Anzeige

Ob ein Mensch Hunger spürt oder sich satt fühlt, wird durch ein komplexes Signalnetzwerk in seinem Organismus bestimmt. Daran beteiligt sind Nervensystem, Magen-Darm-Trakt, Bauchspeicheldrüse und Fettzellen, wobei diese Akteure über so genannte Neuropeptide wie Orexin und über Peptidhormone wie Insulin oder Leptin miteinander kommunizieren. Peptide von diesem Typus spielen im Nervensystem von Insekten ebenfalls eine wichtige Rolle. Auch dort steuern sie das Nahrungssuch- und das Fressverhalten, die Verdauung und den Stoffwechsel.
Wie beim Menschen werden Peptidhormone bei den Insekten nicht nur im Nervensystem gebildet, sondern auch im Darm. Welche Funktion sie dort erfüllen, ist bislang allerdings weitgehend unklar. Spielen sie eine ähnliche Rolle wie beim Menschen? Dienen sie der Kommunikation zwischen Darm und Gehirn? Signalisieren sie dem Insekt Hunger, Sättigung und noch andere Dinge?
Interessant für die Schädlingsbekämpfung
Diese Fragen will Professor Christian Wegener vom Lehrstuhl für Genetik und Neurobiologie der Uni Würzburg mit seiner Doktorandin Wencke Reiher klären. Die Wissenschaftler interessieren sich dabei vorrangig für grundsätzliche hormonelle Regulationsvorgänge bei Insekten. Ihre Arbeit kann aber auch neue Wege für die Schädlingsbekämpfung aufzeigen. Denkbar ist es zum Beispiel, dass die Forscher bei den Larven Angriffspunkte entdecken, über die sich das Hungergefühl blockieren lässt – so dass die Tiere mit dem Fressen aufhören und verhungern.
Bislang haben die Würzburger Biologen im Darm der Taufliege Drosophila 24 verschiedene Peptide chemisch identifiziert. Sie werden in spezialisierten Zellen des Darms gebildet und lassen sich zu mehreren Familien gruppieren. Zwei dieser Peptidfamilien sollen nun genauer analysiert werden. Sie kommen auch bei anderen Fliegen vor, etwa bei der Kleinen Kohlfliege (Delia radicum), einem Pflanzenschädling. „Wir nehmen darum an, dass beide Peptidfamilien bei der Steuerung des Fressverhaltens und der Verdauung eine generelle Rolle spielen“, so Wegener.
Kleine Kohlfliege frisst auch Rapswurzeln
Die Kleine Kohlfliege lebt in den gemäßigten Klimazonen von Nordamerika, Europa und Asien. Landwirte sehen sie nicht gern, denn ihre Larven fressen die Wurzeln von Kohlrabi, Brokkoli und anderen Kohlgewächsen. Auch die Wurzeln von Raps verschmäht sie nicht. Das vergrößert ihr Schadpotenzial erheblich, denn Raps wird wegen seiner ölhaltigen Samen weltweit in großen Mengen angebaut.
Bekämpfen lässt sich die Kleine Kohlfliege nur schwer: „Die Larven sind im Boden mit Insektiziden schwer zu erreichen“, so Wegener. Hinzu kommt, dass in nur einer Vegetationsperiode zwei bis drei Fliegengenerationen auftreten können. So müssen die Landwirte diesen Schädling praktisch das ganze Jahr hindurch in Schach halten.
Wie Darmpeptide erforscht werden
Mit verschiedenen Methoden wollen die Würzburger Biologen nun herausfinden, welche Signale die Abgabe der Peptide im Darm von Drosophila auslösen und welche Wirkung die Peptide entfalten. Eine ihrer Vermutungen: Biogene Amine, Botenstoffe des Gehirns, sorgen für den Einstrom von Kalzium in die Darmzellen, in denen die Peptide gebildet werden. Als Reaktion darauf setzen die Zellen Peptide frei. Der experimentelle Beweis dieser Theorie wird laut Professor Wegener nicht einfach sein – unter anderem, weil nur kleinste Botenstoffmengen im Spiel sind und der Larvendarm mit nur etwa acht Millimetern Länge recht winzig ist.
Wencke Reiher wird demnächst drei Monate an der Universität Cambridge in England forschen: Dort hat sie die Möglichkeit, mit der Methode der RNA-Interferenz die Menge einzelner Darmpeptide von Drosophila zu manipulieren. „Ich will die Ausscheidungen des Insekts dann auf verschiedene Parameter wie Quantität, pH-Wert oder Wassergehalt hin analysieren und mit Ausscheidungen von Kontrolltieren vergleichen“, sagt die Doktorandin. Treten dabei Unterschiede auf, können sie Hinweise auf die Funktion des ausgeschalteten Peptids liefern.
Evolution von Hormonsystemen besser verstehen
Am Ende hoffen die Wissenschaftler auf neue Erkenntnisse zur grundlegenden Frage, wie bei Insekten das Fressverhalten und die Verdauung gesteuert werden. Sie erwarten auch neue Einblicke in die Evolution hormoneller Regelkreise bei Tieren. Denn viele Peptidhormone der Insekten ähneln denen der Wirbeltiere – „ein Hinweis darauf, dass sich diese Signalsysteme in der Evolution kaum verändert haben“, so Christian Wegener.
Kontakt
Prof. Dr. Christian Wegener, Lehrstuhl für Genetik und Neurobiologie der Universität Würzburg, T (0931) 31-85380,
christian.wegener@uni-wuerzburg.de
Gunnar Bartsch | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-wuerzburg.de
Weitere Berichte zu: Biologe > Darm > Darmpeptide > Drosophila melanogaster > Evolution > Fressverhalten > Genetik > Insekt > Kohlfliege > Landwirt > Larve > Nervensystem > Neurobiologie > Peptid > Peptidfamilien > Peptidhormone > Raps > Verdauung > Wurzel
Newly discovered breast milk antibodies help neutralize HIV
23.05.2012 | Duke University Medical Center
Scientists unravel role of fusion gene in prostate cancer
23.05.2012 | New York- Presbyterian Hospital/Weill Cornell Medical Center/Weill Cornell Medical College
Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.
Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.
Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...
Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen
Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...
Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.
Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.
Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...
Ein neuer Sonderforschungsbereich (SFB) an der Philipps-Universität geht der einzigartigen Fähigkeit von Mikroorganismen auf den Grund, sich ständig an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den SFB 987 mit dem Titel "Mikrobielle Diversität in der umweltabhängigen Signalantwort" in den kommenden vier Jahren mit voraussichtlich mehr als sieben Millionen Euro.
„Die erfolgreiche Beantragung des neuen Sonderforschungsbereichs belegt einmal mehr die exzellenten wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Mikrobiologie am Standort Marburg“, erklärt Professor Dr. Frank Bremmer, der Marburger Uni-Vizepräsident für Forschung. „Die Einrichtung des SFB wird Marburgs Stellung als zentraler Ort der mikrobiologischen Forschung festigen und deren internationale Sichtbarkeit weiter erhöhen.“ ...
Erosion in tropischen Küstenregionen führt zum schnellen Tod der Korallen
Die Farbigkeit, Vielfalt und Exotik der tropischen Korallenriffe fasziniert viele Menschen weltweit. Und doch sind es die Folgen unserer Zivilisation, die dieses fragile Ökosystem bedrohen durch Klimaerwärmung, Sauerstoffmangel und Ozeanversauerung. Fortschreitende Industrialisierung, Waldrodungen und intensive Landwirtschaft in küstennahen Gebieten führen zu Erosion und verändern die Lebensbedingungen im Meer dramatisch.
Jetzt ...
Anzeige
Anzeige

23.05.2012 | Energie und Elektrotechnik
Nano-Müll lässt sich nicht verbrennen
23.05.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz
Nea Kameni volcano movement captured by Envisat
23.05.2012 | Geowissenschaften
Jeder Mensch ist anders - Nutzen der individualisierten Medizin
23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
14th Leibniz Conference of advanced science „Sensorsysteme 2012“
23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Exklusive Kontakte beim Investforum
23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten