Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

IT-Innovationen - ein Weg aus der Krise

04.03.2009
Der Einsatz innovativer Technologien insbesondere aus dem Bereich Informations- und Kommunikationstechnik sowie Investitionen in Forschung und Entwicklung können Wege aus der Krise sein. Das machte die Fraunhofer-Gesellschaft bei der Eröffnung der CeBIT in Hannover deutlich.

"Das Wort Krise wird im Chinesischem mit zwei Schriftzeichen dargestellt: Das eine Zeichen symbolisiert Gefahr, das andere Chance. Die aktuelle Wirtschaftskrise birgt für die Unternehmen große Gefahren, sie kann aber auch eine Chance sein, neue Wege zu beschreiten", betont Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft.

Viele Unternehmen setzen deswegen trotz der Finanzkrise auf Innovationen. Sie wollen so ihre Wettbewerbssituation mittel- bis langfristig ausbauen - das hat eine Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags DIHK ergeben. 47 Prozent der befragten Unternehmen wollen in diesem Jahr ihre Innovationstätigkeit steigern. 42 Prozent der Firmen planen, ihre Ausgaben für Forschungs- und Entwicklung zu erhöhen.

Diese Entwicklung macht sich auch in der Fraunhofer-Gesellschaft bemerkbar. "Im Moment haben wir sogar mehr Aufträge aus der Wirtschaft als im Vorjahr. Allerdings hat sich die Art der Aufträge geändert. Die Firmen wollen jetzt sehr schnell marktfähige Lösungen. Unsere Arbeiten sollen bereits in diesem oder spätestens im kommenden Jahr Erfolge zeigen", sagt Bullinger.

Allerdings hemmt der Fachkräftemangel das weitere Vorantreiben von Innovationen am Standort Deutschland. 56 Prozent der in der DIHK-Studie befragten Unternehmen sehen darin ein großes Problem. Auch die Fraunhofer-Gesellschaft braucht neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um die Forschungsprojekte bewältigen zu können. "Wir brauchen junge, kreative und motivierte Informatiker, Naturwissenschaftler und Ingenieure, um Zukunftsmärkte erschließen zu können. Nur wenn wir rasch mit Innovationen neue Werte schaffen, kommen wir zügig aus dem wirtschaftlichen Tal", betont Prof. Bullinger.

Die Wirtschaftkrise erhöht zunehmend auch den Kostendruck auf die Unternehmen. Sie müssen noch schlanker und leistungsfähiger werden. "Innovative Lösungen aus der Informations- und Kommunikationstechnik können den Firmen helfen, Geschäftsprozesse effizienter zu gestalten, Kostentreiber aufzuspüren und die Qualität zu steigern", sagt Prof. Dieter Rombach, Vorsitzender des Fraunhofer-Verbunds für Informations- und Kommunikationstechnik IuK. Eine Umfrage des BITKOM hat ergeben, dass immer mehr Firmen IT- und Geschäftsprozesse auslagern wollen. Hier soll der Umsatz um 7,2 Prozent auf 14,6 Mrd Euro in diesem Jahr steigen. Serviceorientierte Architekturen (SOA) unterstützen das Outsourcing und ermöglichen, Geschäftsprozesse durch eine flexible IT schneller an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen.

Ein weiteres wirksames Instrument, Kosten zu senken, ist das Cloud Computing. Mit Hilfe des Cloud Computings können Unternehmen auf externe Hardwarekapazitäten wie Speicher oder Rechnerleistung zugreifen. Mehr als die Hälfte der CIOs sieht in Cloud Computing eine Möglichkeit zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit ihres Unternehmens, so eine weltweite Studie des Beratungshauses Avanade. Zugleich haben aber auch vier von fünf Unternehmen in Deutschland noch Sicherheitsbedenken und befürchten, die Kontrolle über ihre Daten und Systeme zu verlieren. "Gerade beim sicheren Umgang mit kritischen Daten in verteilten Systemen gibt es noch großen Forschungs- und Entwicklungsbedarf", weiß Prof. Dieter Rombach.

Zu einem Kostentreiber haben sich in den vergangenen Jahren vor allem die Energiepreise entwickelt. Die größten Energieverbraucher in vielen Unternehmen sind Rechenzentren und Server-Räume - ihr Anteil am Gesamtverbrauch beträgt bis zu 60 Prozent. Der Stromverbrauch von Servern und Rechenzentren in Deutschland wird in diesem Jahr mehr als 10 TWh betragen, so die Berechungen des Instituts für Innovation und Nachhaltigkeit, Borderstep Institut. Das bedeutet Stromkosten in Höhe von etwa 1,1 Milliarden Euro. IT-Konzepte wie Virtualisierung ermöglichen es, die Ressourcen von Computern und Rechenzentren besser zu nutzen. Außerdem helfen moderne, energieeffiziente Rechenzentren, die Energiekosten eines Betriebs massiv zu senken.

Ein wichtiger IT-Trend in diesem Jahr ist nach wie vor Mobilität. Die flächendeckend verfügbaren Breitbandnetze und WLAN-Spots sowie wie die immer leistungsfähigeren Smartphones wie iPhone, Blackberry und Co. eröffnen Firmen die Möglichkeit, neue Anwendungen, Services und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut HHI arbeiten mit an der Entwicklung von neuen Infrastrukturen drahtloser Breitbandnetze. Der UMTS-Nachfolger "LTE" wird bereits in einem Feldversuch in Berlin getestet. Eine einzigartige Möglichkeit an der Entwicklung neuer Ortungssysteme auf WLAN-Basis mitzuwirken sowie neue Produkte und Dienstleistungen zu testen, bietet das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS. Es stellt in Nürnberg die Technologie zur Lokalisierung auf einer Fläche von 25 Quadratkilometern zur Verfügung. In einem offenen Konsortium können interessierte Unternehmen ortsabhängige Dienste entwickeln und unter realen Bedingungen untersuchen.

Ein wichtiger Aspekt des Konjunkturpakets ist der Bereich Informations- und Kommunikationstechnik. Etwa 500 Mio Euro will die Bundesregierung in IT-Projekte investieren, wie zum Beispiel die einheitliche Behördennummer 115 und den elektronischen Personalausweis. Ein Ziel des elektronischen Personalsausweises ist es, den Handel im Internet sicherer zu machen. Bereits im kommenden Jahr soll der e-Ausweis eingeführt werden. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie SIT arbeiten an dem Projekt mit. Ihre Aufgabe ist es, unter anderem die auf dem Ausweis gespeicherten Daten vor Missbrauch zu schützen. Erste Ergebnisse stellen die Forscher auf der CeBIT vor.

"Mit Hilfe von IT-Innovationen lassen sich nicht nur Geschäftsprozesse effizienter gestalten. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien eröffnen auch die Chance, neue Produkte und Services wie zum Beispiel innovative mobile Anwendungen zu entwickeln und damit neue Märkte zu erschließen", sagt Prof. Rombach. Wichtig sei es darüber hinaus, auch weiterhin in Forschung und Entwicklung zu investieren, sagt Bullinger. Nur dann könne man, wenn die Wirtschaft wieder anzieht, mit innovativen Produkten überzeugen. "Im nächsten Konjunkturzyklus stehen die Unternehmen besonders gut da, die sich jetzt vorbereiten. Und dazu werden auch viele deutschen Firmen gehören", erwartet der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft.

Dr. Janine Drexler | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie CeBIT 2009:

nachricht Hybrid-Scanner ordnet Dokumente nach Chaos-Prinzip
09.03.2009 | Xamance

nachricht Zum Abschluss der CeBIT 2009: Trends und Themen
09.03.2009 | Deutsche Messe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: CeBIT 2009 >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik