Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cebit 2012: Internet-Service verhindert Kabel-Irrsinn bei Präsentationen auf Konferenzen und Messen

23.02.2012
Wollte man bisher seinen Laptop an einen zusätzlichen Monitor, einen Projektor oder eine Monitorwand anschließen, war dies nur mit einem passenden Kabel möglich.

Forscher des Intel Visual Computing Institute der Universität des Saarlandes entledigen sich nun dieser Geißel, indem sie Computer und Anzeigegerät über einen „Internet-Service“ miteinander verbinden. Auf diese Weise können Bildschirminhalte beliebig auf die Displays unterschiedlicher Endgeräte geschaltet und sogar großflächige Monitorwände bespielt werden. Erstmals präsentieren die Forscher der Saar-Uni ihre Ergebnisse am Stand F34 in Halle 9 auf der Computermesse Cebit. Die Messe findet vom 6. bis 10. März in Hannover statt.

„Manche versuchen es mit einem Witz auf eigene Kosten zu überspielen, andere möchten am liebsten im Boden versinken. Doch es passiert jeden Tag, in unzähligen Besprechungen“, berichtet Philipp Slusallek, Professor für Computergraphik an der Saar-Universität und wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Immer wieder vergingen peinliche Minuten, bis der Vortragende den einzigen Anschluss für den Projektor erreicht habe und die Präsentation für alle sichtbar sei.

Diesen Kabel-Irrsinn wollte das Team um Philipp Slusallek beenden und fand eine Lösung, mit der man sogar dreidimensionale Inhalte auf großflächigen Monitorwänden darstellen kann. „Der Ansatz ist denkbar einfach“, erklärt Alexander Löffler, der gemeinsam mit Forschern am Intel Visual Computing Institute die dazugehörige Software „NetVFB“ entwickelt hat. Ist sie auf dem Computer installiert, kann jede Anwendung das von ihr erzeugte Monitorbild in einen virtuellen Bildspeicher (Framebuffer) packen, so dass dieses auch im Netzwerk als abrufbarer Dienst sichtbar ist. Die im Konferenzsaal verfügbaren Anzeigegeräte werden ebenfalls im Netzwerk als Dienste dargestellt. „Die Präsentation lässt sich dann per Knopfdruck auf das gewünschte Display schalten, übertragen wird sie per Internet“, so Löffler.

Das ist jedoch nicht alles. Mit der neuen Software können die Bildschirminhalte mehrerer Teilnehmer-Notebooks auf einem einzigen Bildschirm dargestellt werden. Da der virtuelle Bildspeicher gleichzeitig auf mehreren Displays angezeigt werden kann, ist es auch möglich, dass der Vortragende seine Präsentation vom Smartphone aus betrachtet und steuert. Die Software kann auch außerhalb von Besprechungen eingesetzt werden. Da moderne LCD-Displays nur noch Ränder von zwei bis drei Millimetern Breite aufweisen, lassen sich daraus nicht nur preiswerte, sondern auch großflächige und hoch aufgelöste Monitorwände bauen. Selbst wenn diese aus mehr als 20 Displays bestehen, reicht ein Laptop aus, um diese über eine herkömmliche WLAN-Verbindung mit Inhalten zu bespielen. Das ist bisher nur mit erheblichem Hardware-Aufwand möglich. Daher ist der neue Ansatz der Saarbrücker Informatiker auch für Bandenwerbung in Sportstadien oder interaktive Displays im Handel interessant.

„Wir können auf solchen Monitorwänden sogar 3-D-Filme wie ‚Avatar’ zeigen“, fügt Löffler hinzu. Verwendet man dazu sogenannte Shutterbrillen, müssen alle Monitore jeweils zum exakt gleichen Zeitpunkt das Bild für das rechte und linke Auge darstellen, damit sich der räumliche Eindruck ergibt. „Diese Synchronisierung leisten wir durch eine hardwarenahe Kontrolle der Graphikausgabe“, erklärt Löffler.

Intern nutzt die Software optimierte Video-Übertragungsprotokolle, um die Bilddaten synchronisiert von den virtuellen Bildspeichern direkt auf die Displays übertragen zu können. Im herkömmlichen Ansatz wird der Display-Inhalt 60-Mal pro Sekunde unkomprimiert über Kabel für diverse Standards wie VGA, DVI oder HDMI zum Anzeigegerät übertragen. Gerade bei hochauflösenden Displays fallen so leicht mehrere Gigabyte pro Sekunde an. Bei dem Ansatz der Saarbrücker Informatiker müssen dagegen nur die jeweils geänderten Daten und diese auch nur in komprimierter Form gesendet werden. Das reduziert den Aufwand auf einen Bruchteil. Damit ist es auch technisch möglich, die Inhalte auch auf den Displays mobiler Endgeräte darzustellen. Die Forscher arbeiten beispielsweise daran, mit dieser Technologie den Navigationsbildschirm eines Smartphone auf die elektronische Anzeige im Armaturenbrett eines Autos zu übertragen. Dies würde nicht nur im Wagen völlig neue Benutzerschnittstellen ermöglichen.

Thorsten Mohr | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.intel-vci.uni-saarland.de/de/projekte/display-wall.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie CeBIT 2012:

nachricht Praktisches Handgerät zum Lesen und Beschreiben von Hochfrequenz-RFID-Datenträgern
24.07.2012 | Contrinex GmbH

nachricht Rittal und Siemens stellen integrierte Energieverteilungslösung vor
20.03.2012 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: CeBIT 2012 >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics