Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cebit 2016: Datenspione auf Android-Geräten wie Bankräuber entlarven

09.03.2016

Wird eine Bank ausgeraubt, so befindet sich unter der Beute oft ein präpariertes Geldbündel. Dieses explodiert während der Flucht und setzt Farbe frei, um das Geld als gestohlen zu markieren. Ein ähnliches Prinzip verwenden Forscher auch, um spionierende Apps auf mobilen Endgeräten zu enttarnen. Informatiker des Centers for IT-Security, Privacy and Accountability (CISPA) an der Universität des Saarlandes haben nun eine App entwickelt, die dies auch für die aktuelle Version des Betriebssystems Android ermöglicht. Dadurch wird eine genauere Überwachung bösartiger Apps möglich. Die App zeigen sie erstmals vom 14. bis 18. März auf der Computermesse Cebit in Hannover (Halle 6, Stand D28).

Android ist das weltweit am meisten genutzte Betriebssystem für Smartphones – trotz der Tatsache, dass die Anwender während der Installation einer neuen App regelrecht erpresst werden. Entweder akzeptieren sie, dass die App Zugriff auf bestimmte Daten wie die eigenen Kontakte oder den Zugang zum Internet erhält oder sie können die App nicht verwenden. Inzwischen kann man zwar mit der neuesten Version von Android einige Zugriffswünsche ablehnen, jedoch bietet dies eine trügerische Sicherheit.


Die App von CISPA-Forscher Oliver Schranz deckt fehlerhafte Informationsflüsse auf.

Oliver Dietze

„Wenn eine App sagt, welche Daten sie gerne haben würde, dann weiß ich immer noch nicht, was sie damit tut“, sagt Oliver Schranz, der an der Saarbrücker Graduiertenschule für Informatik an der Universität des Saarlandes promoviert. Seine Einschätzung bestätigt eine aktuelle Untersuchung der US-amerikanischen Sicherheitsfirma „Appthority“.

Demnach spionieren mehr als 88 Prozent der für den Einsatz in Unternehmen geschriebenen Android-Apps in irgendeiner Form Daten aus. Am Center for IT-Security, Privacy and Accountability (CISPA) hat Schranz daher zusammen mit Philipp von Styp-Rekowsky und Sebastian Weisgerber eine App entwickelt, mit deren Hilfe Anwender und Unternehmen verfolgen können, was in verdächtigen Apps passiert.

Die auf den Namen „TaintArtist“ getaufte App basiert auf der Methode des „Taint Tracking“, das einer Farbpulver-Explosion zwischen Geldscheinbündeln nach einem Bankraub ähnelt. Greift eine App auf für die Privatsphäre wichtige Informationen zu, werden diese markiert. Selbst wenn die Informationen dabei verändert werden, wie es bei Berechnungen der Fall ist, bleibt die Markierung an den neuen Ergebnissen haften.

„So können wir auf eine präzise Weise nachverfolgen, wie die Informationsflüsse in einer verdächtigen App verlaufen“, erklärt Schranz. Sobald die Daten an Funktionen übergeben werden, die diese vom Smartphone verschicken oder nach einem vorab definierten Regelwerk als verdächtig gelten, werden die Markierungen überprüft. Im Falle eines Missbrauchs schlägt die CISPA-App Alarm. Der Anwender muss dazu lediglich die App installieren und danach auswählen, welche Apps überwacht werden sollen beziehungsweise was genau bei diesen verboten sein soll oder nicht.

Bisher war für solch eine Informationsflussanalyse eine Systemmodifikation notwendig, die jeden Laien überfordert hätte. Um dies nun jedem Anwender nach wenigen Schritten zu ermöglichen, nutzen die Saarbrücker Informatiker ein Novum der beiden jüngsten Versionen des Android-Betriebssystems aus. Ab diesen führt Android nicht mehr die Zwischendarstellung des jeweiligen App-Codes direkt aus, sondern übersetzt diesen auf dem Smartphone in ausführbaren Maschinencode.

Das ermöglicht Schranz und seinen Kollegen, den für die Markierung notwendigen Code während der Übersetzung hinzuzufügen. Der Code der jeweiligen App müsse nicht geändert werden, allerdings arbeite die überwachte App auch etwas langsamer, so die Forscher. „In Anbetracht der Tatsache, dass die Smartphones inzwischen alles innerhalb von Millisekunden abwickeln, wird der Anwender diese zusätzliche Rechenzeit kaum merken“, erklärt Schranz.

Deswegen ist er überzeugt, dass sich die App auch sehr gut für Unternehmen eigne. „Wenn Angestellte dort ihre eigenen Geräte verwenden, kann das Unternehmen mit unserer App sicherstellen, dass bestimmte Daten das Gerät nicht verlassen“, so Schranz. Ob die App in Zukunft in ein kommerzielles Produkt überführt wird oder kostenlos erhältlich ist, lässt er offen.

Hintergrund: IT-Sicherheit an der Universität des Saarlandes

IT-Sicherheit ist ein Schwerpunkt der Informatik-Institute auf dem Campus der Universität des Saarlandes. Dies belegen die jüngst gewonnenen „Consolidator Grants“ des Europäischen Forschungsrates (ERC) durch die Forscher Derek Dreyer (Max-Planck-Institut für Softwaresysteme) und Professor Bernd Finkbeiner (Fachrichtung Informatik) ebenso wie der durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft für vier Jahre bewilligte und 8,4 Millionen schwere Sonderforschungsbereich „Methods and Tools for Understanding and Controlling Privacy“. Bereits 2011 richtete das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 17 Millionen Euro drei Kompetenzzentren für IT-Sicherheit ein. Eines davon ist das Center for IT-Security, Privacy and Accountability (CISPA) an der Universität des Saarlandes. Inzwischen ist es zu einem Forschungsstandort mit internationaler Sichtbarkeit geworden. 33 Gruppen mit 210 Forschern arbeiten dort. Größter Erfolg bis dato: Zusammen mit dem Max-Planck-Institut für Informatik und dem Max-Planck-Institut für Softwaresysteme gewann CISPA den „ERC Synergy Grant“. Sie erhielten damit rund zehn Millionen Euro, um zu erforschen, wie man im Internet Anwender gegen Ausspähung und Betrug schützen und Täter entlarven kann, ohne dabei den Handel, die freie Meinungsäußerung sowie den Zugang zu Informationen im Internet einzuschränken.

Fachartikel:
http://dl.acm.org/citation.cfm?doid=2810103.2810129

Pressefotos unter: www.uni-saarland.de/pressefotos

Fragen beantwortet:
Oliver Schranz
Center for IT-Security, Privacy and Accountability (CISPA)
Tel.: +49(0)681 / 302- 57368
E-Mail: schranz@cs.uni-saarland.de

Redaktion:
Gordon Bolduan
Kompetenzzentrum Informatik Saarland
Telefon: +49 681 302-70741
E-Mail: bolduan@mmci.uni-saarland.de

Weitere Informationen:

https://cispa.saarland
http://dl.acm.org/citation.cfm?doid=2810103.2810129

Friederike Meyer zu Tittingdorf | Universität des Saarlandes

Weitere Berichte zu: Android CISPA ERC IT-Security IT-Sicherheit Max-Planck-Institut Smartphone

Weitere Nachrichten aus der Kategorie CeBIT 2016:

nachricht Sicherheit für die vernetzte Industrie
15.03.2016 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Trügerische Sicherheit – Stellar Datenrettung auf der CeBIT im Business Security Forum
14.03.2016 | Stellar Datenrettung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: CeBIT 2016 >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics