Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

„All4Green“ – Rechnen, wenn der Wind bläst

24.05.2012
Im Rahmen des EU-Projekts „All4Green“ beteiligen sich Wirtschaftsinformatiker der Universität Mannheim an der Entwicklung eines Systems, mit dem Rechenzentren ihre CO2-Emissionen um zehn Prozent und mehr senken könnten. Die Idee: Die Zentren rechnen genau dann, wenn „sauberer“ Strom aus regenerativen Energien zur Verfügung steht.

Rechenzentren gehören weltweit zu den Großabnehmern von Energie. Ihr Anteil am globalen Stromverbrauch beträgt etwa 1,5 Prozent. Bei den CO2-Emissionen verzeichnen sie unter sämtlichen Branchen der Informations- und Kommunikationsindustrie die größten Zuwachsraten. Der Grund für den enormen Energieverbrauch ist die starke Nachfrage nach IT-Dienstleistungen aller Art: Ob Cloud Computing, Soziale Netzwerke oder Smartphone Apps – Sie alle benötigen Rechenleistung, um zu funktionieren.

Die Energie, mit der die Rechenzentren diese Leistung erzeugen, nutzen sie bisher jedoch sehr ineffizient. Im Rahmen des EU-Projekts „All4Green“ arbeiten Mitarbeiter des Lehrstuhls für Softwaretechnik an der Universität Mannheim an einer Lösung für dieses globale Problem.

„Bisher ist es noch so, dass sich die Stromanbieter nach der Nachfrage richten“, erklärt Projektleiterin Sonja Klingert. Das heißt: Wenn Großverbraucher wie Rechenzentren oder Industrie viel Energie benötigen, aber nicht genug Strom im Netz vorhanden ist, helfen die Stromanbieter nach: In der Regel speisen sie dann mit Hilfe umweltverschmutzender Dieselmotoren zusätzlichen Strom ins Netz, um die Nachfrage zu decken – Solar- und Windkraftanlagen sind zu unzuverlässig, um solche kurzfristigen Engpässe auszugleichen.

„Wir wollen durch ein Softwaretool und bestimmte vertragliche Rahmenbedingungen nun jedoch erreichen, dass nicht die Stromanbieter auf die Nachfrage reagieren müssen, sondern die Rechenzentren ihren Energieverbrauch dem Angebot anpassen“, sagt die Mannheimer Volkswirtin.

Die Idee: Das Rechenzentrum soll Aufgaben, für die viel Rechenleistung und damit viel Energie benötigt wird, zu Zeiten verrichten, in denen ausreichend Strom aus Wind- und Sonnenenergie vorhanden ist beziehungsweise mehr Strom im Netz ist als nachgefragt wird. „Strom, der im Netz ist, aber nicht verbraucht wird, verpufft einfach“, erklärt Professor Colin Atkinson vom Lehrstuhl für Softwaretechnik. „Somit wird Energie verschwendet, die eigentlich genutzt werden könnte.“

Um die Kommunikation zwischen Energieversorgern und Rechenzentren herzustellen, beteiligen sich die Mannheimer Wirtschaftsinformatiker im Rahmen des EU-Forschungsprojekts „All4Green“ an der Entwicklung eines bisher weltweit einzigartigen Softwaretools: Gibt es mehr Strom als nachgefragt wird, sendet es automatisch eine Anfrage an das Rechenzentrum, ob es seinen Energieverbrauch kurzfristig um einen bestimmten Prozentsatz erhöhen kann. „Das Rechenzentrum kann dann zum Beispiel die Kühlung der Server hochfahren, um dann später, in Zeiten knapper Energie weniger kühlen zu müssen“, erklärt Sonja Klingert. „Oder es kann Aufgaben aus anderen Rechenzentren übernehmen.“

Für diese Einschränkungen sollen die Rechenzentren wiederum einen günstigeren Stromtarif erhalten. Neben der technischen Lösung arbeiten die Mannheimer Forscher deshalb auch an den vertraglichen Rahmenbedingungen, die eine Kooperation zwischen Energieversorger und Rechenzentren ermöglichen. „Von der Kooperation würde letztendlich nicht nur die Umwelt, sondern auch die Wirtschaft profitieren“, betont Sonja Klingert. „Denn die zu erwartenden Energieeinsparungen von bis zu zwanzig Prozent könnten langfristig zu niedrigeren Energiepreisen führen, wodurch sich Europa als Wirtschaftsstandort einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil verschafft.“

Seit November 2011 forschen die Wirtschaftsinformatiker der Universität Mannheim im Rahmen des EU-Projekts „All4Green“ in einem Konsortium aus neun internationalen Partnern. Eine erste Version der Software wird voraussichtlich Anfang nächsten Jahres fertig gestellt sein. Daraus soll in einer zweiten Projektphase ein Prototyp entstehen, welcher in der Praxis von Energieversorgern und Rechenzentren eingesetzt werden kann.

Weitere Informationen zu „All4Green“ finden Sie unter: www.all4green-project.eu

Kontakt:
Sonja Klingert
Lehrstuhl für Softwaretechnik
Universität Mannheim
Schloss
68131 Mannheim
Telefon: 0621 / 181- 3904
E-Mail: klingert@informatik.uni-mannheim.de

Katja Bär | idw
Weitere Informationen:
http://www.all4green-project.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Greifswalder Plasmaforscher erforschen Nanomaterialien für effiziente Energiespeicherung
13.01.2017 | Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V.

nachricht Schluss mit dem Kabelsalat
04.10.2016 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie

Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa

16.01.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz