Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Leuchtender Einblick in die Leber: neues Reportersystem weist Verbindung zwischen Entzündung und Blutzuckerspiegel nach

07.08.2009
Entzündungen bringen den streng kontrollierten Blutzuckerspiegel aus dem Gleichgewicht: Bei einer akuten Blutvergiftung etwa sinkt die Glucose-Konzentration im Blut gefährlich ab, u.a. weil die Neubildung von Zucker in der Leber gehemmt ist.

Anzeige

Über welche molekularen Mechanismen Entzündungsvorgänge die Zuckerkonzentration im Blut beeinflussen, haben Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums mit einem neuen Nachweissystem aufgeklärt und in der Zeitschrift "Hepatology" veröffentlicht.


Der Blutzuckerspiegel ist normalerweise sehr streng kontrolliert: Sinkt er auch nur leicht ab, produziert die Leber über die so genannte Gluconeogenese selbst Glucose, damit Gehirn und Muskeln weiter funktionieren können. Umgekehrt wird ein erhöhter Blutzuckerspiegel sofort durch die Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse gesenkt, damit die Blutgefäße langfristig keinen Schaden nehmen.

"Bei Entzündungen sind diese Regelkreise jedoch gestört", erklärt Dr. Stephan Herzig, Leiter der Nachwuchsgruppe Molekulare Stoffwechselkontrolle am Deutschen Krebsforschungszentrum. "Mit unserem neuartigen Reportersystem konnten wir aufklären, warum das so ist."

Das Schlüsselenzym für die Zuckerneubildung in der Leber ist die so genannte Phosphoenolpyruvatkinase, kurz PEPCK. Je aktiver sie ist, desto mehr Zucker wird hergestellt, dabei regeln verschiedene Hormone ihre Aktivität: Die Stresshormone Glucagon und Cortisol kurbeln sie an, Insulin dagegen hemmt das Enzym.

In ihrem neuen Reportersystem koppelten die Wissenschaftler verschiedene Abschnitte des PEPCK-Gens an das Luciferase-Gen, das die Glühwürmchen zum Leuchten bringt. Das Konstrukt schleusten sie in lebende Mäuse ein. Anschließend riefen sie künstlich eine Entzündung in den Tieren hervor und verfolgten, welche PEPCK Genabschnitte in Antwort auf eine Entzündung aktiv waren - die Leber zum Leuchten brachten - und welche nicht - es blieb alles dunkel. Dabei zeigte sich, dass die Entzündung, wie sie bei einer Blutvergiftung auftritt, die molekulare Kooperation der beiden Hormone Glucagon und Cortisol verhindert und so die PEPCK und damit die Zuckerneubildung blockiert.

Hier könnten Medikamente ansetzen, die die Blockade aufheben und die Zuckerneubildung in der Leber wieder ankurbeln. Stephan Herzig betont: "Die Ergebnisse könnten auch für Krebspatienten interessant sein, die oft unter der so genannten Kachexie leiden. Diese extreme Auszehrung des gesamten Körpers ist ebenfalls durch eine starke Entzündungsreaktion und die Fehlregulation der Zuckerneubildung gekennzeichnet und auch hier könnte man möglicherweise medikamentös eingreifen."

In vivo PEPCK promoter mapping identifies disrupted hormonal synergism as a target of inflammation during sepsis in mice (p NA)
Evgeny Chichelnitskiy, Alexandros Vegiopoulos, Mauricio Berriel Diaz, Anja Ziegler, Anna Kleiman, Alexander Rauch, Jan Tuckermann, Stephan Herzig
Accepted Article Online: Aug 4 2009 11:35AM
DOI: 10.1002/hep.23194

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland und Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. Über 2.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, davon 850 Wissenschaftler, erforschen die Mechanismen der Krebsentstehung und arbeiten an der Erfassung von Krebsrisikofaktoren. Sie liefern die Grundlagen für die Entwicklung neuer Ansätze in der Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert.

Dr. Stefanie Seltmann
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
D-69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2854
F: +49 6221 42 2968
presse@dkfz.de

Dr. Stefanie Seltmann | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.dkfz.de/pressemitteilungen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Newly discovered breast milk antibodies help neutralize HIV
23.05.2012 | Duke University Medical Center

nachricht Scientists unravel role of fusion gene in prostate cancer
23.05.2012 | New York- Presbyterian Hospital/Weill Cornell Medical Center/Weill Cornell Medical College

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Im Focus: Mikroben kennen nur eine Konstante: Veränderung!


Ein neuer Sonderforschungsbereich (SFB) an der Philipps-Universität geht der einzigartigen Fähigkeit von Mikroorganismen auf den Grund, sich ständig an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den SFB 987 mit dem Titel "Mikrobielle Diversität in der umweltabhängigen Signalantwort" in den kommenden vier Jahren mit voraussichtlich mehr als sieben Millionen Euro.

„Die erfolgreiche Beantragung des neuen Sonderforschungsbereichs belegt einmal mehr die exzellenten wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Mikrobiologie am Standort Marburg“, erklärt Professor Dr. Frank Bremmer, der Marburger Uni-Vizepräsident für Forschung. „Die Einrichtung des SFB wird Marburgs Stellung als zentraler Ort der mikrobiologischen Forschung festigen und deren internationale Sichtbarkeit weiter erhöhen.“ ...

Im Focus: Schnelles Korallensterben


Erosion in tropischen Küstenregionen führt zum schnellen Tod der Korallen

Die Farbigkeit, Vielfalt und Exotik der tropischen Korallenriffe fasziniert viele Menschen weltweit. Und doch sind es die Folgen unserer Zivilisation, die dieses fragile Ökosystem bedrohen durch Klimaerwärmung, Sauerstoffmangel und Ozeanversauerung. Fortschreitende Industrialisierung, Waldrodungen und intensive Landwirtschaft in küstennahen Gebieten führen zu Erosion und verändern die Lebensbedingungen im Meer dramatisch.

Jetzt ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Komplexität beherrschen

23.05.2012 | Energie und Elektrotechnik

Nano-Müll lässt sich nicht verbrennen

23.05.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Nea Kameni volcano movement captured by Envisat

23.05.2012 | Geowissenschaften

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

Jeder Mensch ist anders - Nutzen der individualisierten Medizin

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

14th Leibniz Conference of advanced science „Sensorsysteme 2012“

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Exklusive Kontakte beim Investforum

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp