technisch möglich. Die damit verbundenen Energieeinsparpotentiale beziffert der Verband auf rund 8,2 Terawattstunden (TWh) pro Jahr.

Weitere Potenziale erschließen sich durch Heizungspumpen, von denen in Deutschland rund 30 Millionen Stück mit einer Leistung unter 200 W installiert sind. In Summe verbrauchen diese etwa 3,5 Prozent der in Deutschland insgesamt eingesetzten elektrischen Energie. Das entspricht dem Verbrauch aller Schienenfahrzeuge von Bundesbahn und öffentlichem Nahverkehr. Neueste elektronisch geregelte Heizungspumpen kommen mit bis zu 50 Prozent weniger Energie aus als moderne Standardpumpen mit Asynchronmotoren und mit bis zu 70 Prozent weniger als ungeregelte Pumpen, wie sie vielfach noch in Gebäuden anzutreffen sind.

Auch bei der Beleuchtung bestehen bedeutende Einsparpotentiale. Ihr Anteil am Gesamtstromverbrauch lag 2005 bei 9,5 Prozent, was rund 50 TWh entspricht. Die richtige Wahl der Leuchtmittel entscheidet wesentlich über die Effizienz. So beträgt die Lichtausbeute einer Kompaktleuchtstofflampe das Fünffache einer herkömmlichen Glühlampe. Einen weiteren Technologiesprung bringen halbleiterbasierte Lampen, die so genannten LEDs (Light Emitting Diode), die in den OLEDs (Organic Light Emitting Diode) eine nochmalige Verbesserung bei Lichtausbeute und Lebensdauer erfahren werden.

Last not least lassen sich viele Energieeinsparungen auch Verringerungen der Stand-by-Verluste erzielen. So besitzen viele elektronische Geräte einen Bereitschaftsmodus, aus dem sie in kurzer Zeit in den produktiven Zustand wechseln können. Im Haushalt ist der Anteil des Stand-by-Verbrauchs besonders hoch. Wer glaubt, es handele sich um „Peanuts“, irrt gewaltig: „Über die gesamte Laufzeit eines Gerätes kann der Stromverbrauch im Stand-by-Betrieb höher sein als der im produktiven Betrieb“, stellen die Experten des VDE in der Studie fest. Durch den Einsatz verbrauchsarmer Geräte und energiesparendes Verhalten ließen sich die Stand-by-Verluste in den Haushalten um 5 bis 10 TWh reduzieren. Das entspricht 1 bis 2 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland. Auch Handel und Gewerbe könnten ihre Stand-by-Verluste durch geeignete Maßnahmen deutlich verringern.

Rolf Froböse | Rolf Froböse
Weitere Informationen:
http://www.vde.com

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