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Kohlmeisen brüten heute früher und sind produktiver als jemals zuvor im letzten halben Jahrtausend. Grund dafür ist die zunehmend wärmere Frühlingstemperatur. Forscher der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, der Universitäten Giessen und Bern und des Instituts für Vogelforschung Wilhelmshaven bringen neues Licht in die komplexe Wirkung von Klimafaktoren auf die Lebensgeschichten einzelner Tierarten.
Alle Pflanzen- und Tierartengemeinschaften sind in Anpassung an die grossräumigen Klimabedingungen entstanden. Klimaveränderungen haben Auswirkungen auf Lebewesen, auch wenn diese die kontinentalen und langjährigen Veränderungen nicht direkt wahrnehmen können. Am Beispiel der Kohlmeise zeigten jetzt Forscher der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, der Universitäten Giessen und Bern und des Instituts für Vogelforschung Wilhelmshaven, wie diese komplexe Wirkungskette funktioniert. Für ihre Analysen konnten die Forschenden auf Daten von Kohlmeisen zurückgreifen, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts von freiwilligen Vogelkundlern zusammengetragen worden waren.
Schwankungen in der globalen Luftdruckverteilung bestimmen die örtlichen Klimabedingungen. Diese wiederum beeinflussen die Entwicklung der Vegetation im Frühjahr und damit auch das Angebot an Raupen, mit denen Meisen ihre Jungen füttern. Davon hängen schliesslich der Brutbeginn und der Fortpflanzungserfolg der einzelnen Vögel ab.
Mit einem rückblickenden Modell, das sogar 500 Jahre umfasst, zeigte die Forschergruppe, dass der Wechsel von Warm- und Kaltzeiten in den vergangenen Jahrhunderten grosse Schwankungen der Kohlmeisenpopulation bewirkt hat. Während die „Kleine Eiszeit“ offenbar einen starken Rückgang der Produktivität verursachte, brüten Kohlmeisen heute früher und produktiver als jemals zuvor im vergangenen halben Jahrtausend.
Die Ergebnisse erweitern den Blick über die gegenwärtige Erwärmungsphase hinaus. Sie zeigen, dass die Anpassungsfähigkeit der Lebensräume und der Tiere erhebliche Schwankungen erträgt, aber auch Grenzen hat.
Der Einfluss des Klimas auf individuelle Lebensgeschichten
Klima und Wetter beeinflussen den Bruterfolg und das Populationswachstum von Kohlmeisen. Die komplexe Kette von Wirkungen beginnt bei den Luftdruckverhältnissen über dem Nordatlantik und dem europäischen Festland. Die Zirkulation in der Atmosphäre bestimmt die Temperaturen und Niederschläge im Frühling. Ist dieser kalt und nass, treiben die Blätter der Bäume später aus und auch der Legebeginn der Meisen erfolgt verspätet. In Jahren mit später Vegetationsentwicklung sind die Gelege kleiner und die Jungensterblichkeit grösser. Die Produktivität der Population wird also stark von den Klimaverhältnissen beeinflusst. Entsprechend dem Trend zu höheren Temperaturen brüten Kohlmeisen heute früher als vor 30-40 Jahren, und sie haben mehr Junge.
Quelle
Naef-Daenzer, B., Luterbacher, J., Nuber, M., Rutishauser, T., and Winkel, W. 2012. Cascading climate effects and related ecological consequences during past centuries. Climate of the Past, 8, 1527–1540.
http://www.clim-past.net/8/1527/2012/cp-8-1527-2012.html
Weitere Auskünfte
Dr. Beat Naef-Daenzer
Ornithologe
Schweizerische Vogelwarte Sempach
Tel. +41 41 462 97 34
Prof. Jürg Luterbacher
Klimatologe
Justus-Liebig-Universität Giessen
Tel. +49 641 99 36210
Dr. This Rutishauser
Phänologie
Universität Bern
Tel. +41 76 436 11 06
Charlotte Brückner-Ihl | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.vogelwarte.ch/medien
www.clim-past.net/8/1527/2012/cp-8-1527-2012.html
Weitere Berichte zu: Bruterfolg > Klimabedingung > Klimafaktoren > Kohlmeise > Meisen > Produktivität > Schwankung > Vogelforschung > Vogelwarte > Wetterfühlige
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