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Dieses Phänomen regt die Phantasie der Menschen an. „Da gibt es noch viel zu forschen, beispielsweise, mit welchen parfümähnlichen Düften die Sinne der Opfer angeregt werden.“ Die Rostocker Biologiestudentin Sarah Müller hat sich in ihrer Bachelorarbeit mit fleischfressenden Pflanzen, konkret dem Lusitanischen Taublatt, befasst, das auf der iberischen Halbinsel und im Norden von Marokko wächst.
In einem der drei Loki-Schmidt-Gewächshäuser des Botanischen Gartens der Universität Rostock „findet die Pflanze genau die Bedingungen, die ihren natürlichen Ansprüchen sehr nahe kommen“, betont Sarah Müller. „Hier stimmen Licht, Feuchtigkeit und Temperatur.“
Und genau das hat die 22-Jährige für ihre Forschung schätzen gelernt. So konnte sie untersuchen, welche Duftstoffe das Lusitanische Taublatt aussendet, um Insekten anzulocken und zu fressen. „Die Blätter des Taublatts sind so genannte Klebefallen, die an den Blatträndern mit zwei verschiedenen Typen von Drüsen besetzt sind“, sagt die Studentin. Die rot gefärbten Fangdrüsen mit mehrzelligen Stielen scheiden ein klebriges Sekret aus, in dem sich die Insekten dann verfangen. Die Erkenntnisse der Rostocker Studentin könnten bei der Konstruktion von Insektenfallen zum Tragen kommen“, blickt der Kustus des Botanischen Gartens, Dr. Dethardt Götze, voraus.
„Genau das ist unser Ziel“, sagt Professor Porembski. „Wir forschen auch an der Entwicklung eines natürlichen Insektizids, das nicht für Menschen giftig ist.“ Der Hochschullehrer nimmt mit Freude zur Kenntnis, dass der Zuspruch der Studenten durch die neuen Gewächshäuser gestiegen ist. „Die künftigen Biologen können sich erproben im Erklären und Effekte der Pflanzen für Besucher demonstrieren.“
Seit der Eröffnung der Loki-Schmidt-Gewächshäuser im Botanischen Garten Rostock vor knapp drei Jahren, denen die Frau des Ex-Bundeskanzlers Helmut Schmidt als ausgewiesene Pflanzenkennerin und Züchterin zur Eröffnung ihren Namen schenkte, haben sich die Bedingungen für Forschung und Lehre in Rostock verbessert. „Wir müssen die Pflanzen nicht mehr unter gedrängten Bedingungen im Topf zeigen. Jetzt leben sie so wie in ihren Heimatländern“, freut es den langjährigen Technischen Leiter, Bernd Springer.
In den neuen Gewächshäusern stehen etwa 400 tropische Nutz- und Regenwaldpflanzen, subtropische Arten aus verschiedenen Wüsten und Halbwüsten der Erde, und mediterraner Arten aus vier Kontinenten. Für ihre Anordnung hat der junge Gärtnermeister Chris Severin in seiner Meisterarbeit, die er an der Agrarfachschule Güstrow im Vorjahr als Lehrgangsbester in Mecklenburg-Vorpommern beendete, Vorschläge erarbeitet, zum Beispiel, wie das 400 Quadratmeter große Tropenhaus möglichst naturnah angeordnet werden kann. So gliedert sich das Glashaus in die Bereiche tropische Nutzpflanzen, Wasserpflanzen, Bergregenwaldpflanzen und Aufsitzerpflanzen (Epiphyten). Letzteres war ein Schwerpunkt in der Arbeit von Chris Severin. So wurden auf einer Robinie, die dafür im Botanischen Garten gefällt wurde, die Epiphyten befestigt.
Bei all dem Erfolg muss Professor Porembski bilanzieren: „Wir haben noch nicht den Standard, den wir brauchen.“ Planungen für weitere Gewächshäuser liegen bereits in der Schublade. Die tropischen Pflanzen von der Bananenstaude über die Ölpalme bis hin zu fleischfressenden Pflanzen wie eben das lusitanische Taublatt finden aber schon mal beste Bedingungen. „Jetzt haben wir ein der Natur nachempfundenes künstliches Ökosystem.“ Etwas verloren hingegen stehen die vielen Kakteen und mediterrane Pflanzen. Für sie fehlt es einfach an Fläche.
Die Arten aus verschiedenen Regionen mediterranen Klimas, wie es sie vergleichsweise kleinräumig in Chile, Kalifornien, Südafrika, Südwest- und Südaustralien und am großräumigsten im Mittelmeergebiet gibt, sind als Kalthauspflanzensammlung zusammen gefasst. Da sich das Klima dieser Gebiete durch heiße trockene Sommer und kühle feuchte Winter ohne wesentliche Fröste auszeichnet, muss man die Pflanzen hierzulande vor allem gegen anhaltende und starke Winterfröste im Kaltgewächshaus schützen, könnte sie im Sommerhalbjahr dagegen auch im Freiland halten.
Der Botanische Garten Rostocks gehört zu den ältesten in Deutschland. Seit 1568 gibt es ihn - mit Unterbrechungen. Die Einrichtung zog vier Mal um bzw. wurde neu angelegt. Die ersten drei waren vorrangig Sammlungen von Medizinalpflanzen für die Ausbildung der Medizinstudenten, für die die Universität die Privatgrundstücke jeweils gepachtet hatte. Insofern waren es von Anfang an schon Gärten der Universität.
Kontakt:
Universität Rostock
Institut für Biowissenschaften
Kustus des Botanischen Gartens
Dr. Dethardt Götze
Fon: +49 (0)381 498 6206
Mail: www.garten.uni-@uni-rostock.de
Presse+Kommunikation
Dr. Ulrich Vetter
Fon: +49 (0)381 498 1013
Mail: ulrich.vetter@uni-rostock.de
Ingrid Rieck | Quelle: Universität Rostock
Weitere Informationen: www.uni-rostock.de
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