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Da sie im Frühstadium jedoch keine Symptome aufweist, wird sie oft spät entdeckt. Abhilfe könnte hier ein Frühtest schaffen. An einer solchen Methode arbeiten Forscher von der Saar-Uni.
Das Team um Jaroslaw Szczyrba hat Molekül-Gruppen, sogenannte microRNAs, mit einem neuen Verfahren näher untersucht. Ähnlich wie ein Fingerabdruck einmalig für jeden Menschen ist, ergeben die Moleküle eine spezifische Signatur für eine bestimmte Krankheit, je nachdem wie sie in Blut und Gewebe zusammengesetzt sind. Die Ergebnisse könnten helfen, einen Bluttest zu entwickeln.
„MicroRNAs sind kleine Moleküle, die auch bei gesunden Menschen im Blut und im Gewebe vorkommen“, erklärt Jaroslaw Szczyrba, Wissenschaftler am Uniklinikum in Homburg. Sie bestehen wie die DNA aus Nukleinsäuren, regulieren Gene und spielen bei Entwicklungsprozessen des Körpers, aber auch bei der Krebsentstehung eine wichtige Rolle.
Erstmals entdeckt wurden die Boten- und Regulatorstoffe 1993. Seitdem haben Wissenschaftler über 4000 unterschiedliche microRNAs gefunden. „Manche dieser Moleküle kommen bei bestimmten Krankheiten besonders häufig vor, andere wiederum nur in geringem Maße oder gar nicht“, weiß der 30-Jährige. Indem die Forscher sich nicht nur einzelne Moleküle anschauen, sondern ganze Gruppen dieser Moleküle, können sie eine Art Fingerabdruck erstellen, der eindeutig einer Erkrankung zugeordnet werden kann.
Diese Tatsache hat sich Szczyrba zunutze gemacht. Im Rahmen seiner Promotion hat er Gewebeproben von Männern, die an Prostatakrebs erkrankt waren, mit denen gesunder Personen verglichen, um so Unterschiede bei der Zusammensetzung der microRNAs zu finden. „Bei vielen vorangegangenen Studien, die die microRNA-Signaturen bei Prostatakrebs-Patienten untersucht haben, ist es immer zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen“, erklärt der Wissenschaftler weiter. „Bei meinen Untersuchungen konnte ich jedoch ein relativ neues Verfahren verwenden, das Deep Sequencing.“
Diese Analysemethode ermöglicht es zum einen, die Nukleinsäure-Sequenzen der Moleküle schnell und fehlerfrei auszulesen. Außerdem erhalten die Wissenschaftler auch Angaben darüber, in welcher Menge die einzelnen RNAs in den Proben vorkommen. Das war mit früheren Methoden nicht ohne Weiteres möglich.
Im Vergleich zu der gesunden Kontrollgruppe hat Szczyrba insgesam16 microRNAs in erhöhter und 17 in geringerer Konzentration in den Proben der Erkrankten gefunden. Mit diesem Befund konnte Szczyrba ein spezifisches Profil für das Prostatakarzinom erstellen, das mittlerweile auch von Forschern des Universitätsklinikum in Erlangen in einer Studie bestätigt werden konnte.
„In Kombination mit anderen Diagnosemethoden ist ein microRNA-Profil sicherlich geeignet, um künftig ein Prostatakarzinom im Frühstadium zu entdecken“, schätzt der Homburger Forscher. Da die Moleküle im Blut vorkommen, könnte der Tumor eines Tages mit einem Bluttest einfachen und schnell diagnostiziert werden – lange bevor er im Ultraschall oder bei einer Tastuntersuchung entdeckt werden würde.
Jaroslaw Szczyrba hat am Institut für Virologie am Uniklinikum des Saarlandes promoviert. Derzeit arbeitet er in Homburg am Institut für Anatomie und Zellbiologie. Für seine Doktorarbeit erhielt er nun den Eduard-Martin-Preis, den die Vereinigung der Freunde der Universität des Saarlandes für herausragende Doktorarbeiten jedes Jahr vergibt.
Die Studie wurde im renommierten Journal Molecular Cancer Research veröffentlicht: doi:10.1158/1541-7786.MCR-09-0443.
Fragen beantwortet:
Dr. Jaroslaw Szczyrba
Institut für Anatomie und Zellbiologie
Universitätsklinikum des Saarlandes
Tel: 06841/16-26134
E-Mail: Jaroslaw.Szczyrba(at)uniklinikum-saarland.de
Melanie Löw | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uniklinikum-saarland.de
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