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Visuelle Aufmerksamkeit wird sowohl über den Willen als auch durch Reflexe gesteuert. Das haben Tests bei Makakenaffen bewiesen. Sucht man etwa einen bestimmten Gegenstand, ignoriert der Sehsinn gleichzeitig andere Objekte.
Im Gegensatz dazu rufen markante Umweltereignisse wie ein sich näherndes Fahrzeug die Aufmerksamkeit reflexartig und automatisch hervor. "Beide Prozesse gehen auf unterschiedliche neuronale Mechanismen zurück", erklärt Stefan Treue, Direktor des Deutschen Primatenzentrums Göttingen, im Gespräch mit pressetext.
Um zu den Ergebnissen zu gelangen, trainierte man Makaken, bis sie am Computerbildschirm visuelle Aufgaben ausführen konnten. Die Tiere lernten, bestimmte Ausschnitte ihres Sehfeldes zu beobachten und einen Knopf zu drücken, wenn sich etwas veränderte. Blitzsignale außerhalb des Blickfeldes signalisierten einen Ortswechsel des anvisierten Objekts.
Dafür benötigten die Affen sowohl ihre bewusst gesteuerte als auch die reflexartige Aufmerksamkeit. Die Aktivität der Nervenzellen in der Hirnrinden änderte sich dabei, veranschaulichten die Forscher durch Messungen. Reflexgesteuerte Aufmerksamkeit war im Test über eine Zehntelsekunde schneller als die willensgesteuerte. Daraus schlossen die Wissenschaftler auf unterschiedliche neuronale Mechanismen.
Diese Erkenntnis sei für die Grundlagenforschung wichtig, betonte Treue: "Aufmerksamkeit wird heute zunehmend mit Leistung gleichgesetzt, weswegen man Störungen dieses Bereiches genau untersuchen muss." Kinder, bei denen die Steuerung der Aufmerksamkeit nicht funktioniere, würden etwa vorschnell als Zappelphilipp bezeichnet. Doch müsse man in der Behandlung unterscheiden, ob es sich um physiologische oder psychologische Probleme handle, so der Göttinger Neurologe.
Die Untersuchung habe einen invasiven Eingriff erfordert, der bei Menschen unter normalen Bedingungen aus ethischen Gründen nicht durchgeführt werden dürfe, erörtert Treue auf pressetext-Nachfrage. Bei den Makaken sei die Schädeldecke unter Vollnarkose geöffnet worden, der gesamte Versuchsverlauf hätte daher ohne Schmerzen für die Versuchstiere erfolgt und entspräche dem Tierschutzgesetz.
Erst diese Woche hatte das Bremer Landesparlament ähnliche Forschungen mit Primatenaffen auf Druck von Tierschutzorganisationen eingestellt. Treue zeigt sich besorgt über diese Entwicklungen. "Für die Wissenschaft wäre es katastrophal, wenn Primatenforschung generell verboten würde, denn ein Standbein der Forschung ginge damit verloren."
Primatenaffen untersuche man aufgrund ihrer Ähnlichkeit zum Menschen, jedoch nur, wenn andere Versuchstiere keine zufriedenstellende Ergebnisse ermöglichten. "Das betrifft vor allem Experimente im Bereich der Infektionskrankheiten wie Aids, Pocken oder BSE, der Gehirnforschung und der Verhaltensforschung", so Treue abschließend.
Johannes Pernsteiner | Quelle: pressetext.deutschland
Weitere Informationen: www.dpz.gwdg.de
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