Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Pflanzenöle sollen Motoren schmieren

29.10.2008
Gentechnisch veränderte Pflanzen sollen schon in wenigen Jahren hochwertige Schmierstoffe produzieren, die sich beispielsweise zum Ölen von Motoren einsetzen lassen.

Anzeige

Mehr als 20 Arbeitsgruppen in 11 Ländern arbeiten momentan daran, diese Vision umzusetzen - darunter auch Wissenschaftler der Universität Bonn. Das Projekt wird teilweise von der EU gefördert, es sind aber auch Partner aus den USA, Kanada, China und Australien eingebunden.


Fast wäre der Pottwal zu einem frühen Opfer der Industrialisierung geworden: Sein Schädel enthält ungefähr 2.000 Liter einer wachsähnlichen Substanz, die sich hervorragend als Schmierstoff nutzen lässt. Der begehrte Schädelinhalt war einer der Gründe, warum die Wale erbarmungslos gejagt wurden - bis an den Rand der Ausrottung. Längst haben Substanzen auf Mineralölbasis die Pottwalschmiere abgelöst.

Doch heute ist die Welt wieder auf der Suche nach Alternativen, denn das Schwarze Gold wird knapp. Ersatz könnte aus gentechnisch veränderten Pflanzen kommen: Schon in wenigen Jahren sollen sie hochwertige Schmierstoffe produzieren, die denen aus dem Pottwal-Schädel ziemlich ähnlich sind. Mehr als 20 Arbeitsgruppen in 11 Ländern arbeiten momentan daran, diese Vision umzusetzen - darunter auch Wissenschaftler der Universität Bonn. Das Projekt wird teilweise von der EU gefördert, es sind aber auch Partner aus den USA, Kanada, China und Australien eingebunden.

Ohne Motorenöl liefe kein Auto, ohne Schmierfett keine Maschine. Im Vergleich zu den Erdöl-Mengen, die in Flugzeug-Triebwerken oder Kraftfahrzeug-Motoren verbrannt werden, ist der weltweite Schmierstoff-Verbrauch zwar um den Faktor zehn geringer. Doch das schwarze Gold wird langsam knapp. "Man sollte sich daher beizeiten Gedanken um nachhaltige Alternativen machen", erklärt Professor Dr. Peter Dörmann. Der Forscher am Bonner Institut für Molekulare Physiologie und Biotechnologie der Pflanzen (IMBIO) tut genau das: Zusammen mit Kollegen aus einem knappen Dutzend Ländern will er Pflanzen so "programmieren", dass sie künftig Schmierstoffe herstellen.

Der Ansatz ist viel versprechend. Denn schon heute produzieren viele Pflanzen Substanzen, die der aus dem Pottwalkopf ziemlich ähnlich sind: Diese so genannten Wachsester beschichten beispielsweise die Blattoberflächen und verhindern so eine zu starke Verdunstung. Für die technische Nutzung ist die Menge aber viel zu gering. "Wir möchten die Pflanzen daher dazu bringen, in ihren Samen große Mengen Wachsester zu herzustellen", erklärt der Koordinator des Projekts Professor Dr. Sten Stymne von der Swedish University of Agricultural Science. In Ölmühlen könnte man die Samen dann einfach auspressen, so den begehrten Inhalt gewinnen und weiter aufreinigen.

Die Wissenschaftler wollen diese Vision mit Hilfe zweier weitläufiger Verwandter der Rapspflanze umsetzen. Die Samen von "Crambe abyssinica" und "Brassica carinata" sind wie die des Rapses sehr ölreich. Ihr Öl zersetzt sich aber bei hohen Drücken und Temperaturen. Zum Einsatz in Motoren ist es daher nicht geeignet. Dieses Problem haben andere klassische Pflanzenöle auch. Daher müssen die Forscher die beiden Pflanzen gentechnisch verändern. "Wir setzen ihnen dazu Erbanlagen der Ackerschmalwand ein", erklärt Professor Stymne. "Das ist eine andere Pflanze, die als Austrocknungsschutz an der Oberfläche ihrer Blätter Wachsester produziert."

Aus ökologischer Sicht ist das Vorhaben der Forscher unbedenklich: Zum Einen sind Wachsester Naturprodukte, die ohnehin in zahlreichen heimischen Gewächsen vorkommen. Crambe abyssinica und Brassica carinata können sich zudem nicht mit anderen Nutzpflanzen kreuzen. "Da die weltweit benötigte Schmierstoff-Menge vergleichsweise gering ist, sehen wir anders als beispielsweise beim Biodiesel auch keine große Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion", betont Dörmann. Stattdessen hoffen die Forscher auf eine deutliche Entlastung der Umwelt - und das nicht nur, weil es sich bei Ölpflanzen um nachwachsende Rohstoffe handelt: "Um aus Erdöl hochwertige Schmierstoffe herzustellen, benötigt man viel Energie", erklärt der IMBIO-Forscher. "Die Weiterverarbeitung der Wachester ist weit weniger aufwändig."

Die Europäische Union fördert das ICON genannte Projekt in den kommenden vier Jahren mit knapp 6 Millionen Euro. Die offizielle Projekt-Homepage findet sich unter http://icon.slu.se/ICON/

Kontakt:
Professor Dr. Peter Doermann
Institut für Molekulare Physiologie
und Biotechnologie der Pflanzen (IMBIO)
Universität Bonn
Telefon: 0228/73-2830
E-Mail: Doermann@uni-bonn.de

Frank Luerweg | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: icon.slu.se/ICON/ -
www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Biotechnologie IMBIO Pflanzenöle Samen Schmierstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Newly discovered breast milk antibodies help neutralize HIV
23.05.2012 | Duke University Medical Center

nachricht Scientists unravel role of fusion gene in prostate cancer
23.05.2012 | New York- Presbyterian Hospital/Weill Cornell Medical Center/Weill Cornell Medical College

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Im Focus: Mikroben kennen nur eine Konstante: Veränderung!


Ein neuer Sonderforschungsbereich (SFB) an der Philipps-Universität geht der einzigartigen Fähigkeit von Mikroorganismen auf den Grund, sich ständig an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den SFB 987 mit dem Titel "Mikrobielle Diversität in der umweltabhängigen Signalantwort" in den kommenden vier Jahren mit voraussichtlich mehr als sieben Millionen Euro.

„Die erfolgreiche Beantragung des neuen Sonderforschungsbereichs belegt einmal mehr die exzellenten wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Mikrobiologie am Standort Marburg“, erklärt Professor Dr. Frank Bremmer, der Marburger Uni-Vizepräsident für Forschung. „Die Einrichtung des SFB wird Marburgs Stellung als zentraler Ort der mikrobiologischen Forschung festigen und deren internationale Sichtbarkeit weiter erhöhen.“ ...

Im Focus: Schnelles Korallensterben


Erosion in tropischen Küstenregionen führt zum schnellen Tod der Korallen

Die Farbigkeit, Vielfalt und Exotik der tropischen Korallenriffe fasziniert viele Menschen weltweit. Und doch sind es die Folgen unserer Zivilisation, die dieses fragile Ökosystem bedrohen durch Klimaerwärmung, Sauerstoffmangel und Ozeanversauerung. Fortschreitende Industrialisierung, Waldrodungen und intensive Landwirtschaft in küstennahen Gebieten führen zu Erosion und verändern die Lebensbedingungen im Meer dramatisch.

Jetzt ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Komplexität beherrschen

23.05.2012 | Energie und Elektrotechnik

Nano-Müll lässt sich nicht verbrennen

23.05.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Nea Kameni volcano movement captured by Envisat

23.05.2012 | Geowissenschaften

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

Jeder Mensch ist anders - Nutzen der individualisierten Medizin

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

14th Leibniz Conference of advanced science „Sensorsysteme 2012“

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Exklusive Kontakte beim Investforum

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp