Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Pollenwände stärker als Flusssäure

09.04.2009
Erforschung von Pollen hilft Kriminalistik und Klimaforschung

Anzeige

Pollen lösen nicht nur Allergien aus, sondern transportieren und schützen auch das männliche Erbgut von Pflanzen, wodurch erst Samen und Früchte entstehen können.


Darüber hinaus eröffnet ihre Erforschung ein breites Feld von Anwendungsgebieten. Das verdeutlicht das bei Springer erschienene Buch "Pollen Terminology - an illustrated Handbook".

Das Werk macht Fachbegriffe verständlich und veranschaulicht anhand zahlreicher Fotos aus dem Elektronenmikroskop die Vielfalt und bizarre Schönheit der Pollenkörner. Daneben gibt es einen Überblick über neue Erkenntnisse der Pollenforschung.

"Die Untersuchung von Pollen unter dem Elektronenmikroskop eröffnet heute Perspektiven, die der früheren Forschung verschlossen waren", betont Buchautorin Martina Weber vom Department für Palynologie und Strukturelle Botanik der Universität Wien im pressetext-Interview.

Erst das Mikroskop macht die beachtliche Formenvielfalt der Pollen sichtbar, wie die Datenbank der internationalen Pollenforschung http://www.paldat.org zeigt. Das Aussehen eines Pollens ist wesentlich von seiner Übertragungsform bestimmt. Pollenkörner aus Gräsern oder Bäumen, die sich über den Wind verbreiten, besitzen eine glatte Oberfläche. Pflanzen, die sich zur Bestäubung Insekten, Vögel oder Säugetiere nutzbar machen, setzen hingegen auf komplexere Strukturen. "Da die Wahrscheinlichkeit, dass eine Pflanze von einem Tier besucht wird, äußerst gering ist, versucht sie, ihm eine möglichst große Pollenportion zu verabreichen. Das gelingt durch Stacheln, Netze, Fäden oder einen speziellen Pollenkitt, allesamt Strategien, um am Überträger haften zu bleiben", so Weber.

Der Einsatz der Pollenforschung reicht weit über die Allergieforschung hinaus. Schon in den 50-er Jahren gelang es dem Paläontologen Wilhelm Klaus, einen Kriminalfall durch die Bestimmung von Pollenkörnern zu lösen. "Auf der Schuhsole eines Mordverdächtigten fand man fossile Pollenkörner, die nur an einer bestimmten Stelle auftreten. Mit diesem Wissen konfrontiert, löste der Mörder seinen Widerstand und führte die Polizei an den Ort, an dem er die Leiche vergraben hatte", berichtet Weber. Ebenso eigne sich die Pollenbestimmung auch für den Nachweis der Sortenreinheit von Honig oder der Echtheit von Safran.

Die perfekte Struktur der Körner macht den Pollen schließlich auch für die Bionik interessant. "Alleine wenn man die Mechanismen betrachtet, in denen sich Pollenkörner bei Austrocknung einfalten, erkennt man sie als Wunderwerk. Es ist denkbar, dass die Technik der Zukunft Ideen aus ihrer Konstruktion schöpft." Beachtlich sei auch die aus Proteinen aufgebaute Pollenwand, die zum Schutz der wertvollen genetischen Information der Pflanze extreme Härte besitzt. "Sie ist so hart, dass sie sogar ein Bad in heißer Flusssäure übersteht." Wird Pollen im Moor oder Eis eingeschlossen, kann er Jahrmillionen überstehen und erlaubt etwa die Datierung des Antarktis-Eis oder Rückschlüsse auf Pflanzenbestände einer Region zu Urzeiten.

Was die Flusssäure nicht schafft, gelingt jedoch Mikroorganismen wie Bakterien und Pilzen. "Sie sorgen dafür, dass das Pollenkorn auf dem Boden mit der Zeit verrottet. Anderenfalls würden wir in Pollen ersticken", so Weber. Diese Vorstellung bestätigen Schätzungen schwedischer Pollenforscher. "Die Fichtenwälder Schwedens produzieren pro Blühperiode 75.000 Tonnen Pollen. Das entspricht der Ladung von 2.000 Güterwaggons der Bahn, die aneinandergereiht eine Länge von 50 Kilometer ergeben würden", so die Wiener Pollenforscherin.

Johannes Pernsteiner | Quelle: pressetext.austria
Weitere Informationen: www.botanik.univie.ac.at/em
www.paldat.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Newly discovered breast milk antibodies help neutralize HIV
23.05.2012 | Duke University Medical Center

nachricht Scientists unravel role of fusion gene in prostate cancer
23.05.2012 | New York- Presbyterian Hospital/Weill Cornell Medical Center/Weill Cornell Medical College

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Im Focus: Mikroben kennen nur eine Konstante: Veränderung!


Ein neuer Sonderforschungsbereich (SFB) an der Philipps-Universität geht der einzigartigen Fähigkeit von Mikroorganismen auf den Grund, sich ständig an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den SFB 987 mit dem Titel "Mikrobielle Diversität in der umweltabhängigen Signalantwort" in den kommenden vier Jahren mit voraussichtlich mehr als sieben Millionen Euro.

„Die erfolgreiche Beantragung des neuen Sonderforschungsbereichs belegt einmal mehr die exzellenten wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Mikrobiologie am Standort Marburg“, erklärt Professor Dr. Frank Bremmer, der Marburger Uni-Vizepräsident für Forschung. „Die Einrichtung des SFB wird Marburgs Stellung als zentraler Ort der mikrobiologischen Forschung festigen und deren internationale Sichtbarkeit weiter erhöhen.“ ...

Im Focus: Schnelles Korallensterben


Erosion in tropischen Küstenregionen führt zum schnellen Tod der Korallen

Die Farbigkeit, Vielfalt und Exotik der tropischen Korallenriffe fasziniert viele Menschen weltweit. Und doch sind es die Folgen unserer Zivilisation, die dieses fragile Ökosystem bedrohen durch Klimaerwärmung, Sauerstoffmangel und Ozeanversauerung. Fortschreitende Industrialisierung, Waldrodungen und intensive Landwirtschaft in küstennahen Gebieten führen zu Erosion und verändern die Lebensbedingungen im Meer dramatisch.

Jetzt ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Komplexität beherrschen

23.05.2012 | Energie und Elektrotechnik

Nano-Müll lässt sich nicht verbrennen

23.05.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Nea Kameni volcano movement captured by Envisat

23.05.2012 | Geowissenschaften

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

Jeder Mensch ist anders - Nutzen der individualisierten Medizin

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

14th Leibniz Conference of advanced science „Sensorsysteme 2012“

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Exklusive Kontakte beim Investforum

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp