Anzeige
Forscher fanden im Erbgut von Moosen 128 Gene, die ursprünglich von Bakterien, Pilzen und Viren stammten. Bisher sprach man solch einem horizontalen Gentransfer nur eine geringe evolutionäre Rolle zu.
Übertragen Eltern Gene an ihre Nachkommen, bezeichnet man diesen Vorgang als vertikalen Gentransfer. Erfolgt der Austausch von Genen jedoch über Artgrenzen hinweg nennt man dies einen horizontaler Gentransfer. Häufig findet man horizontalen Gentransfer bei einfachen Organismen wie Bakterien.
Bei komplexen mehrzelligen Eukaryoten ist dies ein seltener Vorgang, dem wenig Relevanz für die Entwicklung der Pflanzen zugesprochen wird. Eine Ausnahme bilden symbiotische Beziehungen, bei denen solche Austauschvorgänge durch den engen Kontakt von Wirt und Symbiont mehrfach nachgewiesen und mit der Weitergabe wichtiger Funktionen verbunden werden konnten (vgl. Yoshida, S. et al., 2010; Xi, Z. et al., 2012).
Horizontaler Gentransfer und die Entstehung von Landpflanzen
Forscher liefern nun Hinweise dafür, dass der horizontaler Gentransfer (HGT) eine größere Rolle in der Evolution von Pflanzen spielt, als bisher angenommen. Ihren Ergebnissen zufolge, könnten Gene von Einzellern, Viren und Pilzen Pflanzen bei der Eroberung des Landes vor knapp 500 Millionen Jahren geholfen haben. Sie schlussfolgern aus Erbgut-Analysen, dass HGT ein dynamischer Prozess ist, der häufig in der frühen Evolution der Landpflanzen aufgetreten ist und eine entscheidende Rolle beim Übergang von Pflanzen aus aquatischen zu terrestrischen Umgebungen hatte. Die neu dazugewonnen Gene könnten den Pflanzen also nützlich gewesen sein, um sich an die neuen Umweltbedingungen an Land anzupassen. Ihre Studie untersuchte dafür das Erbgut (Genom) von Moosen, die zu den ersten Landpflanzen gehörten.
Fremde Gene wurden übernommen
Genom-Analysen des Mooses Physcomitrella patens (Kleines Blasenmützenmoos) belegen den HGT: 128 Gene, von 57 verschiedenen Genfamilien, konnten identifiziert werden, die ursprünglich nicht zum Erbgut der Moose gehörten, sondern von Bakterien, Pilzen oder Viren abstammten. Mit Hilfe einer speziellen Software (AlienG) verglichen sie die Gene des Mooses mit DNA-Sequenzen anderer Organismen, die nicht direkt mit den Moosen verwandt sind, also z.B. Einzellern. Das Moos eignete sich für die Analyse sehr gut, da das Genom vollständig entschlüsselt ist. Sie betrachteten dabei nur Gene aus dem Zellkern der Moose.
Von den 57 identifizierten Genfamilien fanden die Forscher beispielsweise 18 auch in Grünalgen. Dies deutet darauf hin, dass die Gene schon vor dem Landgang von den Moosen übernommen wurden.
Die Mehrzahl der übernommenen fremden Gene stammte ursprünglich von Bakterien, zehn der Genfamilien waren ursprünglich von Pilzen und nur eine Genfamilie stammte von Viren ab.
Funktionelle Zuordnung
Die fremden Gene haben spezifische Funktionen und sind bei Pflanzen an einigen wesentlichen Stoffwechsel- und Wachstumsprozessen beteiligt. Darunter die Bildung von Hormonen wie Auxin, das in Pflanzen Wachstumsprozesse beeinflusst. Manche Gene sind an der Produktion von Stärke und Aminosäuren beteiligt. Andere kodieren Enzyme, welche am Wachstum der Stängel und Wurzeln beteiligt sind oder die Samenentwicklung beeinflussen. Auch die pflanzliche Abwehr gegen Krankheiten oder die Anpassung an widrige Bedingungen wie Trockenheit wird von den Fremdgenen unterstützt. Dies sind wichtige Funktionen, um sich an die teilweise suboptimalen Bedingungen an Land anzupassen.
Die zukünftige Forschung muss nun klären, ob auch bei höheren Landpflanzen ein solcher HGT nachweisbar ist. Ein HGT bei komplexen Organismen könnte danach weitaus häufiger vorkommen, als bisher angenommen. Fände man weitere Belege für einen Gentransfer über Artgrenzen hinweg, so müsste sein Einfluss auf die Entstehung der Landpflanzen überdacht werden. Andererseits ist die Studie auch ein Beleg dafür, mit welcher Vielfalt und Raffinesse die Natur einmal entstandene molekulare Werkzeuge nutzt, um neue Lebensräume zu erschließen.
Quelle:
Yue, J. et al. (2012): Widespread impact of horizontal gene transfer on plant colonization of land. In: Nature Communications, 3: 1152, 23. Oktober 2012, DOI: 10.1038/ncomms2148.
Yue, J. et al. | Quelle: Pflanzenforschung.de
Weitere Informationen: www.Pflanzenforschung.de
Weitere Berichte zu: Artgrenzen > Bakterien > Einzeller > Erbgut > Evolution > Genfamilien > Genom > Gentransfer > Landpflanzen > Organismus > Umweltbedingung > Virus
Spheres can form squares
24.05.2013 | Wageningen University
Wissenschaftler klären Kontrollmechanismen eines Schlüsselenzyms des Spleißosoms auf
24.05.2013 | Freie Universität Berlin
Heute morgen um 05:45 MESZ bebte die Erde unter dem Okhotsk-Meer im Nordwestpazifik. Das Beben mit einer Magnitude von 8,2 fand in einer außergewöhnlichen Tiefe von 605 Kilometern statt.
Wegen der großen Tiefe des Bebens ist nicht mit einem Tsunami zu rechnen und es dürften auch keine größeren Schäden durch Erschütterungen auftreten.
Professor Frederik Tilmann vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ sagt dazu: „Der Bebenherd liegt außergewöhnlich tief, weit unterhalb der Erdkruste im Erdmantel. Solch starken Beben in dieser Tiefe treten ...
Ein internationales Team von Meeresforschern bricht diese Woche zu einer Expedition in den Nordostatlantik vor die Küste Galiziens auf.
Mit zwei Forschungsschiffen, der amerikanischen MARCUS G. LANGSETH und der deutschen POSEIDON wollen die Wissenschaftler mehr über die Geburtsstunde des Atlantiks erfahren, die vermutlich etwa vor 200 Millionen Jahren begann. Mit an Bord sind Geophysiker vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.
Es ist schon sehr lange her, man schätzt etwa ...
Physiker der ETH Zürich haben einen Quantensimulator entwickelt, in dem Atome das Verhalten von Elektronen in magnetischen Materialien nachahmen.
Damit können schwierig zu verstehende Eigenschaften neuartiger Materialien systematisch untersucht werden, was letztlich auch zur Entwicklung neuer magnetischer Materialien führen könnte.
Weshalb ein Kühlschrankmagnet an bestimmten metallischen Oberflächen haften bleibt, das verstehen Physiker in jedem Detail. Magnetische Materialien existieren jedoch auch in exotischen Varianten, deren Eigenschaften trotz jahrzehntelanger Forschung noch weitgehend ...
Die Erderwärmung geht weiter, auch wenn die schlimmsten Prognosen weniger wahrscheinlich werden
Die Erderwärmung stellt Klimaforscher immer wieder vor Rätsel, aber eines steht so gut wie fest: In den nächsten Jahrzehnten wird sich die Durchschnittstemperatur auf der Erde weiter erhöhen, auch wenn sie in den Jahren von 2001 bis 2010 deutlich langsamer gestiegen ist als im Jahrzehnt zuvor.
Das belegt die neue ...
Eine neue Methode kann links- und rechtshändige Moleküle zuverlässig unterscheiden
Die Chemie des Lebens kennt rechtshändige und linkshändige Moleküle, die ganz unterschiedliche Wirkung haben können. Ein amerikanisch-deutsches Forscherteam hat jetzt eine neue Technik entwickelt, mit der sich diese beiden spiegelbildlichen Varianten eines Stoffs zuverlässig auseinanderhalten lassen.
Die Methode erkennt die sogenannten Enantiomere einer Verbindung im Prinzip sogar in Stoffgemischen. Die Technik ...
Anzeige
Anzeige

Mit dem Oxid-Cluster zum Rechner der Zukunft
24.05.2013 | Informationstechnologie
24.05.2013 | Biowissenschaften Chemie
Atlantic Research Expedition Uncovers Vast Methane-Based Ecosystem
24.05.2013 | Ökologie Umwelt- Naturschutz
Die nachhaltige Stadt – ein Zukunftsmodell?
24.05.2013 | Veranstaltungsnachrichten
Aktuelle Batteriespeichertechnologien – Was braucht der Markt?
24.05.2013 | Veranstaltungsnachrichten
Werterhalt und Ressourceneffizienz von Bauwerken – Wege aus dem Instandhaltungsdilemma
24.05.2013 | Veranstaltungsnachrichten