Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Computerspiele schlauer werden

01.03.2007
Firma X-aitment erhält europäischen ICT-Preis für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Computerspielen
Die virtuellen Gegner in den meisten Computerspielen sind leicht durchschaut: Sie reagieren nach immer ähnlichen Mustern, vergessen schnell und zeigen kaum Gefühle. Damit sich daran etwas ändert, programmieren Mitarbeiter der Firma X-aitment künstliche Intelligenz (KI) in Computerspiele. Das junge Unternehmen, das aus der Universität und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) hervorgegangen ist, wird dafür jetzt mit dem ICT-Preis, dem bedeutendsten Innovationspreis der Europäischen Union, ausgezeichnet.

Den Preis für Informations- und Kommunikations-Technologien werden die EU-Kommissarin Viviane Reding und der Saarbrücker Informatiker Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Wahlster (Universität des Saarlandes und DFKI) auf der CeBIT in Hannover am Freitag, 16. März um 11 Uhr überreichen: im Convention Center (CC), Saal 3A.

"Die Spiele-Entwicklung hinkt den Forschungsergebnissen der Künstlichen Intelligenz um 15 Jahre hinterher", meint Dr. Andreas Gerber, Geschäftsführer der Firma X-aitment. Er hat sich vor drei Jahren mit der Idee selbstständig gemacht, Computerspielen mehr menschliches Leben einzuhauchen. Gemeinsam mit seinem Team von inzwischen 24 Mitarbeitern setzt er dafür Methoden und Werkzeuge aus der KI-Forschung ein, die er sich während seines Informatikstudiums und der Promotion am Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz (Prof. Dr. Jörg Siekmann) und dem DFKI erarbeitet hat. Seine Vision ist es, Computerspiele zu entwickeln, bei denen der Spieler nicht mehr erkennt, ob er gegen menschliche oder künstliche Gegner spielt.

Dafür setzen die Saarbrücker Informatiker zum Beispiel so genannte Multiagenten ein, um den Teamgeist im Spiel zu erhöhen. Wie bei einem Fußballspiel bekommt jeder der vom Computer gesteuerten Spieler eine Aufgabe (z.B. Verteidiger, Mittelfeld, Stürmer) zugewiesen, die er jedoch nur erfolgreich im Team umsetzen kann. Die künstlichen Spieler sind in der Lage, wie Menschen miteinander zu kommunizieren und Rückmeldung zu geben, wenn etwas schief läuft. Dadurch können sie auch komplexere Strategien verfolgen, wie sie zum Beispiel in Echtzeitstrategiespielen wie "Die Siedler" erforderlich sind. Die Hersteller dieser Strategiespiele, wie z.B. Blue Byte / Ubisoft sind daher bereits Kunden von X-aitment.

Die für die Computerspiele entwickelten Verfahren können jedoch auch in anderen Bereichen eingesetzt werden. So lässt sich mit Hilfe der Multiagenten zum Beispiel das Fluchtverhalten von Fans bei einer Panik im Fußballstadion simulieren. Oder ein Verkehrschaos wird vorhergesagt, das durch mehrere Baustellen in einer Stadt entstehen kann. Auch ist es möglich, verschiedene Prozesse in Unternehmen zu modellieren, die bisher von Menschen gesteuert wurden. Um diese Ideen nah an der Forschung weiter zu entwickeln, hat die Firma X-aitment ihren Sitz im Science Park neben dem Campus der Universität des Saarlandes gewählt. Dies ermöglicht eine enge Zusammenarbeit mit der Informatikforschung an der Universität, dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und den Max-Planck-Instituten in Saarbrücken.

Vom 5. bis 9. März 2007 werden die Mitarbeiter von X-aitment ihre Neuheiten auf der weltgrößten Messe für die Entwicklung von Computerspielen, der "Game Developers Conference" in San Francisco, präsentieren. Auf der CeBIT 2007 stehen Mitarbeiter der Firma am 15./16. März im Rahmen der Preisverleihung für Interviews zur Verfügung. Terminabsprache unter: Tel. 0681/302-58099.

Hintergrund: Der ICT-Preis

Mit dem ICT-Prize (früher IST-Prize) werden Institute und Unternehmen ausgezeichnet, die innovative Produkte der Informations- und Kommunikationstechnologie mit guten Marktaussichten entwickelt haben. Der Preis wird seit 1995 vom 'European Council of Applied Sciences, Technologies and Engineering' (Euro-CASE), der von der Europäischen Kommission unterstützt wird, vergeben. In diesem Rat sind nationale Akademien aus 18 Ländern zusammengeschlossen. Eine Experten-Jury wählt 20 Gewinner des ICT-Preises aus allen europäischen Ländern aus, von denen drei dann den mit jeweils 200.000 Euro dotierten Grand Prize erhalten. In diesem Jahr hatten sich dafür 450 Unternehmen aus 30 Ländern beworben. Wer die drei Grand Prizes gewinnt, wird erst zur offiziellen Preisverleihung bekannt gegeben, die am 16. März 2007 auf der CeBIT in Hannover stattfindet. (www.ict-prize.org).

Zwei weitere Spin-off-Unternehmen der Saarbrücker Informatik haben bereits den ICT-Preis erhalten: Die inTrace GmbH im Jahr 2006 und die AbsInt Angewandte Informatik GmbH im Jahr 2004. Intrace ist aus dem Lehrstuhl für Computergraphik von Prof. Dr. Philipp Slusallek hervorgegangenen und vermarktet das Echtzeit-Ray-Tracing, eine interaktive Visualisierungstechnik. Die AbsInt Angewandte Informatik GmbH (Lehrstuhl für Programmiersprachen von Prof. Dr. Reinhard Wilhelm) hat den aiT-Laufzeit-Analysator entwickelt hat, das weltweit erste Werkzeug, das automatisch das korrekte Zeitverhalten von Software in eingebetteten Systemen garantieren kann. Bereits 1995 hatte das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) mit Standort in Saarbrücken und Kaiserslautern den begehrten Preis erhalten.

Fragen beantworten Ihnen:
Dr. Andreas Gerber
Tel.: 0681 / 95 93 142
E-Mail: andreas.gerber@x-aitment.net
Friederike Meyer zu Tittingdorf
Kompetenzzentrum Informatik an der Universität des Saarlandes
Tel. 0681/302-58099 oder
Tel. 0511/89597132 (CeBIT-Messestand)
Email: presse@cs.uni-sb.de

Saar - Uni - Presseteam | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de/de/medien
http://www.uni-saarland.de/de/profil/veroeffentlichungen/campus
http://www.x-aitment.net

Weitere Berichte zu: Computerspiel DFKI ICT-Preis Intelligenz X-aitment

Weitere Nachrichten aus der Kategorie CeBIT 2007:

nachricht Online: future talk CeBIT 2007, Videos, Fotos
04.04.2007 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH

nachricht CeBIT Highlights des Fraunhofer IAO
03.04.2007 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: CeBIT 2007 >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungsnachrichten

3D-Mapping von Räumen mittels Radar

17.10.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wirkstoffe aus der Natur

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie