Anzeige
Wie flexibel ökologische Nischen sind, haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Ornithologie untersucht. Sie fanden heraus, dass sich die Jagdgewohnheiten tauchender Seevogelarten räumlich und zeitlich stark unterscheiden. Die ökologischen Nischen sind flexibel; unterschiedliche Lebensräume, Vermeiden von Konkurrenz mit Nachbarn oder Ausweichen vor Fressfeinden führen auch innerhalb einer Art zu unterschiedlichem Verhalten. (Ecosphere, 20. Dezember 2010)
Die Frage, wie sich Tiere das begrenzte Nahrungsangebot in ihrem Lebensraum teilen, kann man besonders gut anhand von Seevögeln untersuchen, da sie zur Brut ans Land gebunden sind und sich insbesondere zur dieser Zeit viele Tiere den Platz und die Nahrung teilen müssen. Die Vögel brüten oft auf engstem Raum in Kolonien, was Schutz vor Fressfeinden bietet, doch ihre Nahrung finden die Vögel weiträumig verteilt im Meer. Sie müssen sie aufnehmen und zu ihrem Nachwuchs zurück auf die Insel bringen.
Die Wissenschaftler stellten sich die Frage, wie mehrere in ihren Ansprüchen ähnliche Arten gemeinsam auf einer Insel brüten können und wie genau sich ihre ökologischen Nischen unterscheiden. Mit GPS-Tauchtiefeloggern, die eine detaillierte dreidimensionale Darstellung des Tauchverhaltens eines Vogels ermöglichen, haben Forscher in der Vergangenheit bereits von mehreren Tauchseevögeln wie Pinguinen und Kormoranen die Jagdgebiete und Tauchtiefen untersucht, jedoch immer nur für eine Beispielkolonie. Nicht bekannt war bisher, ob sich solche Daten auf die ganze Art übertragen lassen.
Auf New Island, einer kleinen Insel im Falkland-Archipel im Südwest-Atlantik, untersuchten die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Ornithologie mit GPS-Tauchtiefenloggern erstmals gleichzeitig die Jagdgewohnheiten von vier Tauchseevögeln: Eselspinguinen, Felsenpinguinen und Magellanpinguinen sowie von Blauaugen-Kormoranen. Außerdem verglichen die Forscher jeweils zwei Kolonien von jeder der drei Pinguinarten. "Die Ergebnisse haben uns sehr überrascht." sagt Juan Masello. "Wir hatten, der ökologischen Nischentheorie entsprechend, vor allem starke Unterschiede zwischen den Arten erwartet. Die Daten zeigten dann jedoch, dass sich die räumliche und zeitliche Verteilung der Vögel auch innerhalb einer Art sehr stark unterscheiden kann."
"Magellanpinguine zum Beispiel schwammen, selbst wenn die Kolonien an Land nur zwei Kilometer voneinander entfernt waren, zur Nahrungssuche in etwa 40 Kilometer weit auseinander liegende Meeresgebiete. Bei den Eselspinguinen waren Vögel einer Kolonie auch nachts auf Jagd, während die Nachbarkolonie ausschließlich am Tag jagte. Die Tiere vermeiden so eine Überschneidung der Nahrungsgebiete, und die kleinräumigen Unterschiede im Jagdgebiet werden effizient genutzt", ergänzt Petra Quillfeldt. Bei den Blauaugen-Kormoranen gehen am Vormittag die Weibchen in Küstennähe auf Jagd, am Nachmittag jagen die Männchen auf dem offenen Meer. So haben die einzelnen Seevogelarten verschiedene Lösungen gefunden, um innerartliche Konkurrenz weitgehend zu vermeiden. "Die Nahrung ist nicht der einzige Faktor, der die Verbreitung der Vögel um die Insel herum bestimmt", führen die Forscher weiter aus. " Bei zwei Pinguinarten war sehr deutlich zu erkennen, dass die Tiere es vermieden, in die Nähe einer Seelöwenkolonie zu schwimmen, um nicht selbst zur Beute zu werden. Diese Gefahrenzone trug zusätzlich zur räumlichen Trennung der Vögel auf dem Meer bei."
Eine vergleichbar umfassende Arbeit, die in einem bestimmten Zeitraum die Einnischung sowohl zwischen verschiedenen Arten als auch innerhalb einer Art untersucht, gab es bisher nicht. Sie hat gezeigt, dass sich Vögel unterschiedlicher Arten und auch Tiere ein und derselben Art in ihrer räumlichen und zeitlichen Verbreitung unterscheiden und dass die Tiere in geographisch weit auseinander liegenden Meeresgebieten unterschiedlicher Tiefe und Temperatur nach Nahrung suchen. Die ökologischen Nischen der untersuchten Arten sind daher weit weniger festgelegt als bisher angenommen. Bereits kleine Unterschiede der Lebensräume oder im Verhalten - sei es bei der Konkurrenzvermeidung mit Nachbarn oder beim Ausweichen vor Fressfeinden - tragen zu dieser Spezialisierung bei.
Originalveröffentlichung:
Masello, J.F., Mundry, R., Poisbleau, M., Demongin, L., Voigt, C., Wikelski, M. & Quillfeldt P
Diving seabirds share foraging space and time within and among species
Ecosphere, 20. Dezember 2010, doi: 10.1890/ES/0-001031
Weitere Informationen erhalten Sie von:
Dr. Petra Quillfeldt
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Radolfzell
E-Mail: quillfeldt@orn.mpg.de
Dr. Juan F. Masello
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Radolfzell
E-Mail: masello@orn.mpg.de
Leonore Apitz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Radolfzell
Tel.: +49 7732-150174
E-Mail: apitz@orn.mpg.de
Leonore Apitz | Quelle: Max-Planck-Institut
Weitere Informationen: www.mpg.orn.de
Weitere Berichte zu: Blauaugen-Kormoranen > Einnischung > Eselspinguinen > Fressfeinde > Jagdgewohnheiten > Lebensraum > Nahrung > Nahrungsangebot > Nischen > Ornithologie > Pinguinarten > Seevogelarten > Seevögel > Tauchseevögeln
Stem-cell-growing surface enables bone repair
24.05.2012 | University of Michigan
Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit
24.05.2012 | Institut für Photonische Technologien
Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.
Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.
„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...
Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.
Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.
Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...
Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.
Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.
Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...
Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen
Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...
Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.
Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.
Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...
Anzeige
Anzeige

Energieversorger vor dem Umbruch
24.05.2012 | Studien Analysen
Stem-cell-growing surface enables bone repair
24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie
Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit
24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie
NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Wissenschaft und Öffentlichkeit
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten