Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Analyse-Software überprüft Apps auf verdächtiges Verhalten

07.03.2014

Apps sind auf internetfähigen Mobilgeräten potenzielle Daten-Verräter. Das ist spätestens seit den jüngsten Enthüllungen von Edward Snowden jedem klar. Informatiker des Centers for IT-Security, Privacy and Accountability (CISPA) haben nun eine Software entwickelt, die anzeigt, ob auf persönliche, vertrauliche Daten zugegriffen wird. Dazu untersucht das Programm den „Bytecode“ der jeweiligen App. Die Wissenschaftler zeigen ihr Programm auf der kommenden Computermesse Cebit in Hannover auf dem Forschungsstand der Universität des Saarlandes (Halle 9, Stand E13).

Ende Juli des vergangenen Jahres entdeckte das russische Software-Unternehmen „Doctor Web“ diverse bösartige Apps auf der Plattform „Google Play“. Auf das eigene Smartphone heruntergeladen, installierte die Schadsoftware ohne Kenntnis der Handy-Besitzer weitere Programme, die Kurznachrichten an teure Premiumdienste schickten.


Apps auf Tablet-PC und Smartphone sind potenzielle Datenspione. Saarbrücker Informatiker wollen sie bereits im App Store enttarnen.

Foto: Oliver Dietze

Obwohl Doctor Web nach eigenen Angaben Google sofort benachrichtigte, waren die kriminellen Apps noch mehrere Tage zum Herunterladen verfügbar. Doctor Web schätzt, dass so bis zu 25.000 Smartphones in Kostenfallen verwandelt wurden.

Saarbrücker Informatiker haben nun eine Software entwickelt, die solche bösartigen Apps bereits im App Store enttarnen kann. Dazu untersucht die Software im Programmcode die Stellen, an denen die Apps auf personenbezogene Daten zugreifen und an denen sie Daten versenden.

Erkennt die Software, dass eine solche „Datenquelle“ und eine solche „Datensenke“ zusammenhängen, meldet sie das als verdächtig. Als Beispiel für ein solches Datenquelle-Datensenke-Paar nennt Erik Derr: „Ihr Adressbuch wird ausgelesen, darauf aufbauend wird hunderte Instruktionen später, ohne, dass der Anwender dies bestätigen muss, eine SMS verschickt oder eine Webseite besucht.“

Derr ist Doktorand an der Graduate School of Computer Science und forscht am Saarbrücker Center for IT-Security, Privacy and Accountability (CISPA), das nur wenige Schritte entfernt Räume bezogen hat. 

Um einen funktionellen Zusammenhang zwischen Datenquelle und Datensenke zu erkennen, nutzen die Saarbrücker Forscher neueste Methoden der Informationsflussanalyse. Damit die Software zudem zwischen gut und böse unterscheiden kann, teilen die Forscher ihr vorab die verdächtigen Kombinationen von Zugriffen auf Programmierschnittstellen mit. Da das Verfahren rechenintensiv ist und auch viel Speicher benötigt, läuft die Software auf einem eigenen Server. „Bisher haben wir so bis zu 3000 Apps getestet. Die Software analysiert diese so schnell, dass unser Ansatz auch für die Praxis taugt“, sagt Derr. 

Informationen zu CISPA und der Saarbrücker Informatik

Das Center für IT-Security, Privacy and Accountability (CISPA) ist eines der drei Kompetenzzentren für IT-Sicherheit in Deutschland, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Kompetenzzentren für IT-Sicherheit. Es hat seinen Sitz auf dem Campus der Universität des Saarlandes. Dort forschen in unmittelbarer Nähe sieben weitere weltweit renommierte Forschungsinstitute: Neben den beiden Max-Planck-Instituten für Informatik und Softwaresysteme sind dies das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das Zentrum für Bioinformatik, das Intel Visual Computing Institute, das Center for IT-Security, Privacy und Accountability (CISPA) und der Exzellenzcluster „Multimodal Computing and Interaction“. Den Kern der Saarbrücker Informatik bildet die Fachrichtung Informatik an der Universität des Saarlandes.

Weitere Fragen beantwortet:
Erik Derr
Center for IT-Security, Privacy and Accountability (CISPA)
Telefon: 0681 302 57368
E-Mail: derr@cs.uni-saarland.de

Redaktion:
Gordon Bolduan
Wissenschaftskommunikation
Kompetenzzentrum Informatik Saarland
E-Mail: bolduan@mmci.uni-saarland.de
Tel.: 0681 302 70741

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-2601) richten.

Melanie Löw | Universität des Saarlandes

Weitere Nachrichten aus der Kategorie CeBIT 2014:

nachricht Nachhaltigkeit mit Fokus – LZH auf der Hannover Messe 2014
24.03.2014 | Laser Zentrum Hannover e.V.

nachricht Chancen der Telemedizin als Thema des IT-Planungsrates auf der CeBIT
13.03.2014 | Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE

Alle Nachrichten aus der Kategorie: CeBIT 2014 >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie