Anzeige

Wenn die Kraftwerke der Zellen - die so genannten Mitochondrien - nicht fehlerfrei arbeiten, kann dies Alterungsprozesse in der Haut beschleunigen. Ein internationales Forscherteam hat entdeckt, dass Haut- und Bindegewebszellen durch Veränderung eines einzigen Gens schneller absterben und dadurch Alterserscheinungen der Haut und der Knochen verursachen. (Nature Genetics, 2. August 2009)
Die neuen Ergebnisse belegen erstmals, dass vorzeitige Hautalterung (Cutis laxa) in Verbindung mit geistiger Behinderung durch Veränderungen des PYCR1-Gens verursacht werden kann. Als Cutis laxa (wörtlich: schlaffe Haut) bezeichnen Mediziner eine Gruppe von Erkrankungen, die mit vorzeitiger Alterung und schlaffer, faltiger Haut einhergehen. Cutis laxa kann bereits bei Kindern und Jugendlichen auftreten.
In der jetzt vorgelegten Studie untersuchten die beteiligten Wissenschaftler insgesamt 22 Familien, von denen 35 Mitglieder am Cutis-laxa Syndrom erkrankt waren. Zusätzlich zu den typischen Hautveränderungen, die normalen Alterungserscheinungen gleichen leiden alle Betroffenen schon im jugendlichen Alter unter Knochenschwund (Osteoporose). Mithilfe von neuesten Sequenzierungstechniken gelang es den Forschern, ein Gen auf Chromosom 17 zu identifizieren, das bei allen untersuchten Patienten verändert war. Das von diesem Gen gebildete Enzym PYCR1 ist in den Mitochondrien an der Produktion der Aminosäure Prolin beteiligt. "Prolin ist der wichtigste Bestandteil des Kollagens, des zentralen Strukturproteins des menschlichen Bindegewebes. Daneben ist es aber auch in der Lage, so genannte freie Radikale in der Zelle abzufangen", erläutert Stefan Mundlos vom Max-Planck-Institut für für molekulare Genetik in Berlin.
Mitochondrien spielen auch im normalen Alterungsprozess eine Rolle
Freie Radikale sind extrem reaktionsfreudige Moleküle, die ständig innerhalb der Mitochondrien gebildet und z.B. für die Infektionsabwehr des Organismus benötigt werden. Wenn jedoch sehr viele dieser Moleküle in den Zellen entstehen, können diese dadurch geschädigt oder sogar zerstört werden. Die Forscher konnten nachweisen, dass Mutationen von PYCR1 Haut- und Bindegewebszellen empfindlicher gegenüber freien Radikalen macht. Sie sterben dann sehr viel schneller ab als normal und rufen dadurch die typischen Haut- bzw. Bindegewebsveränderungen hervor. "Eine Fehlfunktion der Mitochondrien wird auch mit dem normalen Alterungsprozess und den damit verbunden Veränderungen, z.B. an Haut und Knochen, in Verbindung gebracht", so Mundlos.
Nun wollen die Wissenschaftler herausfinden, ob Veränderungen des Prolinstoffwechsels mit Alterung einhergehen und ob die altersabhängigen Veränderungen des Bindegewebes verzögert werden können, wenn sie das PYCR1-Gen stimulieren oder den Mitochondrien zusätzlich Prolin zuführen.
Originalveröffentlichung:
Reversade, B., N. Escande-Beillard, A. Dimopoulou, B. Fischer, S. C. Chng, Y. Li, M. Shboul, P.-Y. Tham, H. Kayserili, L. Al-Gazali, M. Shahwan, F. Brancati, H. Lee, B. D. O'Connor, M. Schmidt-von Kegler, B. Merriman, S. F. Nelson, A. Masri, F. Alkazaleh, D. Guerra, P. Ferrari, A. Nanda, A. Rajab, D. Markie, M. Gray, J. Nelson, A. Grix, A. Sommer, R. Savarirayan, A. R. Janecke, E. Steichen, D. Sillence, I. Haußer, B. Budde, G. Nürnberg, P. Nürnberg, P. Seemann, D. Kunkel, G. Zambruno, B. Dallapiccola, M. Schuelke, S. Robertson, H. Hamamy, B. Wollnik, L. Van Maldergem, S. Mundlos & U. Kornak
Mutations in PYCR1 cause cutis laxa with progeroid features.
Nature Genetics, doi 10.1038/ng.413, Advance Online Publication 02.08.2009
Dr. Patricia Marquardt
Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, Berlin
Tel.: +49 30 8413-1716
Fax: +49 30 8413-1671
E-Mail: patricia.marquardt@molgen.mpg.de
Dr. Felicitas von Aretin | Quelle: Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen: www.mpg.de
Weitere Berichte zu: Alterung > Alterungsprozess > Bindegewebe > Bindegewebszelle > brüchige Knochen > Cutis laxa > Gen FTO > Genetics > Genetik > Mitochondrium > molekulare Genetik > Molekül > Prolin > PYCR1 > PYCR1-Gen > Radikale
Newly discovered breast milk antibodies help neutralize HIV
23.05.2012 | Duke University Medical Center
Scientists unravel role of fusion gene in prostate cancer
23.05.2012 | New York- Presbyterian Hospital/Weill Cornell Medical Center/Weill Cornell Medical College
Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.
Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.
Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...
Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen
Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...
Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.
Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.
Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...
Ein neuer Sonderforschungsbereich (SFB) an der Philipps-Universität geht der einzigartigen Fähigkeit von Mikroorganismen auf den Grund, sich ständig an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den SFB 987 mit dem Titel "Mikrobielle Diversität in der umweltabhängigen Signalantwort" in den kommenden vier Jahren mit voraussichtlich mehr als sieben Millionen Euro.
„Die erfolgreiche Beantragung des neuen Sonderforschungsbereichs belegt einmal mehr die exzellenten wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Mikrobiologie am Standort Marburg“, erklärt Professor Dr. Frank Bremmer, der Marburger Uni-Vizepräsident für Forschung. „Die Einrichtung des SFB wird Marburgs Stellung als zentraler Ort der mikrobiologischen Forschung festigen und deren internationale Sichtbarkeit weiter erhöhen.“ ...
Erosion in tropischen Küstenregionen führt zum schnellen Tod der Korallen
Die Farbigkeit, Vielfalt und Exotik der tropischen Korallenriffe fasziniert viele Menschen weltweit. Und doch sind es die Folgen unserer Zivilisation, die dieses fragile Ökosystem bedrohen durch Klimaerwärmung, Sauerstoffmangel und Ozeanversauerung. Fortschreitende Industrialisierung, Waldrodungen und intensive Landwirtschaft in küstennahen Gebieten führen zu Erosion und verändern die Lebensbedingungen im Meer dramatisch.
Jetzt ...
Anzeige
Anzeige

23.05.2012 | Energie und Elektrotechnik
Nano-Müll lässt sich nicht verbrennen
23.05.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz
Nea Kameni volcano movement captured by Envisat
23.05.2012 | Geowissenschaften
Jeder Mensch ist anders - Nutzen der individualisierten Medizin
23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
14th Leibniz Conference of advanced science „Sensorsysteme 2012“
23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Exklusive Kontakte beim Investforum
23.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten