Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

3D-Fernsehen ohne Brille

01.09.2011
Wenn die Grenzen zwischen Film und Zuschauer verschwimmen, wird Fernsehen zu einem ganz besonderen Erlebnis. Fraunhofer-Forscher optimieren nun ihre Technologien, die 3D-TV ohne technische Hilfsmittel wie 3D-Brillen ermöglichen: Mit einem neuen Vier-Kamera-System sollen sogar Live-Übertragungen gelingen.

Für den Helden wird es eng, die Verbrecher sind ihm auf den Fersen. Auch der Fernsehzuschauer hält die Luft an: Eine der finsteren Gestalten scheint direkt auf ihn zuzukommen… 3D-Brillen machen es möglich, dass sich der Zuschauer mitten im Schauplatz eines Filmes wähnt. »Einen Durchbruch für 3D-Fernsehen im Wohnzimmer wird es aber nur geben, wenn das Ganze auch ohne Brille funktioniert. Die ist auf Dauer einfach zu unbequem und lästig«, ist sich Frederik Zilly vom Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut HHI in Berlin sicher. Forscher am HHI arbeiten daher gemeinsam mit zwölf Partnern im Projekt MUSCADE an Technologien, die 3D-TV ohne Hilfsmittel ermöglichen sollen.


Ein Forscher richtet das Vier-Kamera-Assistenzsystem ein. (© KUK Filmproduktion)

Dazu werden autostereoskopische Displays benötigt, die mit speziellen optischen Folien beschichtet sind. Sie erzeugen für das linke und rechte Auge zwei verschiedene Bilder – das Grundprinzip räumlichen Sehens. Damit das aus unterschiedlichen Positionen funktioniert – wenn etwa der Zuschauer seinen Kopf bewegt – verwenden diese Displays meist fünf bis zehn verschiedene Ansichten einer Aufnahme. Zukünftig wird diese Anzahl noch deutlich höher liegen. Da klassische Stereoproduktionen jedoch mit nur zwei Ansichten arbeiten, müssen die Aufnahmen vor der Wiedergabe umgewandelt werden. Dabei wird Tiefeninformation aus den aufgenommenen Bildern extrahiert. Um die Tiefeninformationen zuverlässig ermitteln zu können, empfiehlt es sich, mit mehr als den üblichen zwei Kameras aufzunehmen. Die MUSCADE-Projektpartner etwa arbeiten mit vier Kameras. Das Problem: Die ohnehin komplexe Stereoproduktion wird dann extrem aufwändig und teuer. »Vier Kameras zueinander zu kalibrieren kann Tage dauern«, so Zilly.

Zusammen mit seinen Kollegen arbeitet der Forscher deshalb an einem neuartigen Vier-Kamera-Assistenzsystem, mit dem sich diese Zeitspanne auf etwa 30 bis 60 Minuten verkürzen lässt. »Grundlage der Entwicklung ist unser Assistenzsystem STAN, das sich bei klassischen Stereoaufnahmen schon bewährt hat. Allerdings ist die Kalibrierung bei vier Kameras wesentlich komplizierter«, so Zilly. Denn alle Positionen und Winkel der Kameras müssen exakt gleich eingestellt sein, so dass die optischen Achsen parallel sind, alle Objektive die gleiche Brennweite haben und alle Brennpunkte auf einer gemeinsamen Stereobasis liegen. Um das zu erreichen, haben die Wissenschaftler einen »feature detector« entwickelt, der gleiche Objekte im Bild bei allen Kameras erkennt. Anhand deren Position richtet er dann die einzelnen Kameras zueinander aus. Doch selbst nach dem Kalibrieren sind oft noch kleine Ungenauigkeiten vorhanden. Diese entstehen etwa, wenn Objektive mit festen Brennweiten verwendet werden, die meist kleinen Schwankungen unterliegen. Solche Restfehler lassen sich nur elektronisch korrigieren, etwa mit Hilfe eines digitalen Zooms. Diese letzte Korrekturstufe führt das neue Assistenzsystem in Echtzeit aus – dadurch werden sogar Live-Übertragungen möglich.

Derzeit arbeiten die HHI-Forscher an einer effizienten Videocodierung. Damit wollen sie die riesige Datenmenge, die bei der Produktion mit vier Kameras anfällt, so komprimieren, dass die Inhalte über die vorhandene Broadcast-Infrastruktur gesendet werden können. Einen ersten Prototyp des neuen Systems präsentieren die Forscher auf dem Fraunhofer-Stand der Messe IBC (Halle 8, Stand B80) vom 9. bis 13. September in Amsterdam.

Frederik Zilly | Fraunhofer Mediendienst
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010-2011/21/3d-fernsehen.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Forscher entwickeln effizientere Systeme für Brennstoffzellen und Kraft-Wärme-Kopplung
19.04.2017 | EWE-Forschungszentrum für Energietechnologie e. V.

nachricht Forscher entwickeln Elektrolyte für Redox-Flow-Batterien aus Lignin aus der Zellstoffherstellung
18.04.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie