Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Innovative Diagnostik: Neues Verfahren zur fluoreszenz-tomographischen Darstellung von Tumoren in lebenden Tieren

10.12.2008
Am Helmholtz-Zentrum München und an der Technischen Universität München hat das Institut für Biologische und Medizinische Bildgebung unter Leitung von Professor Vasilis Ntziachristos ein neues Verfahren zur optimierten Darstellung fluoreszenz-tomographischen Darstellung von Tumoren mit Hilfe von early arriving photons entwickelt.

Anzeige

Diese Photonen in Kombination mit einem 360-Grad-Detektor liefern - verglichen mit einer kontinuierlichen Bestrahlung - deutlich schärfere und aussagekräftigere Bilder der untersuchten Objekte.


Fluoreszierende Moleküle sind Substanzen, die zur Emission von Licht angeregt werden können. Diese erweisen sich seit vielen Jahren sowohl in der biologischen Forschung als auch in medizinischer Diagnostik als äußerst nützliche Hilfsmittel. Mittels Fluoreszenz lassen sich zum Beispiel die Regulation und Expression von Genen untersuchen, Proteine in Zellen und Geweben lokalisieren, Stoffwechselprozesse verfolgen und die Dynamik von Zellen analysieren. Eine besondere Bedeutung erhält die Fluoreszenzbildgebung in Verbindung mit neuartigen tomografischen Verfahren zur dreidimensionalen Darstellung von Objekten in lebenden Organismen.

Da in Geweben Photonen ab einer Eindringtiefe von nur wenigen hundert Mikrometern stark durch Zellmembranen und Organellen gestreut werden, ist die Qualität der Bilder von Natur aus eingeschränkt. Daher entstehen nur relative unscharfe Bilder.

In der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences beschreiben Prof. Ntziachristos und sein Team zusammen mit Kollegen der Harvard Medical School und des Massachusetts General Hospital in Boston, USA, den Einsatz von so genannten early arriving photons in tomographischen Verfahren. Diese Photonen sind die ersten, die nach einer Bestrahlung von Gewebe mit ultrakurzen Photonen-Impulsen am Detektor ankommen. Im Vergleich zu späteren ankommenden Photonen werden sie verhältnismäßig wenig gestreut und liefern in Kombination mit einem 360-Grad-Detektor - verglichen mit einer kontinuierlichen Bestrahlung - deutlich schärfere und aussagekräftigere Bilder der untersuchten Objekte.

Die Wissenschaftler untersuchten mit dieser "Early Photon Tomographie (EPT)" genannten Methode Lungentumore in lebenden Mäusen. Dazu wird den Tieren eine Substanz injiziert, die normalerweise nicht fluoresziert, jedoch nach Kontakt mit bestimmten Cystein-Proteasen, wie zum Beispiel Cathepsinen, fluoreszierende Eigenschaften bekommt. Lungentumore weisen eine erhöhte Menge dieser Proteasen auf und erlauben daher eine Fluoreszenz-Darstellung des Tumorgewebes.

Vergleichsuntersuchungen mit der herkömmlichen Röntgen-Computertomografie zeigten, dass die EPT nicht nur eine sehr sensitive Methode zur Darstellung von Lungentumoren in lebenden Organismen ist, sondern zusätzlich biochemische Veränderungen in benachbarten Gewebearealen darstellen kann, die durch die Tumorerkrankung entstanden sind und die durch konventionelle Röntgen-Tomografie nicht erfasst werden können.

Die "Early arriving photons" liefern typischerweise schwächere Signale, dennoch konnten die Autoren zeigen, dass aufgrund einer Weitfeld-Implementierung die EPT nur eine sehr geringe Abschwächung der durchschnittlichen Signalstärke aufweist. Die Methode ist derzeit zwar nur für kleine Tiere anwendbar. Die Übertragung auf größere Organismen und Menschen ist aufgrund technischer Weiterentwicklung nach Meinung der Wissenschaftler durchaus möglich.

Veröffentlichung:

Niedre, M.J., de Kleine, R.H., Aikawa, E., Kirsch, D.G., Weissleder, R., Ntziachristos, V. (2008): Early photon tomography allows fluorescence detection of lung carcinomas and disease progression in mice in vivo. Proceedings of the National Academy of Sciences; Published online before print November 17, 2008, doi: 10.1073/pnas.0804798105

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Vasilis Ntziachristos

Helmholtz Zentrum München
Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt
Institut für Biologische und Medizinische Bildgebung (IBMI)
Ingolstädter Landstraße 1
85764 Neuherberg
Tel.: 089-3187-3852
E-Mail: v.ntziachristos@helmholtz-muenchen.de

Technische Universität München
Lehrstuhl für Biologische Bildgebung
Ismaninger Str. 22
81675 München
Tel.: 089-4140-6747
E-Mail: v.ntziachristos@tum.de

Michael van den Heuvel | Quelle: Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen: www.helmholtz-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Newly discovered breast milk antibodies help neutralize HIV
23.05.2012 | Duke University Medical Center

nachricht Scientists unravel role of fusion gene in prostate cancer
23.05.2012 | New York- Presbyterian Hospital/Weill Cornell Medical Center/Weill Cornell Medical College

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Im Focus: Mikroben kennen nur eine Konstante: Veränderung!


Ein neuer Sonderforschungsbereich (SFB) an der Philipps-Universität geht der einzigartigen Fähigkeit von Mikroorganismen auf den Grund, sich ständig an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den SFB 987 mit dem Titel "Mikrobielle Diversität in der umweltabhängigen Signalantwort" in den kommenden vier Jahren mit voraussichtlich mehr als sieben Millionen Euro.

„Die erfolgreiche Beantragung des neuen Sonderforschungsbereichs belegt einmal mehr die exzellenten wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Mikrobiologie am Standort Marburg“, erklärt Professor Dr. Frank Bremmer, der Marburger Uni-Vizepräsident für Forschung. „Die Einrichtung des SFB wird Marburgs Stellung als zentraler Ort der mikrobiologischen Forschung festigen und deren internationale Sichtbarkeit weiter erhöhen.“ ...

Im Focus: Schnelles Korallensterben


Erosion in tropischen Küstenregionen führt zum schnellen Tod der Korallen

Die Farbigkeit, Vielfalt und Exotik der tropischen Korallenriffe fasziniert viele Menschen weltweit. Und doch sind es die Folgen unserer Zivilisation, die dieses fragile Ökosystem bedrohen durch Klimaerwärmung, Sauerstoffmangel und Ozeanversauerung. Fortschreitende Industrialisierung, Waldrodungen und intensive Landwirtschaft in küstennahen Gebieten führen zu Erosion und verändern die Lebensbedingungen im Meer dramatisch.

Jetzt ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Komplexität beherrschen

23.05.2012 | Energie und Elektrotechnik

Nano-Müll lässt sich nicht verbrennen

23.05.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Nea Kameni volcano movement captured by Envisat

23.05.2012 | Geowissenschaften

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

Jeder Mensch ist anders - Nutzen der individualisierten Medizin

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

14th Leibniz Conference of advanced science „Sensorsysteme 2012“

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Exklusive Kontakte beim Investforum

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp