Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Schranken für die Entwicklung

02.12.2008
Protein verhindert das Ausbilden "falscher" Gewebe im späteren Kopfbereich des Embryos

Anzeige

Ein gut funktionierender Körper und eine straffe Organisation gehen Hand in Hand. Das gilt im Großen wie im Kleinen: Wie sonst könnte aus einer einzelnen Eizelle ein vollständiger Organismus entstehen?


Wie wichtig ein bestimmtes Protein bei der Zellorganisation im Embryo ist, zeigen nun Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie, des MPI für Biochemie, der LMU und des Helmholtz Zentrums München. Die Untersuchung gibt der Basalmembran, die später auch bei der Metastasenbildung bestimmter Krebsarten eine wichtige Rolle spielt, eine ganz neue Bedeutung. Genes Dev., 1.12.2008

Mit seinen 220 verschiedenen Zell- und Gewebetypen ist der Mensch ein Wunder an Komplexität. Fast unglaublich, dass all dies aus einer einzigen Eizelle entstehen kann. Auch die Vielfalt an Körperformen, ob Mensch, Maus, oder Elefant, beginnt jeweils mit einer Zelle. Wie ist es möglich, dass sich so komplizierte, verschiedenartige Strukturen aus so einheitlichen Vorläufern entwickeln? Diese Frage stellen sich Wissenschaftler schon seit langem. Die Antworten werden helfen, die Entwicklung eines Organismus zu verstehen und könnten langfristig auch als Grundlagen für neue Therapieansätze bei Entwicklungsstörungen dienen.

Der Ursprung der Struktur

Wie kommt also Struktur in einen Zellhaufen? Es überrascht nicht allzu sehr, dass es selbst in einem sehr frühen Stadium der Entwicklung jemanden gibt, der das Sagen hat. So entstehen aus einzelnen Zellen Kontroll- und Schaltzentren. Diese beeinflussen, wie sich andere Zellen weiterentwickeln und an welchen Bestimmungsort sie wandern. Ein wichtiges Kontrollzentrum in der frühen Entwicklungsphase ist eine Zellschicht, die man den Hypoblast oder das Vordere Viszerale Endoderm, AVE, nennt. Die Zellen dieser Region beeinflussen andere Zellen des Embryos und bewirken so die Bildung einer Längsachse, also den Unterschied zwischen vorne und hinten. Dass AVE-Zellen noch eine ganz andere Funktion haben, konnten Wissenschaftler der Max-Planck-Institute für Neurobiologie und Biochemie, des Helmholtz Zentrums München und der Ludwig-Maximilians Universität jetzt aufdecken.

Stützschicht mit großer Wirkung

Angrenzend an die AVE-Zellen befindet sich eine eiweißhaltige Stützschicht, die Basalmembran. Diese sorgt für Stabilität, lenkt aber auch wie eine Art Leitschiene Zellbewegungen und beeinflusst die Differenzierung von Zellen. Die Wissenschaftler fanden nun heraus, dass die Basalmembran ihre wichtigen Funktionen im Kopfbereich des Embryos nur dann erfüllen kann, wenn die benachbarten AVE-Zellen ein bestimmtes Protein, "FLRT3" genannt, auf ihrer Zelloberfläche tragen. Fehlte FLRT3, brach die Basalmembran auseinander. Zur Überraschung der Wissenschaftler verloren darauf die von der Basalmembran beeinflussten Zellen ihre Orientierung und entwickelten sich zu einem ganz anderen Zelltyp weiter, dem Mesoderm. Zwar ist die Bildung von Mesoderm ein natürlicher Prozess während der Entwicklung des Embryos. Normalerweise wird Mesoderm jedoch nur am hinteren Ende des Embryos gebildet.

Fehlentwicklungen am Kopf

"Dieses zusätzliche Verhindern der Mesoderm-Entwicklung durch die Basalmembran war völlig unerwartet", berichtet Rüdiger Klein, der Leiter der Studie. Bisher nahm man an, dass die AVE-Zellen durch die Ausschüttung von bestimmten Botenstoffen die Ausbildung des Mesoderms unterdrückten. Wie wichtig jedoch die Basalmembran, und damit die Funktion des FLRT3-Proteins ist zeigt sich, wenn dieser zweite Kontrollmechanismus nicht mehr funktioniert: Der Kopfbereich kann sich nicht mehr richtig entwickeln.

FLRT3 ist das erste zellgebundene Protein, das mit einer regulierenden Funktion der AVE-Zellen in Verbindung gebracht werden konnte. Diese Erkenntnis bietet einen ganz neuen Ansatzpunkt zum Verständnis grundlegender Vorgänge in der Embryonalentwicklung. "Diese neue Funktion der Basalmembran ist äußerst interessant, da Basalmembranen unter anderem später bei der Metastasenbildung bestimmter Krebsarten eine wichtige Rolle spielen", so Klein.

Originalveröffentlichung:
Joaquim Ega, Christian Erlacher, Eloi Montanez, Ingo Burtscher, Satoru Yamagishi, Martin Heß, Falko Hampel, Rodrigo Sanchez, Maria Teresa Rodrigues-Manzaneque, Michael R. Bösel, Reinhard Fässler, Heiko Lickert, Rüdiger Klein
Genetic ablation of FLRT3 reveals a novel morphogenetic function fort the anterior visceral endoderm in suppressing mesoderm differentiation
Genes & Development,1. Dezember 2008

Kontakt:
Dr. Stefanie Merker
Max-Planck-Institut für Neurobiologie, Martinsried
Tel.: +49 89 8578-3514
Fax: +49 89 89950-022
Email: merker@neuro.mpg.de

Prof. Dr. Rüdiger Klein
Max-Planck-Institut für Neurobiologie, Martinsried
Email: rklein@neuro.mpg.de

Dr. Stefanie Merker | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.neuro.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Newly discovered breast milk antibodies help neutralize HIV
23.05.2012 | Duke University Medical Center

nachricht Scientists unravel role of fusion gene in prostate cancer
23.05.2012 | New York- Presbyterian Hospital/Weill Cornell Medical Center/Weill Cornell Medical College

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Im Focus: Mikroben kennen nur eine Konstante: Veränderung!


Ein neuer Sonderforschungsbereich (SFB) an der Philipps-Universität geht der einzigartigen Fähigkeit von Mikroorganismen auf den Grund, sich ständig an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den SFB 987 mit dem Titel "Mikrobielle Diversität in der umweltabhängigen Signalantwort" in den kommenden vier Jahren mit voraussichtlich mehr als sieben Millionen Euro.

„Die erfolgreiche Beantragung des neuen Sonderforschungsbereichs belegt einmal mehr die exzellenten wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Mikrobiologie am Standort Marburg“, erklärt Professor Dr. Frank Bremmer, der Marburger Uni-Vizepräsident für Forschung. „Die Einrichtung des SFB wird Marburgs Stellung als zentraler Ort der mikrobiologischen Forschung festigen und deren internationale Sichtbarkeit weiter erhöhen.“ ...

Im Focus: Schnelles Korallensterben


Erosion in tropischen Küstenregionen führt zum schnellen Tod der Korallen

Die Farbigkeit, Vielfalt und Exotik der tropischen Korallenriffe fasziniert viele Menschen weltweit. Und doch sind es die Folgen unserer Zivilisation, die dieses fragile Ökosystem bedrohen durch Klimaerwärmung, Sauerstoffmangel und Ozeanversauerung. Fortschreitende Industrialisierung, Waldrodungen und intensive Landwirtschaft in küstennahen Gebieten führen zu Erosion und verändern die Lebensbedingungen im Meer dramatisch.

Jetzt ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Komplexität beherrschen

23.05.2012 | Energie und Elektrotechnik

Nano-Müll lässt sich nicht verbrennen

23.05.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Nea Kameni volcano movement captured by Envisat

23.05.2012 | Geowissenschaften

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

Jeder Mensch ist anders - Nutzen der individualisierten Medizin

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

14th Leibniz Conference of advanced science „Sensorsysteme 2012“

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Exklusive Kontakte beim Investforum

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp