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Wenn Autos mit sich reden lassen

08.03.2007
Universität des Saarlandes, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und BMW präsentieren im Future Park der CeBIT ein neues Auto-Dialogsystem

Wer beim Autofahren Musik hören will, lässt sich beim Bedienen des Radios oder CD-Players leicht ablenken. Besser wäre es, wenn man dem Autoradio einfach sagen könnte, was man von ihm will, und zwar so, als ob man mit einem anderen Menschen reden würde. Dass dies heute möglich ist, zeigen Computerlinguisten der Universität des Saarlandes und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) gemeinsam mit der BMW Group im Future Park der CeBIT (Halle 9, Stand B 40).

Dort kann man im Fahrersitz eines BMW Platz nehmen und im lockeren Gespräch mit dem MP3-Player Musiktitel auswählen, ohne auch nur eine Taste zu drücken. Oder man befragt den Restaurantführer, wo etwa die nächste Pizzeria zu finden ist. Die sprachgesteuerten Infotainment-Geräte verstehen Deutsch und Englisch.

Das sprechende Auto ist Teil des europäischen Forschungsprojekts TALK, das von Manfred Pinkal, Professor für Computerlinguistik an der Universität des Saarlandes und Leibnizpreisträger des Jahres 2000, koordiniert wird. "Herkömmliche Sprachdialogsysteme haben den Nachteil, dass sie häufig nur über spezielle Kommandos funktionieren, die der Benutzer mühsam lernen muss", meint der Computerlinguist Pinkal. Der unerfahrene Benutzer gibt oft nach wenigen Versuchen frustriert auf, weil das System anders als erwartet oder gar nicht reagiert.

Für die Wissenschaftler des TALK-Projekts war daher von Beginn an klar, dass die Kommunikation zwischen Mensch und komplexem Gerät nur erfolgreich sein kann, wenn der Mensch in seiner Alltagssprache den Ton angibt. Hierfür entwickelten sie Steuerungssysteme, in denen die menschliche Sprache mit grafischen Oberflächen und der konventionellen Tastenbedienung kombiniert wurden. Die Systeme sind inhaltsorientiert, der Benutzer kann also zuerst sagen, was er will. Sie sind flexibel aufgebaut, das heißt, der Mensch fragt so, wie er es will, statt Tasten zu drücken oder Kommandos zu verwenden, die das Gerät erwartet. Und die Systeme sind anpassungsfähig, sie stellen sich also nicht nur auf das Wissen und Können des Benutzers ein, sondern auch auf die Situation.

Kern der zukunftsweisenden Sprachdialogsysteme ist das Konzept des "Information State Update" (ISU), das in einer Reihe früherer EU-Projekte entwickelt wurde. Die Grundidee: Alle Informationen über den Ablauf des Mensch-Maschine-Dialogs werden im "Informationszustand" des Systems gespeichert. Es gibt also nicht nur ein Archiv mit möglichen Gesprächsabläufen, sondern das System sammelt alle weiteren Äußerungen des menschlichen Benutzers. Bei jeder Anfrage berechnet es die jeweils angemessene Reaktion und ergänzt sein Archiv mit zusätzlichen Informationen über den Benutzer, die dann bei den folgenden Gesprächen verwendet werden. Entsprechend kann das System den Sprachstil und Titelsuche des MP3-Players anpassen. Weiterer Vorteil des "Information State Update": Dieser Kern des Dialogsystems kann für verschiedene natürliche Sprachen und graphische Oberflächen eingesetzt und auf ganz unterschiedliche Gebiete angewendet werden. Sich wiederholende Anforderungen wie ähnliche Dialoge oder tabellarische Übersichten müssen nicht jedes Mal neu programmiert werden, sondern können - einmal abgespeichert - für alle möglichen Situationen abgerufen werden. Dies spart Zeit und Kosten in der Entwicklung.

Am gerade erfolgreich abgeschlossenen europäischen TALK-Projekt sind die Universität des Saarlandes und die Universitäten in Edinburgh, Göteborg, Cambridge und Sevilla sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) beteiligt. Als industrielle Partner wirken die BMW Forschung und Technik GmbH und die Robert Bosch GmbH als Fahrzeughersteller und -zulieferer mit, außerdem die britische Sprachtechnologie-Firma Linguamatics. .Über einen Unterauftrag ist die Saarbrücker Startup-Firma CLT Sprachtechnologie vertreten. Das TALK-Projekt ("Tools for Ambient Linguistic Knowledge") wurde im Jahr 2004 in Saarbrücken gestartet und über drei Jahre mit 4,6 Millionen Euro von der Europäischen Union im 6. Rahmenprogramm gefördert, weitere 1,5 Mio. Euro steuerte die Industrie bei.

Auf der CeBIT 2007 ist der sprechende BMW im Future Park (Halle 9, Stand B 40) zu sehen. Dort wird Dr. Tilman Becker (DFKI), der für die Entwicklung des Fahrzeugdialogsystems verantwortlich war, das Projekt erläutern. Prof. Dr. Manfred Pinkal, einer der führenden Computerlinguisten in Deutschland und Koordinator des TALK-Projektes, wird am Freitag, 16. März um 13.30 Uhr im Future Talk (Halle 9, Stand A 60) einen Vortrag halten zum Thema "Natürlicher Sprachdialog im Fahrzeug" und an diesem Tag für Interviews zur Verfügung stehen.

Fragen beantworten Ihnen:

Prof. Dr. Manfred Pinkal
Tel.: 06 81/302-4343
Email: pinkal@coli.uni-saarland.de
Dr. Tilman Becker (DFKI)
Tel: 0681/302-5271
Email: tilman.becker@dfki.de
Friederike Meyer zu Tittingdorf
Tel. 06 81/302-5 80 99
Email: presse@cs.uni-sb.de

Saar - Uni - Presseteam | idw
Weitere Informationen:
http://www.talk-project.org
http://www.informatik-saarland.de

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