Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Vliese als "Gerüst" für künstliche Gewebe

04.05.2009
Knorpel, Sehnen, Blutgefäße – Gewebe sollen sich künftig im Labor herstellen lassen. Dabei werden die entsprechenden Zellen auf einem porösen »Gerüst« gezüchtet, etwa auf Vliesen. Eine neue Software hilft nun dabei, diese Vliese zu charakterisieren und optimieren.

Anzeige


Gerissene Einzelfaser nach einem Zugversuch in der Mikroprüfmaschine
© Fraunhofer IWM

Das Knie schmerzt bei jedem Schritt – der Knorpel ist so weit geschädigt, dass die Knochen beim Laufen aufeinander reiben. Mediziner arbeiten daran, Knorpelgewebe künstlich herzustellen und Patienten mit Knieproblemen wieder schmerzfreies Gehen zu ermöglichen.

Auch Sehnen oder Blutgefäße sollen sich künftig im Labor herstellen lassen. Die Forscher geben dazu Zellen auf einen porösen Gerüstwerkstoff, beispielsweise ein Vlies aus Polymerfasern: Auf diesem Gerüst können die Zellen wachsen und Gewebe bilden. Ob die Zellen gut zu dem Gewebe heranwachsen, hängt jedoch von vielen Faktoren ab: So bilden die Zellen nur einen Knorpel, wenn sie vergleichbaren Belastungen ausgesetzt sind wie im Körper.

Bei Knorpeln braucht das Gewebe den Druck, den jeder Schritt ausübt, Adergewebe dagegen benötigt das Pulsieren des Blutes. Diese Belastungen stellen die Wissenschaftler in der Zellkultur nach. Wird der künstliche Knorpel in das Knie des Patienten eingesetzt, löst sich das stützende Vlies allmählich auf – zurück bleibt das eingewachsene Knorpelgewebe.

Während es recht einfach ist, Vliese aus dünnen Polymerfasern herzustellen, ist es schwer, diese Materialien experimentell und theoretisch zu beschreiben. Welche Kräfte erfahren die Zellen, wenn man am Vlies zieht oder Flüssigkeit darüber strömt? Wie dringen Zellen in das Vlies ein? Wie durchströmen Flüssigkeiten das Vlies? Forscher am Fraun-hofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg und Halle haben nun ein Simulationsmodell entwickelt, das diese Fragen beantwortet und die Vliese gut charakterisiert. »Die Simulation stellt die mechanischen Eigenschaften der Vliese und die Transportprozesse nach – die Software kann also auch berechnen, wie Nährstoffe zu den Zellen und Stoffwechselprodukte von den Zellen weg transportiert werden, wenn etwa eine Flüssigkeit vorbeiströmt«, sagt Dr. Raimund Jaeger, Gruppenleiter am IWM.

»Diese Prozesse zu verstehen, kann für die Gewebezüchtung hilfreich sein.« Um das Modell zu erstellen, untersuchten die Forscher zunächst die mechanischen Eigenschaften der einzelnen Polymerfasern. Speziell dafür entwickelten sie eine Apparatur: Auf einem ein Quadratzentimeter großen Siliziumchip haben die Wissenschaftler aus Halle circa 50 »Mikro-Prüfmaschinen« freigeätzt, die Fasern über die Prüfmaschinen gelegt und befestigt.

Unter dem Mikroskop konnten die Forscher beobachten, wie sich die Fasern verhalten, wenn man daran zieht, wie weit sie sich dehnen und wann sie reißen. Da faserartige Strukturen in Natur und Technik häufig anzutreffen sind, haben geeignete experimentelle Techniken und Simulationsmethoden ein breites Anwendungsspektrum.

Dr. Raimund Jaeger | Quelle: Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen: www.iwm.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Stem-cell-growing surface enables bone repair
24.05.2012 | University of Michigan

nachricht Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit
24.05.2012 | Institut für Photonische Technologien

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit


Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.

Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.

„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...

Im Focus: Widerspenstiges Quasiteilchen erzeugt


Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.

Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Energieversorger vor dem Umbruch

24.05.2012 | Studien Analysen

Stem-cell-growing surface enables bone repair

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft und Öffentlichkeit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp