Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fraunhofer IOSB auf der CeBIT: Frühwarnsystem für Gesundheitsrisiken

22.01.2014
Dass Umweltfaktoren Auswirkungen auf die Gesundheit haben ist weder unbekannt noch neu. Aber wie sehen die Zusammenhänge wirklich aus? Wie lassen sich Prognosen besser nutzen um etwa Epidemien zu vermeiden, indem Gegenmaßnahmen rechtzeitig ergriffen werden?

Im EU-Projekt EO2HEAVEN wollten Forscher genau diese Fragen beantworten. Die IT-Architektur zur Auswertung und Korrelation der Daten lieferten Dr. Kym Watson und sein Team vom Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB in Karlsruhe. Das Systemkonzept präsentieren die Wissenschaftler auf der CeBIT in der Halle 9 auf dem Stand der Fraunhofer-Gesellschaft.

Im Rahmen des Projekts wurden 3 Fallstudien untersucht: In Dresden der Zusammenhang zwischen Luftqualität - gemessen an Temperatur, Feinstaub und Ozon – und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, im südafrikanischen Durban der Zusammenhang von Luftverschmutzung in einem Industriegebiet mit Asthma sowie in Uganda der Einfluss diverser Umweltfaktoren auf Cholera-Epidemien. Dafür entwickelten die Forscher am IOSB eine Softwarearchitektur für Frühwarnsysteme, die Umwelt- und Gesundheitsdaten abgleicht und grafisch darstellt. „Die Zusammenhänge zwischen diesen Faktoren konnten wir damit erstmals in Gefahrenkarten visualisieren und damit ein besseres Verständnis der komplexen Zusammenhänge schaffen.“ erläutert Projektkoordinator Dr. Kym Watson.

Zum Beispiel Cholera in Uganda

Diese bakterielle Krankheit wird in erster Linie durch Wasser übertragen. Die Projektpartner messen zum einen mit Sensoren Umweltparameter wie Niederschlag, Sonneneinstrahlung oder pH-Wert, Temperatur und Nährstoffkonzentration im Wasser. Auch Wetter- und Klimaprognosen fließen in die Analyse ein. Zum anderen erfassten die Forscher in Krankenhäusern und bei Ärzten mit mobilen Anwendungen Gesundheitsdaten zu Cholerafällen: Welche Symptome treten auf? Wo hat sich der Patient aufgehalten etc.? Diese Daten werden – anonymisiert – auf einen zentralen Server bei der Gesundheitsbehörde in der Hauptstadt übertragen. Mit Hilfe der neuen Software werden die Fälle nun erstmals auf einer digitalen Landkarte als rote Punkte dargestellt und durch die Wechselbeziehung mit den Umweltdaten deren räumliche und zeitliche Ausbreitung aufgezeigt. So können die Entscheider die Ressourcen in den jeweiligen Gebieten besser einsetzen und Krankenhäuser sowie Ärzte vorwarnen.

Die Beamten in Uganda haben durch die Visualisierung zum ersten Mal die volle Bedeutung der Choleraausbrüche erkannt. Vorher waren die Einzelfälle nur schriftlich in Listen erfasst worden. Krankenhäuser und Ärzte können sich nun besser und schneller wappnen. Auch Wissenschaftler haben den Vorteil der Lösung erkannt, denn es spart ihnen den Aufwand, die Daten selbst einzupflegen und in ihre Modelle zu integrieren, um Zusammenhänge zu analysieren.

Nutzen des Systems auch für Privatpersonen

Langfristig wäre vorstellbar, dass zum Beispiel Asthmatiker über eine App ihr persönliches Profil anlegen. Kym Watson erklärt das Prinzip so: „Dort können sie definieren, ab welchen Schwellenwerten sie etwa allergisch auf Pollenflug oder Luftqualitätswerte reagieren. Werden diese hinterlegten Daten dann mit gemessenen Umweltdaten abgeglichen, kann jeder seine ganz persönliche Gefahrenkarte einsehen oder wird gar von der App gewarnt, wenn die Schwellenwerte überschritten sind. “

Aber ganz so einfach ist das nicht.

Zum einen ist es vor allem in Deutschland schwierig, die nötigen Gesundheitsdaten bei den Krankenkassen zu erfassen, da sie natürlich streng vertraulich sind. Es ist also eine wichtige An- und Herausforderung, die Daten anonymisiert aufzubereiten, um den Datenschutz zu wahren. Zum anderen ist es nicht immer einfach, die richtigen Maßnahmen, die die Umwelt-Mensch-Wechselwirkungen erfordern, tatsächlich umzusetzen. Unsere IT- Lösung bietet „nur“ ein Werkzeug für weitere Entscheidungen. Ob Choleraausbrüche in Uganda tatsächlich eingedämmt werden können, ist natürlich vor allem abhängig von den ergriffenen Maßnahmen, der Qualität des Trinkwassers, dem hygienischen Umgang und auch den medizinischen Ressourcen.

Das Cholera-Frühwarnsystem realisieren die Forscher in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation WHO und der National Oceanic and Atmospheric Administration NOAA. Kym Watson dazu: „Derzeit sind wir noch auf der Suche nach Sponsoren bzw. Finanzquellen. Wahrscheinlich wird es noch zwei bis fünf Jahre dauern, bis die Lösung systematisch von Entscheidern und Wissenschaftlern genutzt wird.“

Das System präsentieren die Wissenschaftler auf der CeBIT in der Halle 9 auf dem Stand der Fraunhofer-Gesellschaft.

EO2HEAVEN-Daten
Koordinator: Fraunhofer IOSB
Laufzeit: 02/2010-05/2013
Projektpartner: 10 aus der EU und 3 aus Afrika
Budget: ca. 8.7M€, EU-Funding: ca. 6.3M€

Sibylle Wirth | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.iosb.fraunhofer.de/servlet/is/42724/
http://www.eo2heaven.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie CeBIT 2014:

nachricht Nachhaltigkeit mit Fokus – LZH auf der Hannover Messe 2014
24.03.2014 | Laser Zentrum Hannover e.V.

nachricht Chancen der Telemedizin als Thema des IT-Planungsrates auf der CeBIT
13.03.2014 | Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE

Alle Nachrichten aus der Kategorie: CeBIT 2014 >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Krebs erregende Substanzen aus Benzinmotoren

24.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich

24.05.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Orientierungslauf im Mikrokosmos

24.05.2017 | Physik Astronomie