Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Starrer Riegel hält Proteine in Form

12.10.2010
Marburger Chemiker haben ein Aminosäure-Imitat hergestellt, das sich in Proteine einbauen lässt, die dadurch ihre Beweglichkeit einbüßen. Die neue Verbindung soll es leichter machen, künstliche Proteine zu synthetisieren, deren räumliche Gestalt sich präzise vorhersagen lässt.

Anzeige

Das US-amerikanische Wissenschaftsmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) berichtet in seiner aktuellen Ausgabe über die Ergebnisse des Forscherteams um Professor Dr. Lars-Oliver Essen und Professor Dr. Armin Geyer von der Philipps-Universität (PUMa).


Proteine bestehen aus Ketten von Aminosäuren. In der Natur finden 20 Aminosäure-Typen Verwendung; neue, künstlich hergestellte Formen könnten jedoch zu Proteinen mit erwünschten Eigenschaften führen. „Weltweit suchen Chemiker und Biochemiker nach neuen Aminosäuren, die sich in Proteine integrieren lassen“, erklärt Senior-Autor Armin Geyer. Er und seine Kollegen sind auf diesem Weg nun einen großen Schritt weitergekommen. Die von ihnen beschriebene Verbindung geht nämlich Wechselwirkungen mit benachbarten Strukturen innerhalb des Proteins ein, in das sie eingebaut wird, und bestimmt dadurch dessen dreidimensionale Form.

Die Wissenschaftler nahmen sich ein synthetisches Minimal-Protein vor und ersetzten zwei seiner herkömmlichen Aminosäuren durch ein Imitat mit dem Namen „Hot=Tap“, das die Gestalt einer Haarnadelkurve hat. Hot=Tap hält die benachbarten Aminosäureketten wie ein Scharnier in einer vorhersagbaren Form fest. Als stabile Oberflächenstrukturen können sie ganz bestimmte Antikörper binden, vergleichbar einem Schlüssel, der nur in das entsprechende Schloss passt.

Während ein Protein normalerweise seine Gestalt in Grenzen ändern kann wie ein Gummiball, sorgt Hot-Tap für eine feste Form – Voraussetzung für spezifische Interaktionen, wie sie von Präparaten erwartet wird, die keine unerwünschten Nebenwirkungen hervorrufen. „Für planbare Architekturen von Aminosäureketten besteht großer Bedarf in der medizinischen Forschung“, erläutert Ko-Autor Lars-Oliver Essen. Die Wissenschaftler haben sich als ein erstes Anwendungsbeispiel die Alzheimer-Krankheit vorgenommen.

Originalveröffentlichung: Björn Eckhardt & al.: Structural characterization of a β–turn mimic within a protein-protein interface, PNAS, Vorab-Onlinepublikation 11. Oktober 2010

Weitere Informationen:
Ansprechpartner: Professor Dr. Armin Geyer,
Fachgebiet Organische Chemie
Tel.: 06421 28-22030
Sekr.: 06421 28-25595
E-Mail: geyer@staff.uni-marburg.de
Internet: http://www.staff.uni-marburg.de/~geyer/index.html

Professor Dr. Lars-Oliver Essen,
Fachgebiet Biochemie
Tel.: 06421 28-22032
E-Mail: essen@chemie.uni-marburg.de
Internet: http://www.uni-marburg.de/fb15/ag-essen

Johannes Scholten | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.staff.uni-marburg.de/~geyer/index.html
www.uni-marburg.de/fb15/ag-essen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Newly discovered breast milk antibodies help neutralize HIV
23.05.2012 | Duke University Medical Center

nachricht Scientists unravel role of fusion gene in prostate cancer
23.05.2012 | New York- Presbyterian Hospital/Weill Cornell Medical Center/Weill Cornell Medical College

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Im Focus: Mikroben kennen nur eine Konstante: Veränderung!


Ein neuer Sonderforschungsbereich (SFB) an der Philipps-Universität geht der einzigartigen Fähigkeit von Mikroorganismen auf den Grund, sich ständig an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den SFB 987 mit dem Titel "Mikrobielle Diversität in der umweltabhängigen Signalantwort" in den kommenden vier Jahren mit voraussichtlich mehr als sieben Millionen Euro.

„Die erfolgreiche Beantragung des neuen Sonderforschungsbereichs belegt einmal mehr die exzellenten wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Mikrobiologie am Standort Marburg“, erklärt Professor Dr. Frank Bremmer, der Marburger Uni-Vizepräsident für Forschung. „Die Einrichtung des SFB wird Marburgs Stellung als zentraler Ort der mikrobiologischen Forschung festigen und deren internationale Sichtbarkeit weiter erhöhen.“ ...

Im Focus: Schnelles Korallensterben


Erosion in tropischen Küstenregionen führt zum schnellen Tod der Korallen

Die Farbigkeit, Vielfalt und Exotik der tropischen Korallenriffe fasziniert viele Menschen weltweit. Und doch sind es die Folgen unserer Zivilisation, die dieses fragile Ökosystem bedrohen durch Klimaerwärmung, Sauerstoffmangel und Ozeanversauerung. Fortschreitende Industrialisierung, Waldrodungen und intensive Landwirtschaft in küstennahen Gebieten führen zu Erosion und verändern die Lebensbedingungen im Meer dramatisch.

Jetzt ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Komplexität beherrschen

23.05.2012 | Energie und Elektrotechnik

Nano-Müll lässt sich nicht verbrennen

23.05.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Nea Kameni volcano movement captured by Envisat

23.05.2012 | Geowissenschaften

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

Jeder Mensch ist anders - Nutzen der individualisierten Medizin

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

14th Leibniz Conference of advanced science „Sensorsysteme 2012“

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Exklusive Kontakte beim Investforum

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp