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High-Tech-Pforte in die Welt der Biene

02.03.2009
Eine Lernplattform über Bienen - davon träumt Professor Jürgen Tautz schon lange. Jetzt wurde die Projektidee der Würzburger BEEgroup in einem Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung als eine der innovativsten zur Vermittlung von Wissenschaft ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld von 10 000 Euro kann das Pilotprojekt nun starten.

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Kreative und originelle Ideen, die dazu beitragen, einer breiten Öffentlichkeit und besonders Schülerinnen und Schülern die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung näher zu bringen, waren gefragt im Hochschulwettbewerb "Alltagstauglich?", den das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Wissenschaftsjahr 2009 ausgelobt hat. Und mit "HOBOS - HOneyBee Online Studies" bieten die Bienenforscher vom Biozentrum der Universität Würzburg eine Lernplattform an, die nicht nur - wie bislang üblich - den selbständigen Erwerb von Fachwissen ermöglicht. Das Innovative ist vor allem, dass man damit auch wissenschaftliches Denken und Arbeiten lernen kann, sagt Jürgen Tautz.


Die Honigbiene steht für die Schüler auf der ganzen Welt auf dem Lehrplan. Und tatsächlich sei dieses Tier ein hervorragendes Studienobjekt, ist Jürgen Tautz überzeugt: "Die Biene verfügt über ein hohes Sympathiepotential". Auch wegen ihrer "höchst fesselnden Lebensweise" sei sie wie kein anderer Organismus geeignet, "komplexe Zusammenhänge im Naturgefüge zu erfahren und zu durchdringen". Dennoch konnten Schüler bislang nur sehr begrenzt Einblick in das Bienen-Leben nehmen: In der Regel wird das Unterrichtswissen noch mithilfe von Büchern vermittelt. "Und selbst wenn die Schule ein eigenes Bienenvolk hat, kann man eigentlich nur sehen, wie Bienen fliegen."

Mit HOBOS - der High-Tech-Pforte in die Welt der Honigbiene, wollen die Wissenschaftler den Schülerinnen und Schülern weltweit einen Zugang zum Leben der Biene verschaffen, wie ihn ansonsten nur gut ausgestattete Forschungsinstitute haben. Für das Projekt werden die Bienen nummeriert und mit einem Mikro-Chip ausgestattet. Über webcams und verschiedenste andere Sensoren, die im Stock installiert sind, können die Jugendlichen dann vom Schulcomputer aus die Bienenvölker "in einer Genauigkeit und Tiefe studieren, wie es auch durch eine direkte Beobachtung nicht möglich wäre": Zum Beispiel könnten sie im einfachsten Ansatz verfolgen, wann die Sonne aufgeht und wann dann die ersten Bienen fliegen, erklärt Tautz. Oder sie vollziehen die Gewichtsbewegungen im Bienenstock nach: Wie viel wiegt der Stock, ja sogar jede einzelne Biene, nachdem die Bienen morgens rausgegangen sind und wie viel, wenn sie abends, mit viel Nektar im Kropf und Pollen an den Beinchen, zurückkehren?

Die Nachwuchsforscher können sich aber auch Daten von verschiedensten Sensoren im Bienenstock zeigen lassen, um dann beispielsweise in Erfahrung zu bringen, welche Bienen ab 15 Grad Außentemperatur ausgeflogen sind und ob diese sich immer so verhalten. Darüber hinaus lernen sie auch, wie mit wissenschaftlichen Daten umzugehen ist und wie Fragestellungen entwickelt werden.

Mit der Lernplattform soll den Schülerinnen und Schülern eine Beschäftigung mit der Honigbiene ermöglicht werden, die von einfachen Beobachtungen zur Biologie des Tieres bis hin zu mehrjährigem wissenschaftlichen Arbeiten, wie es zum Beispiel in der neuen gymnasialen Oberstufe in Bayern gefordert wird, reichen kann. Mit HOBOS, so ist Tautz überzeugt, "gehen wir neue Wege und schaffen eine Situation, die für alle Schultypen, Schwierigkeitsgrade und Gruppengrößen eine Lernbasis bietet, an die ein klassischer faktenvermittelnder Schulunterricht ebenso angelehnt werden kann wie anspruchsvolle Projekte, die eigenständiges Arbeiten und forschendes Lernen fördern."

HOBOS wird in Deutsch und Englisch aufgelegt. Am Pilotprojekt, das am 1. Juni 2009 startet, sind zwölf Schulen in neun Partnerländern beteiligt - in China, Deutschland, Italien, Jordanien, Luxembourg, Nordirland, Schweiz, Südafrika und USA. Getragen wird es von der BEEgroup, einer Arbeitsgruppe am Biozentrum der Universität Würzburg, in der sich alles um die Honigbiene dreht. Die Wissenschaftler betreiben Grundlagenforschung an Bienen. Sie arbeiten aber auch daran, ihr Wissen um die Biene einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln.

Kontakt: Professor Jürgen Tautz, E-Mail: tautz@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Margarete Pauli | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.beegroup.de
www.uni-wuerzburg.de

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