Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Gewebespezifische Stoffwechseluntersuchungen am Fadenwurm

22.12.2011
Der Fadenwurm C. elegans kann als Modellorganismus zum Studium menschlicher Krankheiten, so etwa Muskelkrankheiten, herangezogen werden. Forschende der Universität Basel haben kürzlich Methoden publiziert, worin dem Wurm bei der Charakterisierung pathologischer Stoffwechselveränderungen eine zentrale Rolle zukommt. Die Anwendung der neuen Methode erlaubt einen vertieften Einblick in den zellulären Stoffwechsel, der bei vielen Erkrankungen des Menschen gestört ist.

Anzeige


Unterschiedliche Aktivität der mitochondrialen Atmungskette in verschiedenen Geweben des Wurms C. elegans.

Der Fadenwurm Caenorhabditis elegans ist bei Genetikern, Zell- und Entwicklungsbiologen ein bewährter Modellorganismus, an dem sich grundsätzliche Fragen der Organentwicklung oder die Auswirkungen von Gendefekten studieren lassen. Vermehrt dient der Wurm heute auch als Modell zum Studium von Störungen des Energiestoffwechsels.

Die Abteilung Neuropathologie am Institut für Pathologie des Universitätsspitals Basel unter der Leitung von Prof. Dr. Stephan Frank beschreibt in der Dezemberausgabe von PLoS ONE nun eine Reihe von Methoden, mit welchen sich in C. elegans Erscheinungsbilder menschlicher Krankheiten studieren lassen. Den Forschenden ist gelungen, im Modellwurm – trotz seiner geringen Grösse – Stoffwechseländerungen gewebespezifisch zu erfassen. Die Arbeit entstand im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem «Cologne Cluster of Excellence in Cellular Stress Responses in Aging-associated Diseases» der Universität Köln.

Metabolischer Fingerabdruck sichtbar gemacht
Der in den 1970er Jahren als genetischer Modellorganismus eingeführte Fadenwurm C. elegans erlaubt die Beobachtung aller seiner Zellen in vivo während seines gesamten Lebenszyklus. Ähnlich wie die Fruchtfliege Drosophila verfügt C. elegans über ideale Modelleigenschaften, wie kurze Generationszeit und wenig Platzbedarf. Was bei der Beobachtung seiner Zellen und bei der Genetik ein Vorteil ist, erweist sich aber bei biochemischen Untersuchungen als Nachteil: Der Wurm ist mit 1 Millimeter Körperlänge und 0,1 Millimeter Durchmesser äusserst klein. Des Weiteren ist aufgrund der harten äusseren Wurmhaut eine mechanische Trennung verschiedener Gewebe mit ihren spezifischen Stoffwechselaktivitäten nicht praktikabel. Zudem stellt diese Aussenhaut ein unüberwindbares Hindernis für die Anwendung der meisten histochemischen Reaktionen dar.

Einige Probleme haben die Forschenden nun auf eine relativ elegante Weise umgangen: Anstatt die Würmer zu einem Gewebegemisch zu homogenisieren, führen sie die biochemischen Nachweisreaktionen direkt am Gefrierschnitt durch. Durch das Schneiden gefrorener Würmer werden die Zellen bzw. Organellen unterschiedlichsten Nachweisreaktionen zugänglich gemacht. Mittels Färbereaktionen lassen sich gewebespezifische metabolische Profile erstellen. Im Gegensatz zu der bislang angewandten biochemischen Untersuchung, erlaubt die neue Methode ein Arbeiten mit weit geringeren Wurmmengen – viele Mutanten mit Stoffwechseldefekten lassen sich nur schwer anzüchten – und liefert dabei eindeutige Aussagen zur metabolischen Aktivität auf Gewebeebene. Als Beispiel sei die Messung des Fettgehalts erwähnt, die bis anhin fehlerbehaftet war und kontrovers diskutierte Resultate lieferte. Die neue Methode erlaubt nun eine wesentlich genauere Abschätzung des Fettgehalts in den verschiedenen Wurmgeweben.

Wurmmutanten simulieren menschliches Leiden
Im Rahmen der Methodenentwicklung haben die Forschenden bei der Untersuchung sogenannter mitochondrialer Wurmmutanten bislang nicht beschriebene, morphologische Veränderungen festgestellt. Interessanterweise fanden sich auch Gemeinsamkeiten zwischen mitochondrialen Muskelerkrankungen beim Menschen und den entsprechend modellhaft erkrankten Würmern. Die Methodik wird derzeit am Biozentrum sowohl bei der Untersuchung intrazellulärer Substanztransportmechanismen als auch in einem Demenz-Forschungsprojekt der Abteilung für Neuropathologie angewandt. Dies sind zwei weitere Forschungsgebiete, welche die Vorteile von C. elegans als Modellorganismus zu nutzen wissen.

Originalbeitrag
Jürgen Hench, Ivana Brati? Hench, Claire Pujol, Sabine Ipsen, Susanne Brodesser, Arnaud Mourier, Markus Tolnay, Stephan Frank, Aleksandra Trifunovi?
A Tissue-Specific Approach to the Analysis of Metabolic Changes in Caenorhabditis elegans
PLoS ONE. 2011;6(12):e28417 | doi: 10.1371/journal.pone.0028417

Reto Caluori | Quelle: Universität Basel
Weitere Informationen: www.unibas.ch
www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0028417

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Newly discovered breast milk antibodies help neutralize HIV
23.05.2012 | Duke University Medical Center

nachricht Scientists unravel role of fusion gene in prostate cancer
23.05.2012 | New York- Presbyterian Hospital/Weill Cornell Medical Center/Weill Cornell Medical College

Alle Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Im Focus: Mikroben kennen nur eine Konstante: Veränderung!


Ein neuer Sonderforschungsbereich (SFB) an der Philipps-Universität geht der einzigartigen Fähigkeit von Mikroorganismen auf den Grund, sich ständig an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den SFB 987 mit dem Titel "Mikrobielle Diversität in der umweltabhängigen Signalantwort" in den kommenden vier Jahren mit voraussichtlich mehr als sieben Millionen Euro.

„Die erfolgreiche Beantragung des neuen Sonderforschungsbereichs belegt einmal mehr die exzellenten wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Mikrobiologie am Standort Marburg“, erklärt Professor Dr. Frank Bremmer, der Marburger Uni-Vizepräsident für Forschung. „Die Einrichtung des SFB wird Marburgs Stellung als zentraler Ort der mikrobiologischen Forschung festigen und deren internationale Sichtbarkeit weiter erhöhen.“ ...

Im Focus: Schnelles Korallensterben


Erosion in tropischen Küstenregionen führt zum schnellen Tod der Korallen

Die Farbigkeit, Vielfalt und Exotik der tropischen Korallenriffe fasziniert viele Menschen weltweit. Und doch sind es die Folgen unserer Zivilisation, die dieses fragile Ökosystem bedrohen durch Klimaerwärmung, Sauerstoffmangel und Ozeanversauerung. Fortschreitende Industrialisierung, Waldrodungen und intensive Landwirtschaft in küstennahen Gebieten führen zu Erosion und verändern die Lebensbedingungen im Meer dramatisch.

Jetzt ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Komplexität beherrschen

23.05.2012 | Energie und Elektrotechnik

Nano-Müll lässt sich nicht verbrennen

23.05.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Nea Kameni volcano movement captured by Envisat

23.05.2012 | Geowissenschaften

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

Jeder Mensch ist anders - Nutzen der individualisierten Medizin

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

14th Leibniz Conference of advanced science „Sensorsysteme 2012“

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Exklusive Kontakte beim Investforum

23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp