Anzeige
Eine hohe Konzentration von Makromolekülen in der Zellflüssigkeit ist für die Funktion von lebenden Zellen von entscheidender Bedeutung. In der wässrigen Lösung innerhalb von Zellen herrscht ein Gedränge großer Moleküle und ein fein abgestimmtes System von Reaktions- und Transportprozessen auf verschiedenen Längen- und Zeitskalen. Dieses Wechselspiel umfasst insbesondere die Diffusion – also die durch die Umgebungswärme bewirkte Zufallsbewegung – von Proteinen als sowohl begrenzenden als auch antreibenden Faktor.
Forscher der Universität Tübingen, der Universität Oxford und des Institut Laue-Langevin in Grenoble haben erstmalig die sogenannte Selbstdiffusion von Proteinen in hochkonzentrierten wässrigen Lösungen des globulären Modell-Proteins "Bovine Serum Albumin" auf einer Zeitskala von Nanosekunden und einer Längenskala von Nanometern mit quasielastischer Neutronenstreuung vermessen. Das räumliche Gedränge bei hoher Proteinkonzentration bremst die Proteindiffusion schon innerhalb dieser kurzen Zeitspanne auf ein Fünftel des Wertes in einer verdünnten Lösung ab.
Die Proteinkonzentration innerhalb der Zelle wirkt somit als ein Regler, mit dem Zellprozesse wie unspezifischer Transport kontrolliert werden können.
Die Proteindiffusion auf diesen Zeitskalen in Abhängigkeit von der Proteinkonzentration ist vergleichbar mit theoretischen Vorhersagen für „harte Kugeln“. In einem solchen Hartkugelmodell aus der Kolloidphysik werden ideale, nicht verformbare Kugeln angenommen, die nur durch hydrodynamische Kopplung in ihrer flüssigen Umgebung und direkte Stöße wechselwirken.
Es zeigt sich, dass sich die Diffusion von Proteinen mit der Kolloidphysik von Kugeln im Gedränge anderer Kugeln gut beschreiben lässt: Schon nach der kurzen Zeit einiger Nanosekunden werden die Proteine durch hydrodynamische Kopplung abgebremst. Auf längeren Zeitspannen kommen weitere Wechselwirkungen wie elektrostatische Abstoßung und direkte Stöße hinzu, die die Diffusion weiter verlangsamen.
Obwohl Proteine eine weiche und unregelmäßige Struktur besitzen und eine spezifische biologische Funktion haben, lässt sich ihre Diffusion mithin erstaunlicherweise allein mit grundlegenden physikalischen Theorien beschreiben. Dieses biophysikalische Resultat könnte das Verständnis von unspezifischen, doch wichtigen Transportprozessen in der Zelle befruchten.
Die Studie erscheint in der Woche vom 4.Juli 2011 in den Proceedings of the National Academy of Sciences (USA): F. Roosen-Runge, M. Hennig, F. Zhang, R.M.J. Jacobs, M. Sztucki, H. Schober, T. Seydel, F. Schreiber (2011): Protein self-diffusion in crowded solutions, Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. (http://www.pnas.org/content/early/recent)
Kontakt:
Prof. Dr. Frank Schreiber
Universität Tübingen
Institut für Angewandte Physik
Biologische und weiche Materie
Auf der Morgenstelle 10
72076 Tübingen
Tel: 07071 - 29 76058
Fax: 07071 - 29 5110
frank.schreiber@uni-tuebingen.de
Michael Seifert | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-tuebingen.de
Weitere Berichte zu: Diffusion > Gedränge > Kolloidphysik > Kopplung > Nanosekunden > Protein > Proteindiffusion > Proteinkonzentration > Stöße > Transportprozessen > Zeitskalen > Zelle
Newly discovered breast milk antibodies help neutralize HIV
23.05.2012 | Duke University Medical Center
Scientists unravel role of fusion gene in prostate cancer
23.05.2012 | New York- Presbyterian Hospital/Weill Cornell Medical Center/Weill Cornell Medical College
Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.
Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.
Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...
Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen
Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...
Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.
Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.
Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...
Ein neuer Sonderforschungsbereich (SFB) an der Philipps-Universität geht der einzigartigen Fähigkeit von Mikroorganismen auf den Grund, sich ständig an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den SFB 987 mit dem Titel "Mikrobielle Diversität in der umweltabhängigen Signalantwort" in den kommenden vier Jahren mit voraussichtlich mehr als sieben Millionen Euro.
„Die erfolgreiche Beantragung des neuen Sonderforschungsbereichs belegt einmal mehr die exzellenten wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Mikrobiologie am Standort Marburg“, erklärt Professor Dr. Frank Bremmer, der Marburger Uni-Vizepräsident für Forschung. „Die Einrichtung des SFB wird Marburgs Stellung als zentraler Ort der mikrobiologischen Forschung festigen und deren internationale Sichtbarkeit weiter erhöhen.“ ...
Erosion in tropischen Küstenregionen führt zum schnellen Tod der Korallen
Die Farbigkeit, Vielfalt und Exotik der tropischen Korallenriffe fasziniert viele Menschen weltweit. Und doch sind es die Folgen unserer Zivilisation, die dieses fragile Ökosystem bedrohen durch Klimaerwärmung, Sauerstoffmangel und Ozeanversauerung. Fortschreitende Industrialisierung, Waldrodungen und intensive Landwirtschaft in küstennahen Gebieten führen zu Erosion und verändern die Lebensbedingungen im Meer dramatisch.
Jetzt ...
Anzeige
Anzeige

23.05.2012 | Energie und Elektrotechnik
Nano-Müll lässt sich nicht verbrennen
23.05.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz
Nea Kameni volcano movement captured by Envisat
23.05.2012 | Geowissenschaften
Jeder Mensch ist anders - Nutzen der individualisierten Medizin
23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
14th Leibniz Conference of advanced science „Sensorsysteme 2012“
23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Exklusive Kontakte beim Investforum
23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten