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Resistente Staphylokokken: Millionen für Infektionsforscher

30.11.2009
Resistente Bakterien mit Antikörpern bekämpfen: Dieses Ziel verfolgt ein Firmengründungsteam von der Uni Würzburg. Der Bund fördert die Gruppe mit rund drei Millionen Euro.

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Die Wissenschaftler von der Universität haben sich am GO-Bio-Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) beteiligt. Für die millionenschwere Förderung wurden neben ihnen fünf weitere Teams aus Rostock, Berlin, München, Ulm und Bonn ausgewählt. Die Konkurrenz war groß; beworben hatten sich insgesamt 54 Antragsteller.


Resistente Bakterien bedrohen Menschenleben

Hintergrund des Würzburger Projekts: In Europa erleiden pro Jahr mehr als vier Millionen Patienten eine Infektion, während sie im Krankenhaus liegen - denn geschwächte Menschen sind dafür anfälliger als gesunde. Verantwortlich für die so genannten Krankenhausinfektionen ist meistens die Bakterienart Staphylococcus aureus.

Für die Patienten kann eine solche Infektion lebensbedrohlich sein, denn die Behandlung gestaltet sich zunehmend schwieriger. Der Grund: Bis zu 50 Prozent der Erreger sind inzwischen unempfindlich gegen Antibiotika, und wirksame Behandlungsalternativen gibt es bislang kaum.

Antikörper verhindert schwere Infektionsverläufe

Antibiotikaresistente Bakterien mit Antikörpern zu bekämpfen: Diese Idee verfolgen Würzburger Wissenschaftler um Privatdozent Dr. Knut Ohlsen vom Institut für Molekulare Infektionsbiologie und Dr. Udo Lorenz von der Chirurgischen Klinik I schon seit einigen Jahren.

Ihr Firmengründungsteam SmartmAb arbeitet an einer neuen Immuntherapie zur Behandlung von Krankenhausinfektionen mit resistenten Staphylococcus-aureus-Bakterien. Die Wissenschaftler verfügen über Antikörper aus Mäusen, die spezielle Proteine der gefährlichen Bakterien angreifen. Mit ihnen ließen sich im Tiermodell schwere Infektionsverläufe verhindern und die Sterblichkeitsrate senken.

Etappenziel: Erste klinische Prüfung als Medikament

Den Mausantikörper mit der finanziellen Förderung vom BMBF für den Einsatz am Menschen weiterzuentwickeln, bis hin zur ersten klinischen Prüfung als Medikament: So sieht das Ziel der Wissenschaftler aus.

Die folgenden Schritte bis zur Marktreife wollen sie mit einem Partner aus der Pharmaindustrie tun. Langfristig ist die Gründung eines Unternehmens geplant, das - aufbauend auf den ersten Antikörpern - weitere Immuntherapeutika gegen Infektionserreger erarbeiten soll.

Förderer des Gründungsteams

Formiert hat sich das SmartmAb-Team im Rahmen des Programms "EXIST - Gründen von Anfang an", mit dem das Bundeswirtschaftsministerium Firmengründungen aus Hochschulen fördert. Unterstützt wird das Team seit zwei Jahren vom Servicezentrum Forschung und Innovation (SFI) der Universität und vom Würzburger Innovations- und Gründerzentrum (IGZ). Beide Einrichtungen betreuen gemeinsam Gründerteams an der Universität Würzburg.

Die beteiligten Wissenschaftlerinnen Dr. Karin Streker und Dr. Antje Michel erhalten zudem Unterstützung durch das FLÜGGE-Programm des Bayerischen Wissenschaftsministeriums.

Kontakt

PD Dr. Knut Ohlsen, T (0931) 31-83155, knut.ohlsen@mail.uni-wuerzburg.de
Dr. Udo Lorenz, T (0931) 201 38314, u.lorenz@mail.uni-wuerzburg.de

GO-Bio soll Firmengründungen anschieben

"Mit GO-Bio fördern wir Forschungsteams maximal sechs Jahre lang, um technisch anspruchsvolle Ideen zu einer tragfähigen Unternehmensgründung reifen zu lassen", so BMBF-Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen in einer Pressemitteilung.

Der Wettbewerb GO-Bio (GründungsOffensive Biotechnologie) solle "bereits im akademischen Umfeld künftigen Unternehmern den Weg bereiten". Sechs Firmen seien bislang aus den geförderten Projekten hervorgegangen, weitere Gründungen stehen laut BMBF bevor. Insgesamt hätten die Gründungsteams bisher circa 25 Millionen Euro privates Kapital mobilisiert.

Würzburger Herzforscher seit 2006 in GO-Bio

In der ersten Wettbewerbsrunde von GO-Bio wurden im Jahr 2006 zwölf Gründerteams zur Förderung ausgewählt - darunter Professor Roland Jahns von der Medizinischen Klinik I der Universität Würzburg. Sein Projekt: ein neues Therapie- und Diagnoseverfahren für Herzschwächen, die durch eine fehlgeleitete Attacke des Immunsystems entstehen.

Das Problem: Antikörper greifen fälschlicherweise einen Rezeptor in der Wand der Herzmuskelzellen an, der die Wirkung von Adrenalin vermittelt. Als Folge davon wird der Rezeptor auch ohne Adrenalin zu stark stimuliert, die linke Herzkammer erweitert sich und funktioniert nicht mehr richtig, das Herz verliert an Kraft.

Proteinringe wirken gegen Herzschwäche

Die schädlichen Antikörper lassen sich durch kleine Proteinringe (Zyklopeptide) neutralisieren, wie die Arbeitsgruppe von Roland Jahns am Tiermodell herausfand. Eine vorbeugende Verabreichung der Zyklopeptide verhinderte die Entstehung der Herzschwäche, eine bereits ausgeprägte Herzschwäche ließ sich damit sogar wieder rückgängig machen.

Mit den Fördermitteln aus GO-Bio haben Jahns' Arbeitsgruppe und die von der Universität ausgegründete Firma CorImmun die Proteinringe inzwischen erfolgreich für die Anwendung am Menschen weiterentwickelt. Erste Studien an Patienten stehen laut Jahns bevor. Außerdem will der Würzburger Herzforscher mit den Proteinringen ein neuartiges Diagnoseverfahren entwickeln, um gezielt Herzschwäche-Patienten zu identifizieren, die die schädlichen Antikörper im Blut haben.

Kontakt
Prof. Dr. Roland Jahns, T (0931) 201-70460, jahns_r@klinik.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-wuerzburg.de

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