Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

D-Cinema: Bytes statt Film

25.02.2004


Aufwändige Computer-Animationen, beeindruckender Surround-Ton - das Kino hat sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt. Nur eines hat sich nicht geändert: Die bewegten Kinobilder werden wie vor hundert Jahren auf Film gebannt. Doch langsam wird der Abschied von der Filmrolle eingeläutet. Erste Komponenten für das digitale Kino stellen Fraunhofer-Forscher auf der CeBIT (Hannover, 18.-24. März) in der Halle 11 vor.


Der mobile Datenspeicher ist handlich und leicht. © Fraunhofer IIS


Die IOSONO®-Lautsprecherpanels sorgen für ein optimales Hörerlebnis im Ilmenauer Kino "Lindenlichtspiele". © Fraunhofer IDMT



George Lucas hat es getan. Wim Wenders auch. Und sogar Altmeister Robert Altman. Die bekannten Filmemacher haben Kinostreifen statt auf Film auf Datenträger gebannt. Besonders Krieg-der-Sterne-Regisseur Lucas ist von der Digitaltechnik begeistert. Denn digitale Filme reißen und verkratzen nicht. Auch nach der hundertsten Vorführung erscheint der Kinohit in Produktionsqualität auf der Leinwand. Zudem lassen sich die digitalen Filme ohne großen Aufwand im Computer bearbeiten, leicht kopieren und kostengünstig vertreiben. Doch noch steht das D-Cinema erst ganz am Anfang. Es fehlen wichtige Schlüsselkomponenten.

... mehr zu:
»D-Cinema »Datenmenge »Digital »FIRST »Projektor


Um die digitale Kinokette zu realisieren, muss vor allem ein Problem gelöst werden - die Speicherung der enormen Datenmengen. Ein 90-minütiger Spielfilm erzeugt die unvorstellbare Datenmenge von mehr als zwei Terabyte (1 Terabyte = 1 024 * 1024 Megabyte). "Dies stellt für den Umstieg auf die digitale Technik eine erhebliche Herausforderung dar", weiß Siegfried Fößel vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen. Allein beim Dreh einer Minute digitalen Kinofilms entstehen etwa 40 Gigabyte Daten.

Doch wie können diese riesigen Datenmengen aufgezeichnet werden? IIS-Forscher haben bereits eine Lösung entwickelt - einen mobilen Speicher, der direkt am Set eingesetzt werden kann. Das handliche Gerät (24 x 16 x 8 cm) wiegt nur 3 Kilo und speichert etwa 30 Minuten unkomprimierten digitalen Film in HDTV-Auflösung. Vergleichbare auf dem Markt erhältliche Geräte können nur vier Minuten speichern. Sollen mehr Daten aufgezeichnet werden, braucht man relativ große Speichersysteme. Doch die bringen stattliche 20 Kilo auf die Waage.

Neben mobilen Speichern werden für das Handling der Daten auch neue Kompressionsverfahren benötigt. Die Fraunhofer-Forscher setzen auf Motion JPEG2000. MJPG2000 ist ein internationaler, offener Standard, an dem das IIS im ISO-Gremium mitarbeitet. Das Verfahren speichert die bewegten Bilder in hoher Qualität. Das ist wichtig, damit die digitalen Filme später auch "Kinoqualität" haben. Aus den komprimierten Daten können so sehr schnell Previews unterschiedlicher Qualität gemacht werden. Der Regisseur kann sich die gerade gemachten Aufnahmen anschauen und muss nicht lange auf eine Tageskopie warten.

Spielfilme leben aber nicht nur von beeindruckenden Bildern, sondern auch vom Sound. Mittlerweile sorgt in fast allen Kinos Dolby-Digital für guten Surround-Sound. Doch die Technik hat einen Nachteil: Optimalen Hörgenuss gibt es nur auf wenigen Plätzen. Diese Schwäche beseitigen Forscher des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT in Ilmenau: Sie setzen die Klangfeldsynthese ein, um jeden Kinoplatz in Zukunft richtig zu beschallen. Das Sys-tem IOSONO® schafft einen perfekten und natürlichen Raumeindruck. Die Technik wird bereits in den "Lindenlichtspielen" in Ilmenau IOSONO® eingesetzt. Für die neue Technik interessiert sich bereits Hollywood. George Massenburg, einer der berühmtesten Tonmeister Hollywoods, hat sich bereits persönlich von der neuen Klangdimension überzeugt.

Ein großer Vorteil des Digitalen Kinos: Die Spielfilme lassen sich einfach und preiswert vervielfältigen und verteilen. Allein in Deutschland werden jährlich etwa 50 000 Filmkopien gezogen, das Stück zu je 1 200 Euro - so die Studie "Majors planen digitalen roll-out ..." der Filmförderanstalt. Weltweit sollen sich die Vertriebskosten auf
5 Milliarden Euro belaufen. Bis zu 90 Prozent dieser Kosten könnten mit dem Digitalen Kino eingespart werden, rechnen Experten vor. Denn beim D-Cinema kommen die Filme einfach über Breitbandkabel, DVD oder Satellit ins Kino. Während das Digitale Kino beim Vertrieb Kosten einspart, müssen die Kinobetreiber kräftig in die digitale Technologie investieren. Die neuen Projektoren und notwendige Infrastruktur kosten etwa 150 000 bis 300 000 Euro. Ein herkömmlicher Filmprojektor ist für etwa ein Zehntel zu haben und hält Jahrzehnte. Kein Wunder also, dass bisher weltweit erst etwa 150 Kinosäle mit der neuen Technik ausgestattet sind.

An einer preisgünstigeren Alternative arbeiten Forscher des Fraunhofer-Instituts für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik FIRST und des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut, HHI. Ihre Idee: Statt eines teuren Projektors werden mehrere preiswerte elektronische Wiedergabegeräte eingesetzt. "Jeder Projektor muss dann nur einen Teil der riesigen Datenmenge übertragen", erläutert Dr. Ralf Schäfer vom HHI das Prinzip. Damit der Kinobesucher nicht merkt, dass mehrere Projektoren im Einsatz sind, müssen die Wiedergabegeräte absolut synchron laufen.

In der von FIRST entwickelten Eventprojektion werden komplexe Projektionsgeometrien automatisch erfasst und entzerrt. Die aufwändige manuelle Feineinstellung der Projektoren, die bei herkömmlichen Systemen oft Stunden dauert, übernimmt hier eine intelligente Software. Sie sorgt dafür, dass mehrere Projektoren problemlos zusammengeschaltet werden können und auch auf gekrümmten Flächen einen einheitlichen Bildeindruck erzeugen. "Durch das Herausrechnen geometrischer Diskontinuitäten und Farbnuancen generiert die neue Technologie eine homogene Projektion - unabhängig von der Form der Projektionswände", erläutert Ivo Haulsen von FIRST die Vorzüge des Systems, das die Forscher auf der CeBIT vorstellen. Zusätzlich zur autokalibrierenden Software wurde bei FIRST ein HDTV-Player entwickelt, der es ermöglicht, HDTV-Filme auf herkömmlichen Projektoren zu präsentieren.

Die Digitalisierung beginnt mit dem Vorprogramm. In einigen Kinos wird bereits digital produzierte Werbung in geringerer Auflösung ausgestrahlt. Bis allerdings das Hauptprogramm auch in digitaler Form über die Leinwand läuft, werden noch einige Jahre vergehen.

Diese und weitere aktuelle Projekte präsentieren 15 Fraunhofer-Institute sowie die Fraunhofer-Gruppe Informations- und Kommunikationstechnik IuK auf dem Gemeinschaftsstand in Halle 11. Dort zeigen Wissenschaftler Forschungsergebnisse und Anwendungen aus den Bereichen Health, Mobility, Business & Production, Home & Entertainment und eGovernment.

Ansprechpartner am Fraunhofer-Institut
für Integrierte Schaltungen IIS:
Angela Raguse M.A.
Telefon 09131/776563
rgs@iis.fraunhofer.de

für Digitale Medientechnologie IDMT:
Henning Köhler
Telefon 03677/69-4859
koehler@idmt.fraunhofer.de

für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik FIRST:
Mirjam Kaplow
Telefon 030/6392-18 08
mirjam.kaplow@first.fraunhofer.de

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw
Weitere Informationen:
http://www.cebit2004.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: D-Cinema Datenmenge Digital FIRST Projektor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie CeBIT 2004:

nachricht FwD begeisterte CeBIT-Besucher
19.04.2004 | Funkwerk Dabendorf GmbH

nachricht D-Link unter die Top 50 der wichtigsten Cebit Aussteller gewählt
31.03.2004 | D-Link

Alle Nachrichten aus der Kategorie: CeBIT 2004 >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

Meteoriteneinschläge und Spektralfarben: HITS bei Explore Science 2018

11.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

EMAG auf der AMB: Hochproduktive Lösungen für die vernetzte Automotive-Produktion

15.06.2018 | Messenachrichten

AchemAsia 2019 in Shanghai

15.06.2018 | Messenachrichten

Dem Fettfinger zu Leibe rücken: Neuer Nanolack soll Antifingerprint-Oberflächen schaffen

15.06.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics