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Diese Arbeit könnte zu neuartigen Medikamenten führen, weil Zuckermoleküle bei vielen Krankheiten eine Rolle spielen - zum Beispiel bei Krebs, Malaria oder Virusinfektionen wie Vogelgrippe und HIV.
Die Zellen des Menschen sind von Zuckern geradezu ummantelt, und das beeinflusst zahlreiche biologische Prozesse. Grippeviren zum Beispiel erkennen bestimmte Zucker auf den Zelloberflächen, bekommen daraufhin Einlass in die Zellen und vermehren sich dort.
Zucker charakterisieren auch den Zustand von Zellen. Tumorzellen etwa sind von anderen Zuckern ummantelt als gesunde Zellen. "Daraus ergibt sich die Perspektive, mit Zuckerimpfstoffen die Immunabwehr auf Tumorzellen auszurichten", sagt Jürgen Seibel, der seit April Professor für Organische Chemie an der Universität Würzburg ist.
Zucker sind schwer zu erforschen
Doch über die Sprache des Zuckers, den "Zuckercode", sei noch viel zu wenig bekannt. Das liege auch daran, dass sich Zuckermoleküle ganz unterschiedlich miteinander verbinden lassen. Während die Bausteine der Gene und Proteine nur als Kette aneinander gereiht werden können, sind bei Zuckern auch Verzweigungen möglich - in acht verschiedene Richtungen! Das ergibt eine enorme strukturelle Vielfalt.
Wer den "Zuckercode" entschlüsseln will, steht vor einem weiteren Problem: Er braucht dazu die einzelnen Zucker in relativ großen Mengen. Sie einfach von den Zellen isolieren? Geht nicht, weil die Zucker dort nur in sehr geringen Mengen vorkommen und dazu noch in vielen verschiedenen Formen, die sich nicht voneinander trennen lassen. "Darum müssen wir die Zucker synthetisch herstellen", sagt der Chemie-Professor.
Komplizierte Synthese im Labor
Der Organismus des Menschen verknüpft einzelne Zuckerbausteine mit Hilfe spezieller Enzyme. Die Herstellung im Labor ist da weitaus komplizierter: Häufig können schon einzelne Zucker nur chemisch synthetisiert werden, was den Einsatz von Schwermetallen nötig macht und enorm zeitaufwändig ist - eine solche Synthese kann Monate dauern. "Kostengünstig lassen sich Zucker bislang nicht synthetisieren, darum werden sie auch nur selten für Therapien eingesetzt", so Jürgen Seibel.
Enzyme auf neue Eigenschaften getrimmt
Um das zu ändern, setzt seine Arbeitsgruppe auf Enzyme aus Bakterien und Pilzen. Die allerdings können einzelne Zuckerbausteine nicht in beliebiger Weise miteinander verknüpfen. "Deshalb haben wir die Gene, nach deren Vorgaben die Enzyme aufgebaut werden, gezielt verändert und dadurch die Enzyme auf neue Eigenschaften getrimmt", erklärt der neue Professor. Die einzelnen Zuckerbausteine werden ebenfalls zielgenau modifiziert. Durch die Kombination dieser beiden Strategien habe sein Team die Synthesemöglichkeiten für komplex gebaute Zucker enorm erweitert.
In der Lehre engagiert sich Professor Seibel bereits in diesem Sommersemester. Unter anderem hält er die Vorlesung über Bioorganische Chemie für Studierende im Hauptstudium des auslaufenden Diplom-Studiengangs, außerdem die Nebenfach-Vorlesung "Organische Chemie für Studierende der Medizin, der Biomedizin, der Zahnmedizin und der Ingenieur- und Naturwissenschaften".
Werdegang von Jürgen Seibel
Jürgen Seibel, geboren 1971 in Eschwege in Nordhessen, studierte Chemie an der Universität Göttingen. Sein Studium schloss er im April 2000 mit der Dissertation (summa cum laude) am Institut für Organische Chemie ab. Nach seinem Post-Doc-Aufenthalt an der University of Oxford wechselte er im August 2002 an die Technische Universität Braunschweig, wo er sich im Dezember 2006 in Bioorganischer Chemie habilitierte.
2007 ging er ans Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, ebenfalls in Braunschweig. Von dort kam er an die Universität Würzburg. Hier tritt er die Nachfolge von Professor Carsten Schmuck an, der im Sommer 2008 einem Ruf an die Universität Duisburg-Essen gefolgt ist.
Zu den Hauptarbeitsgebieten von Jürgen Seibel gehören die Entwicklung chemischer und enzymatischer Synthesen, Biokatalyse, Protein Engineering, Drug Delivery und Glycosciences. 2008 wurde er von der Dechema (Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie) mit dem Jochen-Block-Preis ausgezeichnet.
Kontakt:
Prof. Dr. Jürgen Seibel,
T (0931) 31-85326,
seibel@chemie.uni-wuerzburg.de
Robert Emmerich | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-wuerzburg.de
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