Anzeige
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Deutsche Krebshilfe e. V. fördern die deutsche ICGC-Beteiligung über fünf Jahre mit 15 Millionen Euro.
Hirntumoren sind Hauptursache der Krebssterblichkeit im Kindesalter. Selbst wenn eine Heilung erreicht werden kann, leiden die Kinder oft sehr unter der belastenden Behandlung, die das heranwachsende Gehirn in seiner Entwicklung beeinträchtigen kann.
Zielgerichtete, schonende Therapieverfahren sind daher dringend erforderlich. Die wichtigsten Hirntumoren bei Kindern sind das Medulloblastom, an dem in Deutschland etwa hundert kleine Patienten jährlich erkranken, sowie das pilozytische Astrozytom, das jedes Jahr bei etwa 200 Kindern diagnostiziert wird. "Gerade bei diesen beiden Erkrankungen haben wir im Deutschen Krebsforschungszentrum schon gute Vorarbeiten geleistet und verfügen bereits über umfangreiche Sammlungen an Tumorproben", erklärt Professor Peter Lichter, der Sprecher des deutschen ICGC-Verbunds.
Der deutsche ICGC-Forschungsverbund wird von beiden Erkrankungen jeweils 300 Tumorproben analysieren. Dazu kommt die gleiche Anzahl von gesunden Proben derselben Patienten, um Veränderungen als krebsspezifisch erkennen zu können. Bei den häufigeren Krebserkrankungen der Erwachsenen sehen die ICGC-Regularien sogar die Untersuchung von 500 Proben jeder Krebsart vor.
Ausschlaggebend für den Start des Internationalen Krebsgenomkonsortiums waren amerikanische Studien an Dickdarm- und Brustkrebs, die zeigten, dass in jedem einzelnen Tumor wesentlich mehr Mutationen für die Krebsentstehung entscheidend sind als bislang vermutet. Außerdem unterscheiden sich die individuellen Tumoren ein- und derselben Krebsart erheblich in ihrem Mutationsprofil. Dadurch ergeben sich für die individuelle Krebserkrankung möglicherweise ganz neue Therapieansätze, in manchen Fällen könnte auch ein Cocktail aus mehreren zielgerichteten Medikamenten die Heilungschancen verbessern.
Verteilte Aufgaben: Sammeln, Sequenzieren, Analysieren
Die verschiedenen Aufgaben des deutschen ICGC-Verbunds werden von international ausgewiesenen Experten geleitet. Das gemeinsame Ziel ist es, die Tumoren möglichst umfassend molekular zu analysieren. So sollen neben Ansatzpunkten für neue, zielgerichtete Therapien auch etwa Biomarker identifiziert werden, die frühere und präzisere Diagnosen ermöglichen. Außerdem erwarten die Forscher molekulare Hinweise auf die Wirksamkeit bestimmter Therapien und auf zu erwartende Nebenwirkungen. "Gerade bei Kindern müssen Behandlungen, die nicht anschlagen, dringend vermieden werden, denn sie leiden besonders unter den gefährlichen Spätfolgen von Strahlen- und Chemotherapien", erklärt der Kinderarzt und Molekularbiologe Stefan Pfister, einer der Projektleiter.
Die Forscher erfassen nun mit verschiedenen Methoden die Sequenz (Reihenfolge) der Bausteine der DNA im Kern der Zellen. Gesondert analysiert wird die Sequenz solcher DNA-Abschnitte, die Bauanleitung für Proteine enthalten. Ein weiteres Teilprojekt prüft, welche Bereiche der DNA durch chemische Markierungen, so genannte epigenetische Mutationen, stillgelegt sind. Wiederum eine andere Forschergruppe untersucht die kleinen RNA-Moleküle, die die Aktivität einzelner Gene regeln.
"Teile der Sequenzier-Arbeiten werden wir an spezialisierte Unternehmen als Auftrag vergeben. In einer Pilotphase haben wir dies bereits mit der Firma GATC Biotech AG in Konstanz erprobt", erklärt Peter Lichter. "Die rasante technische Entwicklung lässt die Preise für die DNA-Sequenzierung kontinuierlich fallen, daher schreiben wir immer nur für sechs Monate aus und können so die Kosten für das Gesamtprojekt senken."
An dem ehrgeizigen Forschungsvorhaben sind Wissenschaftler aus fünf führenden Forschungseinrichtungen in Heidelberg beteiligt: Aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum, dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), der Universität und dem Universitätsklinikum sowie dem European Molecular Biology Laboratory (EMBL). Außerdem übernehmen Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Düsseldorf und vom Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin Aufgaben im Verbundprojekt.
Datenmanagement beim Krebsgenomprojekt: keine leichte Aufgabe
Eine besondere Herausforderung stellt die Analyse und Speicherung der unvorstellbaren Datenmengen dar, die im Laufe des internationalen Krebsgenomprojektes erzeugt werden. Das Erbgut einer Zelle ist aus rund drei Milliarden Bausteinen zusammengesetzt, die bei den verschiedenartigen Analysen bis zu 30-fach erfasst werden, um die Qualität der Ergebnisse abzusichern. Alle Daten der deutschen ICGC-Projekte laufen bei Professor Roland Eils, dem stellvertretenden Sprecher des Verbunds, zusammen. Eils, der am Deutschen Krebsforschungszentrum die Abteilung Theoretische Bioinformatik leitet, baut dazu am BioQuant-Zentrum der Universität Heidelberg eine der weltweit größten Datenspeichereinheiten für die Lebenswissenschaften auf. Die Mittel dafür - einige Millionen Euro - stellen der Bund und das Land Baden-Württemberg zur Verfügung. Die Kapazität der Anlage wird mehrere Petabytes betragen - ein Petabyte entspricht einer Million Gigabytes - eine Eins mit 15 Nullen!
Verbundsprecher Peter Lichter ist überzeugt, dass sich der Aufwand lohnt: "Unsere eigenen Vorarbeiten und die hervorragende Vernetzung von Klinik und Forschung hier in Heidelberg lassen gerade bei Hirntumoren von Kindern rasch Ergebnisse erwarten, die die Behandlung der kleinen Patienten grundlegend verbessern können."
Teilprojekte und Projektverantwortliche im "PedBrainTumor"-Konsortium:
o Koordination: Peter Lichter, Deutsches Krebsforschungszentrum (Stellvertreter: Roland Eils)
o Gewebebank: Andrey Korshunov, Hendrik Witt, Stefan Pfister, Deutsches Krebsforschungszentrum und Universitätsklinikum Heidelberg
o Pathologie und Qualitätskontrolle: Guido Reifenberger, Universitätsklinikum Düsseldorf
o Isolierung der Analyseprodukte (DNA, RNA): Christof von Kalle, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg
o Sequenzieren der genomischen DNA: Stefan Pfister, Peter Lichter, Deutsches Krebsforschungszentrum
o Paired end mapping: Jan Korbel, European Molecular Biology Laboratory
o Analyse des Methylierungsstatus: Bernhard Korn, Bernhard Radlwimmer, Deutsches Krebsforschungszentrum
o Transkriptom: Marie-Laure Yaspo, Hans Lehrach, Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik, Berlin
o Analyse kleiner RNAs: Pablo Landgraf, Arndt Borkhardt, Guido Reifenberger, Universitätsklinikum Düsseldorf
o Bioinformatik: Benedikt Brors, Roland Eils, Deutsches Krebsforschungszentrum und Universität Heidelberg
o Datenmanagement: Roland Eils, Universität Heidelberg und Deutsches Krebsforschungszentrum
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland und Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. Über 2.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, davon 850 Wissenschaftler, erforschen die Mechanismen der Krebsentstehung und arbeiten an der Erfassung von Krebsrisikofaktoren. Sie liefern die Grundlagen für die Entwicklung neuer Ansätze in der Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert.
Dr. Stefanie Seltmann | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.dkfz.de
Weitere Berichte zu: Bildung und Forschung > Bioinformatik > Centrum für Tumorerkrankungen > Deutsches Krebsforschungszentrum > DNA > Forschungseinrichtung > Genetik > Hirntumor > Krebsart > Krebsentstehung > Krebserkrankung > Krebsgenomprojekt > Molecular Biology > Molecular Target > Mutation > Petabyte > RNA > Sequenz > Sequenzieren > synthetic biology
Newly discovered breast milk antibodies help neutralize HIV
23.05.2012 | Duke University Medical Center
Scientists unravel role of fusion gene in prostate cancer
23.05.2012 | New York- Presbyterian Hospital/Weill Cornell Medical Center/Weill Cornell Medical College
Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.
Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.
Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...
Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen
Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...
Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.
Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.
Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...
Ein neuer Sonderforschungsbereich (SFB) an der Philipps-Universität geht der einzigartigen Fähigkeit von Mikroorganismen auf den Grund, sich ständig an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den SFB 987 mit dem Titel "Mikrobielle Diversität in der umweltabhängigen Signalantwort" in den kommenden vier Jahren mit voraussichtlich mehr als sieben Millionen Euro.
„Die erfolgreiche Beantragung des neuen Sonderforschungsbereichs belegt einmal mehr die exzellenten wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Mikrobiologie am Standort Marburg“, erklärt Professor Dr. Frank Bremmer, der Marburger Uni-Vizepräsident für Forschung. „Die Einrichtung des SFB wird Marburgs Stellung als zentraler Ort der mikrobiologischen Forschung festigen und deren internationale Sichtbarkeit weiter erhöhen.“ ...
Erosion in tropischen Küstenregionen führt zum schnellen Tod der Korallen
Die Farbigkeit, Vielfalt und Exotik der tropischen Korallenriffe fasziniert viele Menschen weltweit. Und doch sind es die Folgen unserer Zivilisation, die dieses fragile Ökosystem bedrohen durch Klimaerwärmung, Sauerstoffmangel und Ozeanversauerung. Fortschreitende Industrialisierung, Waldrodungen und intensive Landwirtschaft in küstennahen Gebieten führen zu Erosion und verändern die Lebensbedingungen im Meer dramatisch.
Jetzt ...
Anzeige
Anzeige

23.05.2012 | Energie und Elektrotechnik
Nano-Müll lässt sich nicht verbrennen
23.05.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz
Nea Kameni volcano movement captured by Envisat
23.05.2012 | Geowissenschaften
Jeder Mensch ist anders - Nutzen der individualisierten Medizin
23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
14th Leibniz Conference of advanced science „Sensorsysteme 2012“
23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Exklusive Kontakte beim Investforum
23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten