Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens     3M    n-tv
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Es kommt auf die Länge an

22.01.2013
Chemische Funktionalisierung langer Kohlenstoffnanoröhren verkürzt deren effektive Länge und hebt ihre Asbest-artige Pathogenität auf

Anzeige


Hydrophile Funktionalisierung von Kohlenstoffnanoröhrchen hebt deren Asbest-artige Pathogenität auf

(c) Wiley-VCH

Kohlenstoffnanoröhren ähneln von ihrer Gestalt her Asbestfasern und leider scheinen lange, reine Nanoröhren auch eine ähnliche Pathogenität zu besitzen wie Asbest. Ein europäisches Forscherteam berichtet jetzt in der Zeitschrift Angewandte Chemie, dass chemische Modifizierungen, z.B. mit Tri(ethylenglycol), diese aufheben können, wenn die Röhrchenoberfläche dabei hydrophiler und die effektive Länge der Röhren verringert wird.

Kohlenstoffnanoröhrchen haben sich dank ihrer einzigartigen physikalischen, chemischen und elektronischen Eigenschaften zu einem der populärsten Nanomaterialien gemausert. Anwendungen finden sich z.B. in der Elektronik, der Verstärkung von Kunststoffen, aber auch im biomedizinischen Bereich, z.B. als Nanotransporter, die Wirkstoffe in Zellen schleusen. Für viele der Anwendungen, insbesondere im Bio-Bereich, ist es notwendig, die Oberfläche der winzigen Röhren zuvor chemisch zu verändern.

Eine großtechnische Produktion von Kohlenstoffnanoröhren könnte allerdings gesundheitliche Risiken bergen. So kamen Studien zum Ergebnis, dass mehrwandige Kohlenstoffnanoröhren mit einer Länge von mehr als 20 µm genauso wie Asbestfasern Entzündungen und in der Folge Granulome, entzündungsbedingte, knotenartige Gewebeneubildungen, verursachen, da die Makrophagen unseres Immunsystems die langen Fasern nicht aufnehmen und entfernen können. Kürzere Kohlenstoffnanoröhrchen und solche mit bestimmten Oberflächenmodifizierungen zeigten in anderen Studien dagegen eine deutlich abgemilderte Toxizität.

Das Team um Maurizio Prato, Alberto Bianco und Kostas Kostarelos wollte nun wissen, welche Rolle chemische Modifizierungen bei der Behebung des Toxizitätsrisikos der Röhrchen spielen könnten. Die Wissenschaftler vom University College London (UK), vom CNRS in Straßburg (Frankreich) und der Università di Trieste (Italien) knüpften Kohlenwasserstoffketten bzw. Tri(ethylenglycol)-Ketten als Seitengruppen an die Oberfläche mehrwandiger Kohlenstoffnanoröhrchen und testeten deren Wirkung. Sowohl die unbehandelten als auch die mit Kohlenwasserstoffketten versehenen Röhrchen verursachten bei Mäusen asbestartige Entzündungen und Granulome. Die Kohlenstoffnanoröhrchen mit den Tri(ethylenglycol)-Ketten dagegen nicht.

Die Unterschiede scheinen eine Frage der Aggregation zu sein, da diese die Länge der Röhrchenbündel beeinflusst: Wie Aufnahmen mit dem Transmissionselektronen- und dem Rasterkraftmikroskop belegen, wird die effektive Länge der Röhrchen während der Reaktion, bei der die Tri(ethylenglycol)-Ketten angeknüpft werden, verkürzt, da die einzelnen Röhrchen offenbar voneinander getrennt werden. Und so interagieren sie dann mit dem Gewebe in Form kürzerer, wesentlich hydrophilerer, vereinzelter Fasern. Die unmodifizierten Röhrchen und die mit unpolaren Kohlenwasserstoffen auf ihrer Oberfläche wechselwirken dagegen als längere Bündel einzelner Nanoröhrchen mit dem Gewebe. Die Forscher schließen, dass nur solche Modifikationen die toxikologischen Probleme lindern können, die zu einer Entwirrung der Röhrchen-Bündel führen.

Angewandte Chemie: Presseinfo 03/2013

Autor: Alberto Bianco, CNRS, Institut de Biologie Moléculaire et Cellulaire, Strasbourg (France), mailto:a.bianco@ibmc-cnrs.unistra.fr

Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201207664

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany.

Dr. Renate Hoer | Quelle: GDCh
Weitere Informationen: presse.angewandte.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Damenwahl: Grazer ZoologInnen erforschen, was bei Grillen-Weibchen gut ankommt
23.05.2013 | Karl-Franzens-Universität Graz

nachricht Fütterung bis ins Jugendalter: Fledermaus-Mütter vermitteln akustische Echobilder und Tischmanieren
23.05.2013 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der Klimawandel macht nur Pause


Die Erderwärmung geht weiter, auch wenn die schlimmsten Prognosen weniger wahrscheinlich werden

Die Erderwärmung stellt Klimaforscher immer wieder vor Rätsel, aber eines steht so gut wie fest: In den nächsten Jahrzehnten wird sich die Durchschnittstemperatur auf der Erde weiter erhöhen, auch wenn sie in den Jahren von 2001 bis 2010 deutlich langsamer gestiegen ist als im Jahrzehnt zuvor.

Das belegt die neue ...

Im Focus: Der richtige Blick für Spiegelmoleküle


Eine neue Methode kann links- und rechtshändige Moleküle zuverlässig unterscheiden

Die Chemie des Lebens kennt rechtshändige und linkshändige Moleküle, die ganz unterschiedliche Wirkung haben können. Ein amerikanisch-deutsches Forscherteam hat jetzt eine neue Technik entwickelt, mit der sich diese beiden spiegelbildlichen Varianten eines Stoffs zuverlässig auseinanderhalten lassen.

Die Methode erkennt die sogenannten Enantiomere einer Verbindung im Prinzip sogar in Stoffgemischen. Die Technik ...

Im Focus: Im Niemandsland der Eiskristalle


Simulationen erlauben erstmals Einblicke in die Kristallisation winziger Wassertropfen

Wasser, das zu Eis gefriert, ist Physik im Alltag, aber auch Wissenschaftler lernen darüber immer wieder Neues. So lässt sich erst jetzt auch im Nanometer-Bereich untersuchen, wann dieser Kristallisationsprozess beginnt und wie schnell er bei verschiedenen Temperaturen und Wassertropfen unterschiedlicher Größe verläuft.

Denn Forscher des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung in Mainz ...

Im Focus: Vierfach-Solarzelle mit 43,6 Prozent Wirkungsgrad unter konzentriertem Licht


Neuartige Produktionstechnologie ermöglicht höhere Wirkungsgrade

In einem ambitionierten Industrieprojekt mit der französischen Firma SOITEC arbeitet das Fraunhofer ISE gegenwärtig an einer neuen Generation von Mehrfach-Solarzellen, die das Potenzial haben in Zukunft Wirkungsgrade bis zu 50 % unter konzentriertem Sonnenlicht zu erreichen.

Hierzu werden anstelle der bisher gängigen Dreifach-Solarzellen, die aus Halbleitermaterialien der Gruppen III und ...

Im Focus: Optimiert packen, planen, produzieren – und Ressourcen effizient nutzen


Fraunhofer SCAI zeigt aktuelle Software und Dienstleistungen auf der Messe »transport logistic« in München.

Zur Messe »transport logistic« in München präsentiert das Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen SCAI seine Software-Lösungen und Dienstleistungen auf dem Gebiet der Optimierung. Mit dabei ist die jüngste Version der Software PackAssistant, die weltweit von Unternehmen erfolgreich für die 3D-Verpackungsplanung eingesetzt wird.

PackAssistant berechnet die optimierte Befüllung von Behältern ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Alzheimer: Mit 3D-Chip der Krankheit auf der Spur

23.05.2013 | Medizintechnik

Damenwahl: Grazer ZoologInnen erforschen, was bei Grillen-Weibchen gut ankommt

23.05.2013 | Biowissenschaften Chemie

Detecting mirror molecules

23.05.2013 | Physik Astronomie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

12. Heilbronner Strategie & Controlling Forum: Strategien und Steuerung von Unternehmen

23.05.2013 | Veranstaltungsnachrichten

Veranstaltungen in Leipzig stärken den Unternehmergeist

23.05.2013 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierte Logistik senkt Kosten in der Windenergie

23.05.2013 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp