Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Lärm gefährdet die Meeresbewohner

13.03.2009
Wanderung und Reproduktion von Schiffsgeräuschen beeinflusst

Anzeige

Lärm aus Schiffahrt und Ölbohrungen irritiert Fische und Meeressäuger. Er kann Stress und sogar Hörsturz verursachen und der Reproduktion und Wanderung der Tiere schaden.


Das sagt der Meeresforscher Arthur Popper von der University of Maryland in der Fachzeitschrift Integrative Zoology. "Wenn die menschenverursachten Geräusche im Meer bei manchen Tieren auch nur kleine Verhaltensänderungen hervorrufen, bedroht es die Existenz anderer", so Popper.

Alles, was in der Umgebung die Fähigkeit der Organismen die Geräuscherkennung verändere, könne sich negativ auf das Leben von Tieren verändern. Dabei reagierten die Tiere nicht anders als Menschen und andere Landlebewesen auch, so der Meeresbiologe.

"Laute Geräusche machen es Tieren schwer, andere akustische Informationen wahrzunehmen, die sie zur Orientierung brauchen", erklärt Guido Dehnhardt vom Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock gegenüber pressetext. Meerestiere kommunizieren über Geräusche und holen über die Akustik dreidimensionale Informationen über ihre Umwelt ein. Die Geräuschwahrnehmung unter Wasser erfolgt auf verschiedene Weisen. Fische besitzen Seitenlinien-Organe, die auf Wasserbewegungen ansprechen, was für Orientierung, für Ortung von Beute sowie für das Ausweichen von Räubern wichtig ist. Das Hörsystem von Meeressäugern wie Wale und Robben ist hingegen mit dem menschlichen Gehör vergleichbar, erklärt der Rostocker Spezialist für sensorische und kognitive Ökologie.

Unter Wasser gelten eigene Gesetze für den Schall, wird er doch fünfmal schneller übertragen als in der Luft. "Man vermutet, dass der Schall von Tönen niedriger Frequenzen, wie sie etwa Wale ausstoßen, über tausende Kilometer transportiert werden kann", so Dehnhardt. In Küstennähe seien die Auswirkungen von Bootsgeräusche allerdings begrenzt. "Die von Wellen verursachten Geräusche sind stärker als Bootsgeräusche und verursachen bei Lebewesen immer wieder Orientierungsprobleme. Diese Störung durch das Wellengeräusch verursacht immer wieder die Strandung von Walen oder die Kollision von Seekühen mit Booten, deren Motorengeräusch sie nicht wahrnahmen."

Weniger weiß man derzeit über die Auswirkung von Lärm im Hochseebereich. "Echolote zeigen jedoch, dass Fische aufgrund von Schiffsmotor-Geräuschen ausweichen", sagt Rainer Froese vom Leibnitz-Institut für Meereswissenschaften der Universität Kiel GEOMAR im pressetext-Interview. In modernen Schiffen sei zwar eine geringe Geräuschabgabe bemerkbar, der Grund dafür sei jedoch nicht die höhere Rücksichtnahme auf die Meeresbewohner. "In Passagiersschiffen versucht man, die von den Turbinen verursachten Vibrationen im Schiff gering zu halten, da diese viel Energie verbrauchen." Bei Kriegsschiffen sei man hingegen aus taktischen Gründen um die Minimierung des Schalls bemüht.

Besonders zerstörerisch sei der Schall beim Dynamitfischen. Dabei handelt es sich um eine streng verbotene, jedoch in Ostafrika und Südostasien noch weit verbreitete Fischereimethode. "Dabei werden selbstgebaute Ladungen im Wasser zur Explosion gebracht. Die Schallwellen zerstören die Schwimmblase der Fische im Umkreis von bis zu 30 Meter. Die Fischer sammeln schließlich die an die Oberfläche getriebenen toten Fische", so Froese. Auch das Ökosystem Korallenriff wird dadurch empfindlich geschädigt. Ähnliche Auswirkung im großen Stil hätten Schallkanonen, die in Kriegen zum Aufspüren von U-Booten eingesetzt werden. "Sogar Wale starben an diesen extremen Schallwellen", so der Meeresforscher.

Ein Faktor, der Schall im Wasser verstärkt, ist die zunehmende Versauerung der Ozeane. "Durch die Änderung der chemischen Zusammensetzung absorbiert das Wasser den Schall weniger und zwar gerade in den Frequenzen, in denen Meereslebewesen hören", sagt Ulf Riebesell, GEOMAR-Spezialist für Biologische Ozeanographie, gegenüber pressetext. Der dadurch verloren gegangene Geräuschepuffer macht Schall lauter, was die Verständigung unter den Meeresbewohnern über große Distanzen erleichtern kann. "Gleichzeitig wird jedoch auch der Schall, der von Schiffen ausgeht, viel lauter wahrgenommen", so Riebesell.

Johannes Pernsteiner | Quelle: pressetext.deutschland
Weitere Informationen: www.umd.edu
www.biologie.uni-rostock.de
www.ifm-geomar.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Newly discovered breast milk antibodies help neutralize HIV
23.05.2012 | Duke University Medical Center

nachricht Scientists unravel role of fusion gene in prostate cancer
23.05.2012 | New York- Presbyterian Hospital/Weill Cornell Medical Center/Weill Cornell Medical College

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Im Focus: Mikroben kennen nur eine Konstante: Veränderung!


Ein neuer Sonderforschungsbereich (SFB) an der Philipps-Universität geht der einzigartigen Fähigkeit von Mikroorganismen auf den Grund, sich ständig an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den SFB 987 mit dem Titel "Mikrobielle Diversität in der umweltabhängigen Signalantwort" in den kommenden vier Jahren mit voraussichtlich mehr als sieben Millionen Euro.

„Die erfolgreiche Beantragung des neuen Sonderforschungsbereichs belegt einmal mehr die exzellenten wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Mikrobiologie am Standort Marburg“, erklärt Professor Dr. Frank Bremmer, der Marburger Uni-Vizepräsident für Forschung. „Die Einrichtung des SFB wird Marburgs Stellung als zentraler Ort der mikrobiologischen Forschung festigen und deren internationale Sichtbarkeit weiter erhöhen.“ ...

Im Focus: Schnelles Korallensterben


Erosion in tropischen Küstenregionen führt zum schnellen Tod der Korallen

Die Farbigkeit, Vielfalt und Exotik der tropischen Korallenriffe fasziniert viele Menschen weltweit. Und doch sind es die Folgen unserer Zivilisation, die dieses fragile Ökosystem bedrohen durch Klimaerwärmung, Sauerstoffmangel und Ozeanversauerung. Fortschreitende Industrialisierung, Waldrodungen und intensive Landwirtschaft in küstennahen Gebieten führen zu Erosion und verändern die Lebensbedingungen im Meer dramatisch.

Jetzt ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Komplexität beherrschen

23.05.2012 | Energie und Elektrotechnik

Nano-Müll lässt sich nicht verbrennen

23.05.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Nea Kameni volcano movement captured by Envisat

23.05.2012 | Geowissenschaften

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

Jeder Mensch ist anders - Nutzen der individualisierten Medizin

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

14th Leibniz Conference of advanced science „Sensorsysteme 2012“

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Exklusive Kontakte beim Investforum

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp