Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens     3M    n-tv
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Schützen die richtigen Lipide in der Membran vor Krebs?

29.01.2013
Forscher der Universität Jena entdecken neuen Regulationsmechanismus des Zellwachstums

Anzeige


Dr. Andreas Koeberle von der Uni Jena prüft eine Lipidprobe. Der Biochemiker hat gemeinsam mit Kollegen herausgefunden, dass bestimmte Lipide aus der Zellmembran das Zellwachstum drosseln können. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

Innerhalb einer lebenden Zelle kommt dem Enzym „Proteinkinase B“ eine zentrale Rolle zu. Im „Maschinenraum“ der Zellen, in dem ihr Wachstum und ihre Vermehrung gesteuert werden, übernimmt es die Funktion eines Hauptschalters: Die Proteinkinase B modifiziert andere Enzyme mit chemischen Gruppen und schaltet diese so jeweils „an“ oder „aus“.

„Doch nicht nur beim normalen Zellwachstum ist das Enzym damit einer der Hauptakteure“, sagt Dr. Andreas Koeberle von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. „Auch in Tumorzellen, die sich unkontrolliert vermehren, ist die Proteinkinase B maßgeblich am Wachstum beteiligt“, so der Biochemiker weiter, der im Team um Prof. Dr. Oliver Werz vom Lehrstuhl für Pharmazeutische und Medizinische Chemie forscht.

Wie dieses Schlüssel-Enzym selbst in seiner Aktivität reguliert wird, ist daher ein viel erforschter Gegenstand. „Je mehr wir über dieses Enzym wissen, umso besser können wir verstehen, wie es zur Krebsentstehung kommt und umso leichter wird es, gezielt in diese Regulationsmechanismen einzugreifen und das Tumorwachstum zu drosseln“, erläutert Dr. Koeberle.

Der Jenaer Forscher und seine Kollegen haben nun gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Tokyo und Tübingen einen bisher gänzlich unbekannten Regulationsmechanismus für die Proteinkinase B entdeckt, den sie in der soeben erschienenen Ausgabe des renommierten Fachmagazins „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America“ (PNAS) veröffentlicht haben (DOI:10.1073/pnas.1216182110).

Demnach wird das Enzym von einem Bestandteil der Zellmembranen – einem Lipid-Molekül – direkt in seiner Aktivität beeinflusst. „Das Lipid hemmt die Wirkung der Proteinkinase B und unterdrückt damit das weitere Zellwachstum“, sagt Andreas Koeberle. Interessanterweise sei das Lipid-Molekül kein Unbekannter. Es handelt sich dabei um ein Speichermolekül der sogenannten Arachidonsäure, die wiederum eine wichtige Funktion bei der Entstehung von Entzündungen spielt. „Wir haben ein genau gegenläufig oszillierendes Muster dieser beiden Substanzen im Verlauf des Zellzyklus gefunden“, so der Forscher. Wenn die Konzentration des Membran-Lipids ansteigt, nimmt die Aktivität der Proteinkinase B ab. Sinkt die Lipid-Konzentration wieder, steigt die Aktivität des Enzyms an.

Für ihre Untersuchungen haben die Jenaer Wissenschaftler in Zellkulturen zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihres Vermehrungszyklus die Lipidzusammensetzung durch Kombination chromatographischer und massenspektrometrischer Methoden umfassend analysiert. Auf diese Weise haben sie jeweils „Momentaufnahmen“ des gesamten Lipidstoffwechsels der Zellen erhalten und mit der Aktivität der Proteinkinase B abgleichen können.

Diese Erkenntnisse, so betont Dr. Koeberle, seien bislang reine Grundlagenforschung. Doch schon jetzt zeichnen sich vielversprechende Anknüpfungspunkte für weitergehende Studien und eine mögliche Anwendung dieses Wissens ab. Denn: „Es gibt bereits eine ganze Reihe von Medikamenten, die in den Arachidonsäure-Stoffwechsel eingreifen“, so Koeberle und nennt als Beispiel entzündungshemmende Medikamente, wie Aspirin oder Indomethacin, die bei kontinuierlicher Einnahme nachweißlich vor Krebs schützen. Denkbar sei, dass diese wachstumshemmende Wirkung nicht ausschließlich auf eine verringerte Bildung von entzündungsfördernden Arachidonsäure-Abkömmlingen zurückzuführen ist, wie bislang angenommen, sondern auch auf einen erhöhten Gehalt des Arachidonsäure-Speicherlipids. Das Jenaer Team plant daher nun den Einfluss unterschiedlicher Arzneistoffe auf den neu entdeckten Regulationsmechanismus genauer unter die Lupe zu nehmen.

Original-Publikation:
Koeberle A. et al. Arachidonoyl-phosphatidylcholine oscillates during the cell cycle and counteracts proliferation by suppressing AKT membrane binding, PNAS, 2013 (DOI:10.1073/pnas.1216182110)

Kontakt:
Dr. Andreas Koeberle, Prof. Dr. Oliver Werz
Institut für Pharmazie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Philosophenweg 14, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949815, 03641 / 949801
E-Mail: andreas.koeberle[at]uni-jena.de, oliver.werz[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-jena.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht DNA-Variante beeinflusst Diabetesrisiko und Behandlungserfolg
17.05.2013 | Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

nachricht Aus zwei wird drei: In Deutschland kommt eine dritte Ringelnatter vor
17.05.2013 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetische Fingerabdrücke von supraflüssigem
Helium-3


Supraleitungssensoren der PTB ermöglichen hochempfindliche Messungen der magnetischen Kernresonanz dünner Helium-3-Schichten - aktuelle Veröffentlichung in Science

Tieftemperatur-Spezialisten der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) haben mit ihren SQUIDs dazu beigetragen, dass die magnetischen Momente von Atomen des seltenen Isotopes 3He (Helium-3) extrem empfindlich gemessen werden konnten. Mithilfe dieser Sensoren wurden hochempfindliche Kernresonanzspektrometer entwickelt, die jetzt tiefe Einblicke in den Zustand der Materie bei extrem tiefen Temperaturen lieferten.

Konkret sperrte ...

Im Focus: Meeresspiegel: Ein Drittel seines Anstiegs kommt von schmelzenden Gebirgsgletschern


Gut 99 Prozent des gesamten Eises an Land ist in den riesigen Eisschilden der Antarktis und Grönlands gespeichert, nur knapp ein Prozent dagegen in Gletschern.

Die Schmelzwasser dieser Gletscher trugen im Zeitraum 2003 bis 2009 etwa genauso viel zum Anstieg des Meeresspiegels bei, wie die beiden Eisschilde: rund einen Drittel. Dies ist eines der Resultate einer internationalen Studie mit Beteiligung von UZH-Geographen.

Wieviel alle Gletscher zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen, wurde noch nie so genau ...

Im Focus: Mehr Bewegungsfreiheit: Ultraschallkopf ohne Kabel


Siemens hat das weltweit erste kabellose Ultraschallgerät vorgestellt. Der Schallkopf ist mit einer Hand gut bedienbar und überträgt das Ultraschallbild per Radiofrequenz auf den Bildschirm.

Das Fehlen der Kabel ist vor allem bei Operationen oder interventionellen Eingriffen von Vorteil, wo beispielsweise Nadeln mit Hilfe von Ultraschall visualisiert werden. Die Kabel am Schallkopf behindern die Person, die das Gerät bedient, und sie können trotz steriler Schutzhüllen ein Infektionsrisiko darstellen.

Das kabellose Acuson Freestyle arbeitet bis zu ...

Im Focus: Bahnbetrieb optimieren mit großem Touch-Display


Siemens will mit einem großen Touch-Display Bahnbetreibern helfen, Störungen besser zu bewältigen.

Das Display mit rund 1,50 Metern Diagonale veranschaulicht alle Daten und Fakten, um Entscheidungen treffen zu können. Herzstück der Lösung ist eine Software, die mit Hilfe mathematischer Optimierungsalgorithmen bisher entkoppelte Systeme wie Wartung oder Zugdisposition vernetzt.

Bisher reagieren einzelne Abteilungen von Bahnbetreibern weitgehend unabhängig auf Störfälle, weil sie über das ...

Im Focus: Neuer Weltrekord bei der Datenübertragung per Funk


Forschern des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Festkörperphysik IAF und des Karlsruher Instituts für Technologie KIT ist es gelungen, 40 Gbit/s bei 240 GHz und über eine Entfernung von einem Kilometer per Funk zu übertragen.

Mit ihrer jüngsten Demonstration haben sie einen neuen Weltrekord erzielt und knüpfen damit erstmals nahtlos an die Kapazität von Glasfaser an. Solche Richtfunkstrecken könnten zukünftig Lücken in der Versorgung mit Breitband-Internet schließen, indem die drahtlosen Links das Netz an schwer zugänglichen Stellen oder im ländlichen Raum ergänzen.

Digital, mobil und ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

DNA-Variante beeinflusst Diabetesrisiko und Behandlungserfolg

17.05.2013 | Biowissenschaften Chemie

Aus zwei wird drei: In Deutschland kommt eine dritte Ringelnatter vor

17.05.2013 | Biowissenschaften Chemie

New method proposed for detecting gravitational waves from ends of universe

17.05.2013 | Physik Astronomie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

Internationale Informatikkonferenz ICCS 2013

17.05.2013 | Veranstaltungsnachrichten

Herausforderungen des demografischen Wandels

17.05.2013 | Veranstaltungsnachrichten

Die 16 besten Nachwuchschemikerinnen und -chemiker Deutschlands treffen sich in Kiel

17.05.2013 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp