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Die Waffen der Pilze: Bei Verletzung hagelt's Blausäure

24.07.2009
Wer nicht davonlaufen kann, muss sich zu verteidigen wissen: Pilze produzieren chemische Abwehrstoffe gegen Fraßfeinde, Parasiten und Konkurrenten. Der grüne Knollenblätterpilz schützt sich mit alpha-Amanitin, der Fliegenpilz mit dem Nervengift Muscimol.

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Jetzt haben Forscher entdeckt, dass bei einigen Pilzen das jeweilige Gift erst dann entsteht, wenn jemand dem Pilz an den Kragen geht. Die Juli-Ausgabe der "Nachrichten aus der Chemie" berichtet davon.


Eine Pflanze kann sich gegen Fraßfeinde verteidigen, indem sie permanent einen Abwehrstoff produziert oder indem sie ihn erst dann bildet, wenn Gefahr droht. Der Vorteil dieser letzten Strategie: Die Pflanze muss sich nicht ständig gegen ihren eigenen Giftstoff schützen. Der Nachteil: Es dauert einige Stunden, bis die Pflanze von dem Schutz profitiert - in dieser Zeit hat ihr letztes Stündchen möglicherweise bereits geschlagen.

Der Kompromiss zwischen beiden Extremen ist ein verwundungsaktivierter Mechanismus: Die Pflanze produziert ständig harmlose Vorstufen eines Giftstoffs, beispielsweise Blausäureglykoside. Wird die Pflanze mechanisch verletzt, setzt sie Enzyme frei; diese spalten die Vorstufe und nahezu sofort entsteht Blausäure.

So setzt die Orangefarbene Mehlscheibe, ein stecknadelkopfgroßer Rindenpilz, Blausäure frei, wenn ihr Fruchtkörper verletzt ist. Der intakte Fruchtköper enthält dagegen nur einen ungefährlichen Blausäureether. Der Weißmilchende Helmling wiederum sondert bei Verletzung einen weißen Milchsaft mit einem Fungizid ab, das Pilzkonkurrenten tötet.

Giftige Pilze kennt man seit Jahrhunderten - Pilze, die Giftstoffe bei Verwundung freisetzen, erst seit einigen Jahren. In der Juli-/August-Ausgabe der "Nachrichten aus der Chemie" stellt der Chemiker Peter Spiteller vor, mit welchen Strategien sich Pilze verteidigen können - und warum es auf diesem Gebiet noch so einige Geheimnisse zu lüften gibt. Die PDF-Datei gibt es bei der Redaktion der "Nachrichten aus der Chemie" unter nachrichten@gdch.de.

Nahezu 80.000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den "Nachrichten aus der Chemie" über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte, das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen sowie der große Stellenmarkt.

Dr. Ernst Guggolz | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.gdch.de/nachrichten
www.gdch.de/taetigkeiten/nch/jg2009/h07_09.htm

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