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Gefährlich für den Menschen sind die Krankheitserreger der einheimischen Flattertiere fast nie. Forscher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) haben jetzt dazu eine groß angelegte Studie veröffentlicht.
Einheimische Fledermäuse sind nützlich für das Ökosystem, weil sie große Mengen von Insekten vertilgen. Auf der anderen Seite werden sie immer wieder mit für den Menschen gefährlichen Krankheitserregern in Verbindung gebracht. Ein Wissenschaftler-Team kam nun zu einer anderen Einschätzung: Die Tiere sterben zwar selbst häufig an Infektionen, ihre Erreger sind aber für den Menschen kaum gefährlich. Die Forscher um Dr. Gudrun Wibbelt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), vom Robert Koch-Institut und vom Friedrich-Loeffler-Institut veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in mehreren Fachzeitschriften, so in PLoS ONE und BMC Veterinary Research.
Die Forscher untersuchten knapp 500 tote Fledermäuse von 19 verschiedenen Arten aus Deutschland. Die Fledermäuse waren zuvor mit gebrochenen Flügeln oder in geschwächtem Zustand in Pflegestellen abgegeben worden. Jene Tiere, die trotz Pflege starben oder aufgrund ihrer schweren Verletzungen eingeschläfert werden mussten, wurden in der Pathologie des IZW seziert und untersucht.
„Überraschenderweise zeigten mehr als die Hälfte der Tiere Entzündungen in den Organen. Vor allem die Lungen waren häufig betroffen. Wir konnten eine Reihe bakterieller, viraler und parasitärer Infektionserreger dafür verantwortlich machen. Dabei spielen Bakterien eine herausragende Rolle, die auch in vielen Wildtierarten vorkommen, seltener traten fledermausspezifische Viren und Parasiten auf“, so Kristin Mühldorfer, Wissenschaftlerin am IZW.
Obwohl die Krankheitserreger die Gesundheit der Fledermäuse stark beeinträchtigten, haben fast alle eine geringe Bedeutung als Infektionserreger für den Menschen. Ernst zu nehmen ist jedoch die Fledermaustollwut – sie kann durch Bissverletzungen übertragen werden. Den Erreger fanden die Forscher lediglich bei 0,4 Prozent der Tiere. In jedem Fall sollte aber nach einer Bissverletzung eine rechtzeitige Impfung durchgeführt werden.
Die Annahme, dass die hohe Lebenserwartung der Fledermäuse mit bis zu 40 Jahren Beweis dafür ist, dass diese Tiere nicht krank werden können, dürfte spätestens mit dieser Studie widerlegt sein.
Fledermäuse gehören weltweit zu den ältesten und artenreichsten Säugetieren. 1232 Arten sind bekannt, 24 davon leben in Deutschland. Viele Fledermausarten sind in der Roten Liste der bedrohten Tierarten aufgeführt und streng geschützt. Wer eine Fledermaus findet, sollte diese nicht mit der bloßen Hand anfassen und eventuell die zuständigen Behörden oder den NABU informieren.
Quellenangabe der Publikationen:
Mühldorfer K, Speck S, Wibbelt G: Diseases in free-ranging bats from Germany. BMC Veterinary Research 2011; 7: 61. doi:10.1186/1746-6148-7-61
Web link: http://www.biomedcentral.com/1746-6148/7/61/abstract
Mühldorfer K, Speck S, Kurth A, Lesnik R, Freuling C, Müller T, Kramer-Schadt S, Wibbelt G. Diseases and causes of death in European bats: dynamics in disease susceptibility and infection rates. PLoS ONE 6(12): e29773. doi:10.1371/journal.pone.0029773
Web link: http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0029773
Ansprechpartner:
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
im Forschungsverbund Berlin e.V.
Forschungsgruppe Wildtierkrankheiten
Alfred-Kowalke-Str. 17
10315 Berlin
GERMANY
www.izw-berlin.de
Kristin Mühldorfer
muehldorfer@izw-berlin.de
Tel.: 0049 (0)30 5168 227
Dr. Gudrun Wibbelt
wibbelt@izw-berlin.de
Tel.: 0049 (0)30 5168 211
Gesine Wiemer | Quelle: Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen: www.izw-berlin.de
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