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Hunderte identische polare Tierarten entdeckt

16.02.2009
Census of Marine Life geht in Schlussphase

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Internationale Wissenschaftsteams haben in den Gewässern des Südpols und des Nordpols hunderte identische Arten entdeckt. Trotz der 11.000 Kilometer Distanz zwischen den beiden Polen konnten nach ersten Schätzungen 235 mehrzellige Tierarten gefunden werden, die in beiden Regionen vorkommen.


In der "Synthesephase" des Census of Marine Life, das 2010 auslaufen wird, werden intensive Vergleiche zwischen den beiden polaren Ozeanen gemacht.

"Eigentlich ist das eine wissenschaftliche Sensation", meint Julian Gutt, Experte für Antarktis-Forschung am Alfred-Wegener-Institut im pressetext-Interview. Vergleiche man etwa die Evolution der Darwin-Finken auf den engen Raum der Galapagos-Inseln miteinander, ist das eine immense Entfernung von Pol zu Pol. "Dabei reicht die Artenanzahl von Wirbellosen bis hin zu Walen und Seevögeln", erklärt der Wissenschaftler. Eine endgültige Bewertung, wie viele Arten es in beiden Regionen gibt, könne man derzeit allerdings noch nicht abgeben, meint Gutt. Genetische Analysen könnten diese Zahl sowohl deutlich nach oben, aber auch etwas nach unten bewegen.

Untersucht wird im Zuge des Census of Marine Life auch die Biodiversität der beiden Regionen. "Die Arktis, deren Biodiversität etwas niedriger ist, ist wesentlich besser und genauer untersucht", meint Rolf Gradinger von der University of Alaska in Fairbanks http://www.uaf.edu gegenüber pressetext. "Mit dem Plankton beträgt die Zahl der Arten in der Antarktis etwa 25.000", meint Gutt. In der Arktis komme man ungefähr auf die Hälfte. "In der Tiefsee leben vergleichsweise etwa eine bis neun Mio. Arten, am Korallenriff etwa eine Mio., wobei nur 300.000 bekannt sind. Wie man anhand der Zahlen sieht, sind die Unsicherheiten sehr groß." Gründe, warum in der Antarktis die Biodiversität höher ist, liegen unter anderem im historischen Wechsel zwischen Eis- und Warmzeiten. Diese Tatsache erhöhe die Artenvielfalt.

Beide Forscher warnen hingegen vor den Folgen der Klimaveränderungen und damit auch auf die Auswirkungen auf die Biodiversität. "Während in der Antarktis die Luft in einzelnen Teilen deutlich über dem globalen Durchschnitt steigen, bleibt die Erwärmung generell ein regionales Phänomen", so Gutt. Eines der Schlüsselerlebnisse sei allerdings der Rückgang des antarktischen Krills um 40 bis 80 Prozent. Der Krill spiele in der Nahrungskette der Antarktis eine wesentliche Rolle. "Einen dramatischen Wandel konnten wir auch am Schelfeis feststellen, wo 16.000 Quadratkilometer Eis bereits abgebrochen sind." Für das dortige Leben ist das eine Katastrophe, aber die Fläche entspreche glücklicherweise zur Zeit nur einem Prozent der gesamten Schelfeisfläche, meint der Wissenschaftler.

"Die Veränderung in der Arktis ist hingegen wesentlich stärker, denn die polaren arktischen Arten werden von subpolaren verdrängt", erklärt Gradinger. Das sei deswegen bedrohlich, weil der Nahrungswert der pelagischen Krebse, die eine ähnliche Rolle wie der Krill spielen, aufgrund geringerer Lipidwerte deutlich geringer ist. "Das heißt in der Nahrungskette steht eine geringere Qualität zur Verfügung." Ein weiteres Phänomen sei die Ausbreitung von pazifischen Arten Richtung Norden vor der amerikanischen Küste. "So breitet sich der amerikanische Lachs und auch die Snow-Crab immer weiter nach Norden hin aus und verändern die Struktur des Systems." Das habe auch Auswirkungen für die kommerzielle Fischerei, erklärt der Wissenschaftler abschließend im pressetext-Interview.

Wolfgang Weitlaner | Quelle: pressetext.austria
Weitere Informationen: www.coml.org
www.awi.de

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