Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sprache in 3-D-Welten: Wenn der Spieler nicht versteht, wo es links um die Ecke geht

18.02.2010
Die Schatzsuche ist ein beliebtes Motiv in Computerspielen. Bisher gibt es aber nur wenige Spiele, in denen der Computer den menschlichen Spieler mit gesprochenen Anweisungen unterstützt.

Denn was für den Menschen recht einfach erscheint, ist in der virtuellen Welt eine komplizierte Aufgabe. Computerlinguisten der Universität des Saarlandes forschen daran, wie ein Computer gesprochene Sprache selbst erzeugen und in einer 3-D-Welt anwenden kann.

In Online-Spielen lassen die Wissenschaftler dafür verschiedene Systeme weltweit testen. Ihre Forschungsergebnisse stellen sie auf der Computermesse Cebit 2010 in Hannover vom 2. bis 6. März am saarländischen Forschungsstand (Halle 9, Stand B 43) vor.

Wenn ein Computer Spielern präzise Anweisungen geben soll, um sie durch virtuelle Räume zu lotsen, muss er wissen, wo sich die Spieler gerade befinden. Er muss erkennen, wie schnell sich ein Spieler bewegt, bis zu welcher Ecke jeweils sein Blickfeld reicht und was in jedem Raum zu sehen ist. Darin liegt die Herausforderung für Alexander Koller, der im Informatik-Exzellenzcluster der Universität des Saarlandes eine Forschergruppe leitet.

Er untersucht, wie Computer gesprochene Sprache nicht nur verstehen, sondern auch selbst erzeugen können. "In verschiedenen Computerspielen gibt es schon heute eine Erzählstimme, die zum Beispiel Tipps bei der Schatzsuche gibt. Dies sind jedoch statische Anweisungen, die vorher als komplette Sätze einprogrammiert werden", erläutert Koller den Unterschied.

Das Ziel der Computerlinguisten ist es, dynamische Systeme aufzubauen, in denen in Bruchteilen von Sekunden die Bewegungen des Spielers neu berechnet werden. Je nach Situation muss der Computer dann die korrekten sprachlichen Anweisungen einfügen. "Dies ist recht kompliziert, da die Beschreibungen nicht doppeldeutig sein dürfen und zum jeweiligen Blickfeld passen müssen. Denn wie soll ein Spieler etwa verstehen, wo es links um die Ecke geht, wenn er gerade vor einer Wand steht?", beschreibt Koller einen möglichen Programmierfehler. Er untersucht deshalb auch, wie der Computer die nächsten Bewegungen eines Spielers vorhersagen kann.

Mit einem internationalen Forscherteam hat Alexander Koller im vergangenen Jahr verschiedene Systeme zur Spracherzeugung in einem Online-Spiel testen lassen. Dabei musste ein menschlicher Spieler eine Aufgabe in einer virtuellen 3-D-Welt lösen, bei der er nur über gesprochene Anweisungen zu einem Schatz gelotst wurde. Über 1100 Spieler aus 48 Ländern lieferten so Daten und halfen mit, mehrere Systeme zu bewerten, mit denen im Computer natürliche Sprache erzeugt wird. Jetzt sollen erneut sechs Teams gegeneinander antreten, die eine noch schwierigere Aufgabe zu bewältigen haben. "Bisher waren in den Testspielen nur Drehungen um 90 Grad möglich, was häufig zu ungenau war, um den menschlichen Spieler über Sprachbefehle zielsicher durch eine Türöffnung zu bewegen", sagt Alexander Koller. Für den internationalen Wettbewerb, "Give Challenge" genannt, müssen die Spieler jetzt zu flüssigen Bewegungen angeleitet werden. Das neue Online-Spiel im Dienste der Wissenschaft wird am 22. Februar gestartet (www.give-challenge.org).

Mit den Erkenntnissen dieser Grundlagenforschung sollen künftig zum Beispiel bessere Navigationssysteme für Fußgänger entwickelt werden. Aber auch die Sprachsteuerung von Robotern oder Computerspielen könne davon profitieren. "Bisher passieren noch viele Fehler, wenn man Roboter oder Spielfiguren allein über sprachliche Anweisungen durch echte oder virtuelle Räume geleiten möchte", bedauert der Computerlinguist.

Hintergrund

Der Exzellenzcluster "Multimodal Computing and Interaction" in Saarbrücken wird seit 2007 im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern gefördert. Dort wird erforscht, wie man multimodale Informationen wie Texte, Audiodateien, Videos und Bilder noch effizienter organisieren, verstehen und durchsuchen kann. Neben der Universität des Saarlandes sind am Exzellenzcluster das Max-Planck-Institut für Informatik, das Max-Planck-Institut für Softwaresysteme und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz beteiligt.

Fragen beantwortet:

Dr. Alexander Koller
Tel. 0681/302-70040
Tel: 0511 / 89 49 70 37 (Cebit-Messestand)
Email: koller@mmci.uni-saarland.de
Friederike Meyer zu Tittingdorf
Tel. 0681/302-3610
Mobil 0151/11 37 16 32
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-ISDN-Codec. Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610) richten.

Friederike Meyer zu Tittingdorf | idw
Weitere Informationen:
http://www.mmci.uni-saarland.de/index.php?id=80&L=1
http://www.uni-saarland.de/pressefotos

Weitere Nachrichten aus der Kategorie CeBIT 2010:

nachricht Neue Freiheit für IT-Leiter - Die todo GmbH bringt flexIT 2010 heraus
24.03.2010 | todo GmbH

nachricht Neue Version der SAP-Lösung von Kaba noch anwenderfreundlicher
24.03.2010 | Kaba GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: CeBIT 2010 >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops