Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cebit 2011: Bioinformatiker helfen weltweit vernetzten Forscherteams beim Entwurf neuer Medikamente

22.02.2011
Bis ein neues Medikament auf den Markt kommt, vergehen oft viele Jahre. Den langwierigen Prozess wollen Bioinformatiker in Saarbrücken und Tübingen beschleunigen.

Sie haben die Software BALLView entwickelt, mit der man neue Wirkstoffe entwerfen und visualisieren kann. Jetzt sollen sich internationale Forscherteams damit auch über das Internet vernetzen, um gleichzeitig dreidimensionale Modelle von Molekülen am Bildschirm zu bearbeiten.

Forscher des Zentrums für Bioinformatik und des Intel Visual Computing Institute der Saar-Uni stellen einen Prototypen der neuen Plattform vom 1. bis 5. März auf der Computermesse Cebit in Hannover am saarländischen Forschungsstand (Halle 9, B 43) vor.

„Wer für ein Türschloss den passenden Schlüssel sucht, muss eine räumliche Vorstellung davon haben. Ähnlich geht es Forschern, die Formen und Strukturen von Molekülen chemisch und räumlich begreifen müssen, um neue Medikamente zu entwerfen“, erklärt Andreas Hildebrandt, der eine Forschergruppe an der Universität des Saarlandes leitet.

Gemeinsam mit Bioinformatikern in Saarbrücken und Tübingen hat Hildebrandt die frei verfügbare Software BALL (Biochemical ALgorithms Library) entwickelt, die durch die Visualisierungskomponente BALLView ergänzt wurde. Mit ihrer Hilfe kann man wie in einem 3D-Kino in die virtuelle Welt von Wirkstoff-Molekülen, DNA und Viren eintauchen. Somit entsteht ein besserer räumlicher Eindruck für den Betrachter, der es ihm erleichtert, das „Schlüssel-Wirkstoff-Molekül“ zu finden, das geometrisch und chemisch in das dreidimensionale "Schloss", das so genannte Rezeptor-Molekül aus dem menschlichen Körper, passt.

Internationale Forscherteams aus verschiedenen Fachgebieten arbeiten an unterschiedlichen Standorten eng zusammen, um diese komplizierten Mechanismen besser zu verstehen „Sie konnten aber bisher die dreidimensionalen Modelle nicht zeitgleich bearbeiten, weil dies unter anderem wegen begrenzter Netzkapazitäten und Problemen bei der Datensicherheit nicht möglich war“, erklärt der Bioinformatiker. Das Saarbrücker Forscherteam erweitert daher seine Software derzeit um so genannte kollaborative Funktionen. Sie ermöglichen den Wissenschaftlern, weltweit die komplexen Moleküle gemeinsam und gleichzeitig zum Beispiel über das Internet zu modellieren. Die dafür notwendige 3D-Technologie für das Internet, genannt "XML3D", wurde von einem Forscherteam um Professor Philipp Slusallek am Intel Visual Computing Institute der Saar-Uni und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz entwickelt. Durch eine Erweiterung von gewöhnlichen Webbrowsern können damit komplexe dreidimensionale Graphiken dargestellt werden.

„Diese neue Web-Technologie wurde in die BALLView-Software integriert. Außerdem können die Forscher ihre Ideen jetzt direkt über ein Chat-Fenster in BALLView selbst diskutieren“, erläutert Hildebrandt. Die Software arbeitet zudem mit einer besonderen Visualisierungstechnik, dem so genannten Raytracing-Verfahren. Damit werden die räumlichen Strukturen der Moleküle auf sehr realistische Weise mit Licht, Schatten und Reflektionen dargestellt. Anschauen kann man sich diese zum Beispiel mit Hilfe eines Virtual Reality Setup oder auch an einem handelsüblichen 3D-Fernseher. „Dabei werden zwei Bilder so übereinander gelegt, dass der Betrachter sie durch eine 3-D-Brille mit enormer Tiefenwahrnehmung sehen kann. Er erhält dadurch einen äußerst realistischen räumlichen Eindruck und kann die Proteine oder Viren direkt an der Leinwand oder dem Fernseher verschieben, in einzelne Bereiche hineinzoomen und diese bearbeiten“, sagt Andreas Hildebrandt, der in Kürze eine Professur an der Universität Mainz antreten wird. Am saarländischen Forschungsstand auf der Cebit können Besucher die Technologie am 3D-Fernseher ausprobieren.

Fragen beantworten:

Dr. Andreas Hildebrandt
E-Mail: anhi@bioinf.uni-sb.de
Friederike Meyer zu Tittingdorf
Tel. 0681 / 302-3610
Mobil 0151 / 11 37 16 32
Tel: 0511 / 89 49 70 22 (Cebit-Messestand)
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern und Studenten der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-ISDN-Codec. Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610) richten.

Friederike Meyer zu Tittingdorf | idw
Weitere Informationen:
http://www.ballview.org
http://www.uni-saarland.de/pressefotos

Weitere Nachrichten aus der Kategorie CeBIT 2011:

nachricht GUS Group im CeBIT-Aufschwung
11.03.2011 | GUS Deutschland GmbH

nachricht Die Top-Trends der CeBIT 2011 für Unternehmen und Consumer
07.03.2011 | Deutsche Messe AG Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: CeBIT 2011 >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Künstlicher Intelligenz das Gehirn verstehen

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas über den Schaltplan des Gehirns bekannt.

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas...

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nebennierentumoren: Radioaktiv markierte Substanzen vermeiden unnötige Operationen

28.02.2017 | Veranstaltungen

350 Onlineforscher_innen treffen sich zur Fachkonferenz General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2017 | Veranstaltungen

23. VDMA-Arbeitsberatung „Engineering und Konstruktion“ am 2. März 2017 an der TH Wildau

28.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Partnerprogramm von Stellar Datenrettung

28.02.2017 | Unternehmensmeldung

Ein Filter für schweren Wasserstoff

28.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Auf den Spuren der Entstehung von Kondensationstropfen

28.02.2017 | Physik Astronomie