Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens     3M    n-tv
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Mit Killerzellen gegen Leukämie

15.02.2013
Berner Forscher haben erstmals den Einfluss von Abwehrzellen auf Leukämie-Stammzellen untersucht. Sie konnten zeigen, dass chronisch myeloische Leukämie (CML) erfolgreich mit einer Killerzellen-Therapie bekämpft werden kann – wenn diese im richtigen Stadium der Krankheit angewendet wird.

Anzeige

Die chronisch myeloische Leukämie (CML) ist eine Erkrankung, die durch eine starke Vermehrung von weissen Blutkörperchen im Blut und Knochenmark gekennzeichnet ist. Sie betrifft insbesondere Erwachsene und insgesamt etwa 20 Prozent aller Leukämie-Patienten. In der Schweiz entspricht dies ungefähr 160 Erkrankungen pro Jahr.


Neue tumorspezifische Medikamente, so genannte Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI), haben die Therapie der CML in den letzten Jahren revolutioniert und wesentlich zur Verbesserung Lebensqualität der Betroffenen beigetragen. Eine vollständige Heilung der chronisch myeloischen Leukämie mittels TKI ist jedoch nach wie vor nicht möglich: Nach Absetzen der Therapie erleiden die meisten Patienten einen Rückfall.

Grund dafür sind Leukämie-Stammzellen, welche sehr resistent sind gegen Chemotherapie, Strahlentherapie und TKI. Neue Therapieansätze müssen daher auf die Eliminierung der Leukämie-Stammzellen abzielen. Berner Forscher haben nun erstmals den Einfluss von T-Zellen des Immunsystems, die Krankheitserreger abwehren, untersucht.

«Die Immuntherapie könnte eine Möglichkeit darstellen, die Leukämie-Stammzellen – und damit die chronische myeloische Leukämie – zu behandeln», erklärt Dr. Christian Schürch vom Departement Klinische Forschung und dem Institut für Pathologie der Universität Bern.

Die Immunkontrolle bestimmter Tumore ist ein aktiv erforschtes Gebiet, und Immuntherapien gegen Leukämien befinden sich bereits in der klinischen Entwicklung. Ungeachtet dessen wurde bisher die Wechselwirkung zwischen T-Killerzellen und Leukämie-Stammzellen noch nicht untersucht.

Therapie nur im Frühstadium der Leukämie erfolgreich

«In unserer Studie konnten wir am Tiermodell zeigen, dass T-Killerzellen in einem Frühstadium der Leukämie die Leukämie-Stammzellen erkennen und abtöten können», führt Schürch aus. Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium war die T-Killerzell-Therapie jedoch nicht erfolgreich, sondern hatte paradoxerweise eine Progression der Leukämie zur Folge.

Hauptverantwortlich für dieses Phänomen sei der durch die T-Killerzellen produzierte Botenstoff Interferon-gamma, welcher die Teilung der Leukämie-Stammzellen anrege und zu deren Vermehrung führe.

Die präklinischen Ergebnisse zeigen, dass T-Killerzellen erfolgreich zur Behandlung der Leukämie auf der Ebene von Leukämie-Stammzellen eingesetzt werden könnten. Die Relevanz dieser Ergebnisse konnten durch Experimente mit Leukämie-Stammzellen von CML-Patienten bestätigt werden.

«Voraussetzung wäre, dass die T-Killerzell-Therapie in einem frühen Krankheitsstadium oder aber nach einer zu Beginn der Behandlung durchgeführten Chemotherapie erfolgt», so Schürch. «Die Blockierung des Botenstoffes Interferon-gamma stellt ausserdem eine weitere vielversprechende Möglichkeit dar, die Leukämie-Stammzellen direkt anzugreifen, was die heutigen Behandlungsmethoden ergänzen könnte.»


Bibliographische Angaben

Christian Schürch, Carsten Riether, Michael A. Amrein, Adrian F. Ochsenbein: Cytotoxic T cells induce proliferation of chronic myeloid leukemia stem cells by secreting interferon-γ, The Journal of Experimental Medicine, 11. Februar 2013, doi: 10.1084/jem.20121229, in press.

Nathalie Matter | Quelle: Universität Bern
Weitere Informationen: www.unibe.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht DNA-Variante beeinflusst Diabetesrisiko und Behandlungserfolg
17.05.2013 | Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

nachricht Aus zwei wird drei: In Deutschland kommt eine dritte Ringelnatter vor
17.05.2013 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetische Fingerabdrücke von supraflüssigem
Helium-3


Supraleitungssensoren der PTB ermöglichen hochempfindliche Messungen der magnetischen Kernresonanz dünner Helium-3-Schichten - aktuelle Veröffentlichung in Science

Tieftemperatur-Spezialisten der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) haben mit ihren SQUIDs dazu beigetragen, dass die magnetischen Momente von Atomen des seltenen Isotopes 3He (Helium-3) extrem empfindlich gemessen werden konnten. Mithilfe dieser Sensoren wurden hochempfindliche Kernresonanzspektrometer entwickelt, die jetzt tiefe Einblicke in den Zustand der Materie bei extrem tiefen Temperaturen lieferten.

Konkret sperrte ...

Im Focus: Meeresspiegel: Ein Drittel seines Anstiegs kommt von schmelzenden Gebirgsgletschern


Gut 99 Prozent des gesamten Eises an Land ist in den riesigen Eisschilden der Antarktis und Grönlands gespeichert, nur knapp ein Prozent dagegen in Gletschern.

Die Schmelzwasser dieser Gletscher trugen im Zeitraum 2003 bis 2009 etwa genauso viel zum Anstieg des Meeresspiegels bei, wie die beiden Eisschilde: rund einen Drittel. Dies ist eines der Resultate einer internationalen Studie mit Beteiligung von UZH-Geographen.

Wieviel alle Gletscher zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen, wurde noch nie so genau ...

Im Focus: Mehr Bewegungsfreiheit: Ultraschallkopf ohne Kabel


Siemens hat das weltweit erste kabellose Ultraschallgerät vorgestellt. Der Schallkopf ist mit einer Hand gut bedienbar und überträgt das Ultraschallbild per Radiofrequenz auf den Bildschirm.

Das Fehlen der Kabel ist vor allem bei Operationen oder interventionellen Eingriffen von Vorteil, wo beispielsweise Nadeln mit Hilfe von Ultraschall visualisiert werden. Die Kabel am Schallkopf behindern die Person, die das Gerät bedient, und sie können trotz steriler Schutzhüllen ein Infektionsrisiko darstellen.

Das kabellose Acuson Freestyle arbeitet bis zu ...

Im Focus: Bahnbetrieb optimieren mit großem Touch-Display


Siemens will mit einem großen Touch-Display Bahnbetreibern helfen, Störungen besser zu bewältigen.

Das Display mit rund 1,50 Metern Diagonale veranschaulicht alle Daten und Fakten, um Entscheidungen treffen zu können. Herzstück der Lösung ist eine Software, die mit Hilfe mathematischer Optimierungsalgorithmen bisher entkoppelte Systeme wie Wartung oder Zugdisposition vernetzt.

Bisher reagieren einzelne Abteilungen von Bahnbetreibern weitgehend unabhängig auf Störfälle, weil sie über das ...

Im Focus: Neuer Weltrekord bei der Datenübertragung per Funk


Forschern des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Festkörperphysik IAF und des Karlsruher Instituts für Technologie KIT ist es gelungen, 40 Gbit/s bei 240 GHz und über eine Entfernung von einem Kilometer per Funk zu übertragen.

Mit ihrer jüngsten Demonstration haben sie einen neuen Weltrekord erzielt und knüpfen damit erstmals nahtlos an die Kapazität von Glasfaser an. Solche Richtfunkstrecken könnten zukünftig Lücken in der Versorgung mit Breitband-Internet schließen, indem die drahtlosen Links das Netz an schwer zugänglichen Stellen oder im ländlichen Raum ergänzen.

Digital, mobil und ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

DNA-Variante beeinflusst Diabetesrisiko und Behandlungserfolg

17.05.2013 | Biowissenschaften Chemie

Aus zwei wird drei: In Deutschland kommt eine dritte Ringelnatter vor

17.05.2013 | Biowissenschaften Chemie

New method proposed for detecting gravitational waves from ends of universe

17.05.2013 | Physik Astronomie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

Internationale Informatikkonferenz ICCS 2013

17.05.2013 | Veranstaltungsnachrichten

Herausforderungen des demografischen Wandels

17.05.2013 | Veranstaltungsnachrichten

Die 16 besten Nachwuchschemikerinnen und -chemiker Deutschlands treffen sich in Kiel

17.05.2013 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp