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Wolfgang Goymann vom Max-Planck-Institut für Ornithologie und seine italienischen Kollegen haben dazu drei Zugvogelarten, Gartengrasmücke, Dorngrasmücke und Braunkehlchen, hinsichtlich ihres Verhaltens und ihrer Energiereserven auf einer kleinen Insel vor Italien untersucht. (Biology Letters, Online-Veröffentlichung vom 18. März 2009)
Jedes Jahr überqueren Millionen von Vögeln auf ihrem Zug Wüsten und Meere, Gebiete, in denen sie weder Futter noch Süßwasser finden. Dabei müssen sie ganz auf ihre Energiereserven vertrauen, die vor allen als Speicherfett angelegt sind. Vor und nach anstrengenden Passagen legen sie oft Pausen ein, um ihre Energiereserven aufzutanken. Die Dauer dieser Rast hängt hauptsächlich von äußeren Faktoren, wie Witterung und Wind, sowie inneren Faktoren ab, wie den noch vorhandenen Energiereserven.
Laborstudien zeigten einen Zusammenhang zwischen Energiereserven der Vögel und ihrer nächtlichen Zugunruhe, ein Flatterverhalten, das nachts ziehende Vögel auch während der Zugzeit im Käfig zeigen. Frühere Freilandstudien, die auf dem wiederholten Fang von Vögeln an Rastplätzen basierten, legten ebenso nahe, dass magere Vögel verglichen mit besser genährten, längere Pausen einlegen. Allerdings waren aufgrund der unterschiedlichen Bewegungsmuster von gut und schlecht genährten Vögeln keine guten Rückschlüsse möglich. In einer Kombination aus Freiland- und Laborstudie hat ein italienisch-deutsches Forscherteam jetzt den Zusammenhang zwischen körperlicher Fitness und Rastverhalten nachgewiesen.
Während des Frühjahrszuges in ihre skandinavischen Brutgebiete haben die Forscher drei nachts ziehende Singvogelarten - Gartengrasmücke, Dorngrasmücke und Braunkehlchen - auf Ponza gefangen, einer italienischen Insel im tyrrhenischen Meer. Diese Insel wird von vielen Singvögeln jedes Jahr im Frühjahr aufgesucht und bietet die erste Landemöglichkeit nach der circa 500 Kilometer langen Überquerung des Mittelmeeres von der afrikanischen Nordküste aus. Die auf Ponza angekommenen Vögel wurden eine Nacht lang in Registrierkäfigen gehalten, um die Zugunruhe zu messen. Bei allen drei Arten konnten die Forscher einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Energiereserven und Zugunruhe nachweisen. Vögel mit umfangreichen Energiereserven zeigten in der kommenden Nacht starke Zugaktivität, während Vögel mit geringen Energiereserven kaum in den Käfigen flatterten.
Bei Gartengrasmücken gab es zudem einen Zusammenhang zwischen der Tagesaktivität und den Energiereserven: Gartengrasmücken mit ausreichendem Fettspeicher ruhten sich tagsüber aus. Diejenigen mit geringen Reserven waren tagsüber sehr aktiv, als ob sie nach Futter suchen müssten. "Diese Studie bestätigt die aus reinen Laborstudien stammende und im Freiland bisher ungenügend belegte Vermutung, dass das Zug- und Rastverhalten ziehender Singvögel sehr stark von ihrem körperlichen Zustand abhängig ist", sagt Wolfgang Goymann vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen.
Originalveröffentlichung:
Leonida Fusani, Massimiliano Cardinale, Claudio Carere and Wolfgang Goymann
Stopover decision during migration: physiological conditions predict nocturnal restlessness in wild passerines
Biology Letters, Online-Veröffentlichung 18. März 2009; doi: 10.1098/rsbl.2008.0755
Weitere Informationen erhalten Sie von:
Dr. Wolfgang Goymann
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
Tel.: +49 8157 932-301
E-Mail: goymann@orn.mpg.de
Barbara Abrell | Quelle: Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen: www.mpg.de/
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