Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Mit dem Verlust des Partners kommt die Antriebslosigkeit

22.10.2008
Wissenschaftler der Universität Regensburg haben einen Botenstoff im Gehirn identifiziert, der für die übermäßige Passivität nach Verlust eines Partners verantwortlich ist.

Anzeige

Wer kennt nicht die traurige Situation, sei es durch eigene Erfahrung oder aus dem Bekanntenkreis, dass der Verlust des Lebenspartners zur Antriebslosigkeit bis hin zur Depression führen kann.


Dr. Oliver Bosch und Prof. Inga Neumann von der Universität Regensburg konnten nun zusammen mit Kollegen von der Emory University in Atlanta (USA) einen Botenstoff im Gehirn identifizieren, der für diese psychischen Änderungen verantwortlich ist.

Die Studien wurden an monogamen Prärie-Wühlmäusen durchgeführt, welche zu den 5 % der Säugetiere mit lebenslanger Partnerschaft gehören. Die plötzliche Trennung vom Weibchen führte dazu, dass sich die "verwitweten" Männchen sehr passiv verhielten, was von den Wissenschaftlern als depressives Verhalten interpretiert werden kann. Interessanterweise hatte die Trennung einer sozialen Männchen-Männchen Beziehung keinerlei Einfluss auf dieses Verhalten. Damit konnte gezeigt werden, dass der Verlust des Lebenspartners in diesem Tiermodell für Trauer tatsächlich vergleichbare psychische Auswirkungen auf das hinterbliebene Individuum hat.

In weiterführenden Untersuchungen konnten Dr. Bosch und seine Kollegen nachweisen, dass der Botenstoff Corticotropin Releasing Hormon und seine Rezeptoren im Gehirn für das Depressions-ähnliche Verhalten nach Partnerverlust verantwortlich sind. "Es ist bekannt, dass dieser Botenstoff bei Stress vermehrt ausgeschüttet wird und auch im depressiven Patienten eine Rolle spielt. Wir stellen nun erstmals eine direkte Verbindung von Corticotropin Releasing Hormon zu depressivem Verhalten nach Verlust des Partners her", so Dr. Bosch.

Nach der Paarbindung - unabhängig von einer Trennung - wird dieser Botenstoff vermehrt in einer Gehirnregion produziert, welche auch mit Emotionen in Verbindung gebracht wird. Überraschenderweise werden die negativen Effekte des Corticotropin Releasing Hormon aber erst sichtbar, wenn es zu einer Trennung vom Partner kommt. "Somit kann man sich dieses System wie eine Kanone vorstellen, welche durch die Paarbindung geladen, aber erst durch die Trennung abgefeuert wird." führt Dr. Bosch an.

Weiter gelang es den Forschern das passive Verhalten durch die Manipulation der Rezeptoren des Botenstoffs aufzuheben. Sobald der Corticotropin Releasing Hormon im Gehirn nicht mehr wirken konnte, zeigten die antriebslosen getrennten Tiere wieder vermehrt aktives Verhalten und unterschieden sich nicht von denen, die nie getrennt wurden. "Wir glauben," so Prof. Neumann, "dass dieses fein-abgestimmte System im Gehirn zur Aufrechterhaltung der Partnerschaft und somit zur lebenslangen Treue beiträgt, indem die negativen psychischen Konsequenzen einer Trennung vermieden werden."

Die Arbeit von Dr. Bosch und Kollegen wurde vorab online in Neuropsychopharmacology veröffentlicht.

Kontakt:
Dr. Oliver Bosch
Dept. of Behavioural Neuroendocrinology
University of Regensburg
Tel. 0941 / 943 3076
Fax 0941 / 943 3052

Dr./M.A. Rudolf F. Dietze | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-regensburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Stem-cell-growing surface enables bone repair
24.05.2012 | University of Michigan

nachricht Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit
24.05.2012 | Institut für Photonische Technologien

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit


Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.

Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.

„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...

Im Focus: Widerspenstiges Quasiteilchen erzeugt


Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.

Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Energieversorger vor dem Umbruch

24.05.2012 | Studien Analysen

Stem-cell-growing surface enables bone repair

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft und Öffentlichkeit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp