Anzeige
Bei Patienten, die unter der Erbkrankheit LAD III (Leukozytenadhäsionsdefizienz III) leiden, ist ihnen dieser Weg versperrt. Die Ursache des Defekts klärten nun Forscher des Max-Planck-Instituts für Biochemie gemeinsam mit Wissenschaftlern der LMU München und des Cancer Research UK London Research Instituts auf: Damit sich Leukozyten an Blutgefäßwände anheften können, ist das Protein Kindlin-3 notwendig - fehlt es, ist eine Auswanderung der Leukozyten ins Gewebe nicht möglich.
Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) sind Zellen des Immunsystems, zu deren Aufgabe es gehört, Krankheitserreger abzuwehren. Die Nutzung der Blutgefäße als Transportwege ermöglicht ihnen einerseits, größere Bereiche des Körpers schnell nach Krankheitserregern abzusuchen. Andererseits stehen sie dadurch vor einem prinzipiellen Problem: Infektionen entstehen meistens nicht in den Blutgefäßen, sondern in den umliegenden Geweben. Sie müssen also die Blutgefäße an der richtigen Stelle verlassen, um die Krankheitserreger zu bekämpfen. Auf der Suche nach Anzeichen für Infektionen rollen die Leukozyten an den Zellen der Gefäßwand (Endothelzellen) entlang und nehmen mit diesen zunächst nur losen Kontakt auf. Werden sie durch Signalstoffe auf den Endothelzellen alarmiert, docken sie fest an die Gefäßwand an und quetschen sich anschließend ins umliegende Gewebe durch.
Eine wesentliche Rolle spielen dabei sogenannte Integrine, eine Familie von Proteinen, die auf der Oberfläche von nahezu allen Zellen vorhanden ist. Ein Team von Wissenschaftlern der Abteilung "Molekulare Medizin" am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried untersucht unter der Leitung von Reinhard Fässler seit einiger Zeit diese Proteine. Damit Leukozyten aus den Blutgefäßen ins Gewebe einwandern können, müssen sie an der Gefäßwand "den Anker werfen" und zum Stillstand kommen, indem die Integrine als "Ankermoleküle" aktiviert werden. Funktioniert das Anheften an die Gefäßwand nicht, werden die Zellen vom Blutstrom weitergezogen. "Für die korrekte Funktion von Leukozyten und Blutplättchen ist die Integrin-Aktivierung ein zentraler Vorgang", erklärt Max-Planck-Forscher Markus Moser.
Schwere Infektionen und die Neigung zu Blutungen sind typische Symptome der seltenen rezessiv vererbten Krankheit LAD III (Leukozytenadhäsionsdefizienz III). LAD III wird durch eine Genmutation verursacht, aufgrund derer die Leukozyten nicht an die Gefäßwand andocken können. Zwar sind die Integrine auf der Oberfläche der Leukozyten von LAD III Patienten vorhanden, aber diese können nicht aktiviert werden. Welcher Gendefekt für diesen Fehler verantwortlich ist, war bisher völlig unklar. Die Max-Planck-Forscher beschäftigen sich mit Proteinen, die die Aktivierung von Integrinen regulieren. Besonders interessant ist dabei das Protein Kindlin-3, das direkt an Integrine bindet. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilans-Universität München (LMU) und des Cancer Research UK London Research Instituts konnten sie nun belegen, dass Kindlin-3 für die Integrin-Aktivierung tatsächlich von zentraler Bedeutung ist: Verhinderten Moser und seine Mitarbeiter die Bildung von Kindlin-3 bei Mäusen, konnten sich die Leukozyten nicht mehr an die Zellwand anheften um in entzündetes Gewebe einzuwandern und die Mäuse zeigten zudem vermehrt Blutungen. "Unsere Ergebnisse an den Kindlin-3 Mäusen gaben den entscheidenden Hinweis darauf, dass Mutationen im Kindlin-3 Gen für die Erbkrankheit verantwortlich sein müssen", erklärt Moser. Dies gilt auch für den Menschen: Wissenschaftler des Cancer Research UK London Research Instituts zeigten, dass alle LAD III Patienten Mutationen im Kindlin-3-Gen tragen. In Zusammenarbeit mit Moser und dem Doktoranden Siegfried Ussar bewiesen die britischen Forscher, dass die Zellen der Patienten kein Kindlin-3 bildeten und der Leukozyten-Adhäsionsdefekt durch Einschleusen eines normalen Kindlin-3-Gens repariert werden.
Originalpublikationen:
M. Moser, M. Bauer, S. Schmid, R. Ruppert, S. Schmidt, M. Sixt, H.-V. Wang, M. Sperandio, R. Fässler: Kindlin-3 is required for beta2 integrin-mediated leukocyte adhesion to endothelial cells; Nature Medicine, advanced online publication, 22. February 2009,
doi 10.1038/nm.1921
L. Svensson, K. Howarth, A. McDowall, I. Patzak, R. Evans, S. Ussar, M. Moser, A. Metin, M. Fried, I. Tomlinson, N. Hogg: Leukocyte Adhesion Deficiency-III (LAD-III) is caused by mutations in the adhesion protein Kindlin-3; Nature Medicine, advanced online publication, 22. February 2009, doi 10.1038/nm.1931
Kontakt:
Dr. Markus Moser
Max-Planck-Institut für Biochemie
Am Klopferspitz 18
82152 Martinsried
E-mail: moser@biochem.mpg.de
Dr. Monika Gödde / Eva-Maria Diehl
Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Biochemie
An Klopferspitz 18
82152 Martinsried
Tel. 089-8578-3882/2824
E-mail: diehl@biochem.mpg.de
E-mail: goedde@biochem.mpg.de
Weitere Informationen:
http://www.biochem.mpg.de/en/rd/faessler/rg/moser
- Forschungsgruppe Dr. Markus Moser
http://www.biochem.mpg.de/faessler
- Abteilung Molekulare Medizin, Prof. Dr. Reinhard Faessler
http://www.biochem.mpg.de/news/pressroom
- Pressemitteilung
http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/abs/nm.1921.html
- Originalpublikation Moser et.al.
http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/abs/nm.1931.html
- Originalpublikation Svensson et.al.
Eva-Maria Diehl | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.biochem.mpg.de
Weitere Berichte zu: Biochemie > Blutgefäß > Blutkörperchen > Blutungen > Cancer > endothelial cell > Endothelzelle > Erbkrankheit > Gefäßwand > Gewebe > Integrin-Aktivierung > Integrine > Kindlin-3 > Kindlin-3-Gen > Klopferspitz > Krankheitserreger > LAD > Leukozyte > Leukozytenadhäsionsdefizienz > LMU > Mausmutante > Max-Planck-Institut > Molekulare Medizin > Mutation > Protein
Newly discovered breast milk antibodies help neutralize HIV
23.05.2012 | Duke University Medical Center
Scientists unravel role of fusion gene in prostate cancer
23.05.2012 | New York- Presbyterian Hospital/Weill Cornell Medical Center/Weill Cornell Medical College
Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.
Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.
Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...
Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen
Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...
Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.
Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.
Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...
Ein neuer Sonderforschungsbereich (SFB) an der Philipps-Universität geht der einzigartigen Fähigkeit von Mikroorganismen auf den Grund, sich ständig an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den SFB 987 mit dem Titel "Mikrobielle Diversität in der umweltabhängigen Signalantwort" in den kommenden vier Jahren mit voraussichtlich mehr als sieben Millionen Euro.
„Die erfolgreiche Beantragung des neuen Sonderforschungsbereichs belegt einmal mehr die exzellenten wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Mikrobiologie am Standort Marburg“, erklärt Professor Dr. Frank Bremmer, der Marburger Uni-Vizepräsident für Forschung. „Die Einrichtung des SFB wird Marburgs Stellung als zentraler Ort der mikrobiologischen Forschung festigen und deren internationale Sichtbarkeit weiter erhöhen.“ ...
Erosion in tropischen Küstenregionen führt zum schnellen Tod der Korallen
Die Farbigkeit, Vielfalt und Exotik der tropischen Korallenriffe fasziniert viele Menschen weltweit. Und doch sind es die Folgen unserer Zivilisation, die dieses fragile Ökosystem bedrohen durch Klimaerwärmung, Sauerstoffmangel und Ozeanversauerung. Fortschreitende Industrialisierung, Waldrodungen und intensive Landwirtschaft in küstennahen Gebieten führen zu Erosion und verändern die Lebensbedingungen im Meer dramatisch.
Jetzt ...
Anzeige
Anzeige

23.05.2012 | Energie und Elektrotechnik
Nano-Müll lässt sich nicht verbrennen
23.05.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz
Nea Kameni volcano movement captured by Envisat
23.05.2012 | Geowissenschaften
Jeder Mensch ist anders - Nutzen der individualisierten Medizin
23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
14th Leibniz Conference of advanced science „Sensorsysteme 2012“
23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Exklusive Kontakte beim Investforum
23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten