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Wissenschaftler des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin haben gemeinsam mit Kollegen der Universitäten Hamburg und Gießen den weltweit ersten DNA-Test für Schistosomiasis entwickelt. Die Methode wird den Nachweis der gefährlichen Tropenkrankheit erheblich vereinfachen.
Zudem lässt sich mit ihr überprüfen, ob Behandlungsmaßnahmen wirksam sind. Mit Schistosomiasis, die in Deutschland häufig nach dem deutschen Entdecker Theodor Bilharz auch Bilharziose genannt wird, sind weltweit etwa 200 Millionen Menschen infiziert. Jährlich fordert die Krankheit schätzungsweise 200.000 Opfer - sie gilt damit als gefährlichste Wurminfektion des Menschen. Die Arbeit zum DNA-Test ist jetzt in der Zeitschrift "PLoS Neglected Tropical Diseases" erschienen.
Der Erreger der Schistosomiasis ist ein kleiner Wurm, der so genannte Pärchenegel. Die Larven dringen durch die intakte Haut in den Menschen ein, reifen und wandern in die Leber, wo sich die Weibchen in einer breiten Längsfalte am Bauch der Männchen niederlassen. Gemeinsam wandern die Pärchenegel in die Venen des Darms oder des kleinen Beckens und lassen sich dort nieder. Offenbar gelangt dann Wurm-DNA laufend in das Blut des Patienten. Die Weibchen produzieren massenhaft Eier, die zunächst die Wand der Blutgefäße, dann die Darm- bzw. Blasenwand durchdringen und mit Stuhl oder Urin ausgeschieden werden.
"Unser Test kann die DNA des Wurms anhand charakteristischer Merkmale nachweisen", erklärt Professor Dr. Christian Drosten, der die Arbeiten am Hamburger Tropeninstitut durchgeführt hat und inzwischen das Institut für Virologie an der Universität Bonn leitet. In der jetzt veröffentlichten Studie wird gezeigt, dass der neue Bluttest hochsensitiv ist und sowohl bei akut als auch bei chronisch Infizierten funktioniert. Zudem eignet er sich, um den Erfolg einer eingeleiteten Therapie zu überprüfen. "Die nachgewiesene DNA-Menge korrespondiert mit der Zahl der Erreger", betont Christian Drosten.
Bislang gestaltete sich eine sichere Diagnose der Schistosomiasis als schwierig. Zwar gibt es einen Antikörper-Test, der aber insbesondere akute Infektionen häufig nicht anzeigt. "Außerdem kann ein positives Testergebnis auch auf eine längst abgeheilte Infektion zurückzuführen sein", sagt Dr. Dominic Wichmann vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Standard ist seit Jahrzehnten der mikroskopische Nachweis der Eier der Pärchenegel im Stuhl oder Urin. Doch deren Verteilung ist so ungleichmäßig, dass nicht jede Probe einer infizierten Person auch zwangsläufig Eier enthält. Häufig mussten zur sorgfältigen Diagnostik daher Darm- oder Blasenspiegelungen durchgeführt werden.
Übertragungsort der Schistomiasis sind stehende Gewässer. Dort vermehren sich Larven des Wurms in Schnecken, die schließlich zahlreiche infektionstüchtige Larven ins Wasser abgeben. Nachdem diese in den Menschen eingedrungen sind, die Pärchen sich gefunden und in den Blutgefäßen eingenistet haben, gelangen die produzierten Eier häufig nicht in den Darm bzw. in die Blase, sondern werden mit dem Blut in die Leber bzw. ins Gehirn gespült. Dort verursachen sie lebensgefährliche Vernarbungen, die Erkrankungen ähnlich der Leberzirrhose bzw. Störungen im Zentralnervensystem hervorrufen können mit Jahr für Jahr nach Schätzungen rund 200.000 Opfern.
Der vollständige Artikel "Diagnosing Schistosomiasis by Detection of Cell-Free Parasite DNA in Human Plasma" kann bei PLoS Neglected Tropical Diseases! unter http://www.plosntds.org/doi/pntd.0000422 abgerufen werden.
Kontakt für die Medien:
Professor Dr. Christian Drosten
Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn
Tel.: 0228/287-11055
E-Mail: drosten@virology-bonn.de
Dr. Dominic Wichmann
Sektion Infektiologie und Tropenmedizin, I. Medizinische Klinik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Mobil: 0171-732 6788
E-Mail: wichmann@bni-hamburg.de
Über das Bernhard-Nocht-Institut:
Als nationales Kompetenzzentrum dient das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) der Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer Erkrankungen und neu auftretender Infektionskrankheiten.
Gegenstand der Forschung sind Klinik, Epidemiologie und Krankheitsbekämpfung sowie die Biologie der Krankheitserreger, ihrer Reservoirtiere und Überträger. Den aktuellen Schwerpunkt bilden Malaria, hämorrhagische Fieberviren und Gewebewürmer. Für den Umgang mit hochinfektiösen Erregern wie Lassa- und Ebola-Viren verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL4).
In Zusammenarbeit mit dem ghanaischen Gesundheitsministerium und der Universität von Kumasi betreibt das BNI seit über 10 Jahren ein modernes Forschungs- und Ausbildungszentrum in Ghana, das auch externen Arbeitsgruppen zur Verfügung steht. Als herausragende wissenschaftliche Leistungen des BNI in jüngster Vergangenheit gelten die Identifizierung des SARS-Coronavirus und die Entdeckung eines bisher unbekannten Entwicklungs-stadiums der Malaria-Erreger im Menschen.
Versorgungsleistungen des BNI umfassen die spezielle Labordiagnostik tropen-typischer und anderer seltener Erkrankungen, eine enge Zusammenarbeit mit der Bundeswehr sowie Beratung für Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit, die wesentlich zur gesamtstaatlichen Bedeutung des Instituts beitragen.
Das BNI fungiert dabei als nationales Referenzzentrum für den Nachweis aller tropischen Infektionserreger, Referenzlabor für SARS und Kooperationszentrum der Weltgesundheitsorganisation für hämorrhagische Fieberviren.
Als Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) wird das BNI als Forschungsinstitut mit überregionaler Bedeutung gemeinsam durch den Bund, die Freie und Hansestadt Hamburg und die übrigen Bundesländer finanziert.
Eva Königsmann | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.bni-hamburg.de/
www.plosntds.org/doi/pntd.0000422
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