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Acht Jahre nach dem Start des Projekts Census of Marine Life - einem globalen Meereserforschungsprogramm - verläuft die erste Zwischenbilanz sehr positiv, berichten die Forscher. Der Zwischenbericht wird anlässlich des vierten Treffens der mehr als 2.000 beteiligten Forscher aus 82 Ländern bei der Weltkonferenz über die Marine Biodiversität in Valencia präsentiert.
"Wir haben wirklich wesentliche Schritte erreicht und werden 2010 bei der Präsentation des Schlussberichts mit einigen Überraschungen aufwarten", so der niederländische Meeresbiologe Carlo Heip vom Scientific Steering Committee des Census of Marine Life gegenüber pressetext. In den vergangenen Dekaden habe man in den Meeren gewaltige Veränderungen feststellen können. Diese sind vor allem durch den Verlust der großen Raubfische wie Tun oder Haie mitbestimmt.
"Wenn große Räuber fehlen, verändert sich die gesamte Nahrungskette", so der Wissenschaftler. "Die kommerzielle Fischerei ist in den vergangenen Jahren in immer größere Meerestiefen vorgedrungen und hat neue, bisher nicht gejagte Fischarten für sich entdeckt. Besonders untermeerische Bergrücken, die in internationalen Gewässern liegen, werden nun zunehmend befischt."
Viele der dort vorkommenden Fische weisen extrem langsame Reproduktionsraten auf, weil sie erst spät geschlechtsreif werden. Die Ausbeutung der Ozeane habe in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen. Flotten der EU fischen gemeinsam mit Fangflotten aus China oder Taiwan nun vor den Falkland Inseln, vor der Küste Namibias oder Mauretaniens.
"Auch wenn man der Bush-Regierung in Sachen Umweltschutz nicht viele positive Dinge nachsagen kann, ist die Schaffung vier weiterer großer mariner Schutzzonen im Pazifik beschlossene Sache", so Ron O'Dor, Koordinator des Census of Marine Life in Washington DC und Wissenschaftler an der Dalhousie Universität, im pressetext-Interview. Bereits der erste marine Park westlich von Hawaii habe gezeigt, dass sich der Fischbestand in No-Go-Zonen schnell erholen kann. "Wir müssen auch in der Öffentlichkeit ein verstärktes Bewusstsein dafür erzeugen, dass die Meere lebensnotwendig sind."
Es gebe allerdings nicht nur negative Neuheiten zu berichten, erklärt O'Dor. "Wir haben erstmals in historischen Aufzeichnungen in Dänemark auch Hinweise auf die Fischerei in den vergangenen 500 Jahren bekommen." Es sei interessant zu beobachten, welche Spezies zu welchen Zeiten besonders intensiv befischt wurden. "Auch daraus kann man ableiten, dass die Schaffung mariner Schutzzonen zur Arterhaltung lebensnotwendig ist." Wenn eine Art kommerziell ausgestorben ist, bedeute das noch nicht automatisch, dass es gar keine Fische mehr gibt, sondern nur, dass sich die kommerzielle Befischung nicht mehr lohnt. O'Dor betont, dass das Aussetzen der Fischerei in bestimmten Regionen für eine gewisse Zeit in der Regel zu einer raschen Erholung der Bestände führt. Patricia Miloslavich aus Venezuela und eine der Senior Scientists des Projekts beschäftigt sich mit der Verbreitung von Mollusken. "Wir beginnen erst jetzt langsam zu verstehen und uns ein Bild davon zu machen, wie sich die komplexen und weltweit miteinander verbundenen Strukturen der Artenvielfalt im Meer zueinander verhalten", so die Expertin. Genau das unterstreiche die Bedeutung der Schutzgedanken.
Der erste marine Zensus werde also nicht nur eine Bestandsaufnahme aller vorhandener Arten sein, sondern auch die Erkenntnis über Zusammenhänge bringen, die scheinbar wenig miteinander zu tun haben, betont Heip. Zahlreiche internationale Organisationen ebenso auch die EU - beispielsweise mit dem MarBEF-Programm - fördern das Projekt.
Wolfgang Weitlaner | Quelle: pressetext.austria
Weitere Informationen: www.coml.org
www.marbef.org
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